Abenteuer Indonesien – Teil 1

Da es bis zu unserem nächsten Urlaub noch ein bisschen weit ist – im Dezember geht es zum Weihnachtsmarkt nach Aachen – gibt es heute und in den nächsten Tagen und Wochen ein paar Gastbeiträge zu Überbrückung.

Unsere Quasi-Schwiegertochter J. ist zurzeit zu einem 8-wöchigen Studienaufenthalt (Praktikum) in Indonesien. Sie studiert Geographie und soll dort – zusammen mit einem Kommilitonen – an einem Nachhaltigkeitsprojekt arbeiten. Sie hat uns einen Reisebericht geschickt und uns erlaubt, ihn in unseren Blog zu stellen.

Hier also J.s Gastbeiträge.

1. Tag: Los geht’s……

Am 14.08.2011 geht`s los, morgens um acht von K. aus mit meiner Schwester Jen, meiner zweijährigen Nichte Fini und meinem Freund D. zum Flughafen Frankfurt …Abschiedsschmerz!!

Zwei Monate kein Hund – meine Jula. Mein Freund D. kommt ja mal vorbei – aber auch kein Hessen, keine Herkunftsstadt und kein zu Hause, 12.000 km weit weg… Die Gefühle am Check-in sind doch sehr durchmischt. Ein bisschen Angst war mit Sicherheit auch dabei. Mein Kommilitone L. und ich müssen jetzt zum Gate. Wir müssen jetzt Abschied nehmen, Kampf mit den Tränen und alle winken noch so lange und gucken uns nach. „Ach geht doch endlich, es fällt mir schon schwer genug“ vs. Spannung und Vorfreude auf das was uns erwartet.

Um 11:30 geht der Flieger erstmal ab nach Abu Dhabi, mit Etihad Airlines, tolle Airline, viele Filme, Fernsehen, Videospiele und echt nette, besorgte Stewardessen, die ihren Job sehr gut machen. Es sind allerdings natürlich keine Araberinnen, weil die ja nur einen Minischlitz zum durch die Burka gucken haben und sowas im Service schlecht ankommt. Also machen das Asiatinnen, Pakistanerinnen, Philippinerinnen etc. Das Essen war allerdings mit Abstand das Beste, das ich bisher im Flieger hatte.

In Abu Dhabi, wenn man aus dem Flieger steigt, hat man dann erstmal das Gefühl jemand klatscht einem ein 40 Grad warmes Handtuch ins Gesicht. Das Atmen ist unangenehm. Die Luftfeuchtigkeit einfach viel zu „hatt“ ! Aber es gibt ja dann die 20 Grad kalten Klimaanlagen, die einem den Begriff Klimawandel auf eine ganz andere Art und Weise näher bringen. Draußen arschheiß, drinnen fast schon zu kalt, weil man ja immer so gut wie nass wieder reinkommt.

Ziemlich „flugdebil“ überlegen wir jetzt erstmal, wo wir ein Hotel finden, gucken im Hotelführer am Flughafen, entscheiden uns dann für eines. Aber der Taxifahrer hat eine andere Idee und bringt uns in eine im Bau befindliche Gegend, wo nix los ist, aber schon mal ein paar Hotels stehen. Der Abzocker: 25 Euro fürs Taxi (Rückfahrt mit mehr Taxierfahrung für 5 Euro). Naja im Hotel mexikanisches Essen?! Erstmal pennen und morgens ausgiebig frühstücken.

So, was macht man jetzt hier, die Straßen sind menschenleer. Es ist Ramadan und bei der Hitze ist tagsüber nix los…zum Ferrari-World! Auch wieder abgezockt vom Taxifahrer und der Laden hat montags geschlossen. Das hätten die uns im Hotel auch sagen können…grummel, motz, wenigstens mit dem Shuttlebus kostenlos zurück ins Hotel. Hatten zwar schon ausgecheckt, aber den Pool haben wir trotzdem den ganzen Tag belagert.

Kohle konnten wir auch nicht tauschen, weil wir ausgecheckt hatten, deswegen auch keine Stadtbesichtigung, aber da es ja im Extremkapitalismus-Abu Dhabi sowieso nur Shopping Malls, Hotels und Restaurants gibt, auch nicht weiter schlimm.

