Abenteuer Indonesien – Teil 5

7. Tag: ….und noch mehr Müll…..

Bege hat es tatsächlich geschafft, für uns ein Dorf zu finden, in dem das Waste Management gut funktioniert. Um zwölf sind L. und ich bei ihm. Kurze Zeit später treffen dann auch M. und M. ein. Das Dorf nennt sich B. und ist ein Stadtteil von Yogya.

Dort angekommen sehen wir auch schon verschiedene Modelle von Kompostern und Plakate, die ein Mülltrennungsmodell darstellen. Der Verein nennt sich „Bank Sampa“, eine Mitarbeiterin ist nach kurzer Zeit für uns da, um uns das Konzept des Modells zu erklären.

Zunächst erklärt sie uns, das es für die Menschen vor Ort ein Problem gewesen sei, mit dem Thema Müll (Sampa) umzugehen, weil dies den Umgang mit Dreck und unreinen Sachen bedeutet und die muslimische Prägung ihnen dort eher Abstand geheißt. Der additive Name Bank hat jedoch etwas positives, denn Bank bedeutet Müll und „Bank Sampa“ dementsprechend „Müllbank“. Das wird von den Leuten sehr gut angenommen. Sie kommen teilweise von weit her, um ihren Plastikmüll dort abzuliefern, diese Tatsache entkräftet auch unsere anfängliche Skepsis. Zunächst dachten wir, dass es schwer wird, einen Stadtteil der großen Stadt Yogya mit einem entlegenen Dorf wie unserem Projektdorf überhaupt vergleichen zu können.

Die Mitarbeiterin erklärt uns, dass jeder Haushalt seinen Müll separiert und sammelt. Wenn der Haushalt seinen Müll eigenständig zur Bank bringt, bekommt er 85% des Wertes, den der Müll nachher einbringt, dass sind in Yogya etwa 100.000 Rupia die Woche. Die Bank bekommt 15%. Wird der verwertbare Plastikmüll von einem Sammler vor Ort abgeholt und zur Bank gebracht, bekommt er 70% der 85% und der Haushalt 30%.

Als wir fragen, wie die ersten Schritte gemacht wurden und wo die Probleme gelegen haben könnten, wird uns berichtet, dass man sich zunächst an die Frauengruppe gewandt hat. Die Frauen sind die Hauptverantwortlichen in der Familie für die Entsorgung des Alltagsmülls. Also begann man damit, zu versuchen, das Interesse der Frauen zu wecken, mit wenig Erfolg. Erst nachdem man die Kinder informierte und ihnen die Möglichkeit für ein Extra-Eis von dem ersammelten Geld schmackhaft machen konnte, fingen auch die Eltern an, sich für die extra Einnahmequelle zu interessieren. Mittlerweile bringen ca. 300 Haushalte ihre Reststoffe zur „Bank Sampa“ und da man sich schnell an die Extra-Einnahmen gewöhnt hat, wird der Müll, der teilnehmenden Haushalte auch immer regelmäßig entsorgt. Es gibt ein klares Mülltrennungssystem, das sich nach Papier-, Plastik- und Glasmüll aufteilt. Jeder Haushalt besitzt drei Mülleimer. Plastikflaschen und hauptsächlich der transparente Plastikmüll sind am besten verwertbar und bringen auch mit einem Kilopreis von 1000 Rupia pro Kilo den besten Ertrag. Desweiteren wird aus den verwertbaren Plastikflaschen und Kaffee- und Waschmitteltüten noch selbst recycelt. Es werden Handtaschen, Regenmäntel, Geldbeutel und Rucksäcke hergestellt sowie Mülleimer aus Autoreifen, Lampions aus Flaschen, Säulen aus Styropor und Zement, Aschenbecher etc. Wahrscheinlich eignet sich so etwas aber eher für das zentrumsnahe Dorf B., wo der Absatz durch Touristen gefördert werden kann.

Eine gute Inspiration für unser Projektdorf ist es aber trotzdem, ein Ansatzpunkt scheint gefunden. Am 11.-13. September findet ein Bank Sampa Meeting statt, wo die teilnehmenden Haushalte die Möglichkeit haben, mit Verbesserungsvorschlägen für das ganze System aufzuwarten und sich auszutauschen, wir werden auf jeden Fall dort sein.

In dem Laden der „Bank Sampa“ erstehen wir noch Infomaterial und bekommen das Mülltrennungsschema ausgedruckt zum Verteilen. Die beiliegende CD bietet eine gute Möglichkeit, unsere Workshops mit Informationen anzureichern. Wir haben uns überlegt, in den Schulen dieses Müllbanksystem als eine Art Rollenspiel nachzustellen und die Kinder für ihren gesammelten Müll auch direkt zu belohnen.

Zurück bei Bege, dann essen gehen, diesmal auswärts. Den Namen des kleinen Restaurants weiß ich gar nicht mehr – nur, dass es dort große Kakerlaken gab (mir ja egal, anderen ein Graus!!), aber der winzige Fisch, den ich hatte, viel zu lecker war für so viele Gräten. Er sah aus wie ein Mini-Piranha – die gibt’s