Als wir dann endlich am Flughafen sind, sind wir auch wirklich froh wieder abreisen zu können. Einen komischen Eindruck haben die Vereinigten Arabischen Emirate bei mir hinterlassen: Hitze, Luftfeuchtigkeit, Kapitalismus pur, schwarze Burka tragende Frauen (bei der Hitz’) nebst bzw. hinter ihren arrogant wirkenden Männern im weißen Gewand mit „Turban“, im Schlepptau kleine stolze Jungs in Militäruniformen beim Vater, kleine ehrfürchtige Mädchen an Mutters Rockzipfel, daneben die Schwiegermutter….!, Babywickeltische räumlich nach Geschlechtern getrennt! Die einzigen, die in diesem Land körperlich oder im Service arbeiten sind Inder, Pakistaner, Philippiner usw. Die feinen Herren Araber sind sich ja für diese Arbeit zu schade. Bewässerungsschläuche in den Beeten am Straßenrand und für die, wo man geht und steht, Tausenden von blühenden Bepflanzungen, z.B. auch für die Golfanlagen, überall riesige Monumentalbauten, (sublimieren wir etwa unser komisches traditionell eingeschränktes Verhältnis zur Sexualität ?) die total unökonomisch überall hingebaut werden und natürlich dicke Autos, am Besten mit 500 PS – in einer Stadt wo man überall nur 60 fahren darf… Es iss net so wirklich meins, dieses Abu Dhabi, da können sie noch so reich sein. Ich wollte nur weg und fand’s unsympathisch-kühl trotz des heißen Klimas.

2. Tag: Endlich da…

Als wir in Jakarta am Flughafen ankommen, ist uns ein Riesenstein vom Herzen gefallen, endlich normale Leute! Sofort kommen freundliche Indonesier auf uns zu, die – obwohl wir ihr Taxi nicht brauchen und verneinen – wissen wollen, zu welchem Terminal wir müssen, um uns den Weg zu erklären, völlig uneigennützig laufen sie uns auch noch lächelnd hinter her, weil wir dann doch falsch abgebogen sind, um uns den Weg nochmal zu erklären. Ein Mann bedankt sich, weil wir die Zigaretten direkt in den Mülleimer entsorgen. Alle lächeln, obwohl das Leben für die allermeisten hier mehr als hart ist. Der Taxifahrer von eben könnte auch gleichzeitig ein Universitätsprof sein, weil hier jeder mindestens zwei Jobs braucht – aber sie lächeln! Man wird richtig demütig, wenn man sich das betrachtet und wäre selber gerne so menschenfreundlich erzogen worden und aufgewachsen zwischen solchen Menschen, …wenn da nicht diese krasse Armut wäre. Wie würde ich wählen, wenn ich gekonnt hätte, was hätte mich glücklicher gemacht frage ich mich schon nach einer halben Stunde Indonesien. Insgeheim habe ich diese Frage für mich schon beantwortet, am Ende meines Praktikums hoffe ich, das ich dazu ein ganz klares Ja- oder Nein-Statement abgeben kann.

Außerdem habe ich mich als Kind aus der nördlichen Hemisphäre natürlich über die „Dunkin`Donut“- Läden und A&W Läden (ja es gibt hier eine Rootbeer-Cafe-Kette) gefreut.
Wir fliegen also 50 Minuten über das riesige Jakarta. Mit Garuda Airlines nach Yogyakarta, wo uns M. vom Flughafen mit dem Taxi abholt. Den ganzen Weg bis zum Hotel plaudert er auf Indonesisch mit dem Taxifahrer, und wir sitzen ehrfürchtig und nicht ganz neidfrei hinten und sind erstmal platt. Einchecken im Hotel M., frisch machen und dann erstmal wat essen bei Tante Lies. Den Stress mit den Hotelkosten und überhaupt den ganzen Stress um die Finanzen spare ich mir mal an dieser Stelle. Trotzdem sind wir ein bisschen sehr reizüberflutet und noch ohne Plan, wie das jetzt weiter gehen soll, wenn wir alle Projektkosten unerwartet vorlegen müssen, gehen L. und ich ins Bett, bleiben aber noch lange grübelnd wach und denken insgeheim „oh mein Gott, worauf habe ich mich da eingelassen“.

Fortsetzung folgt.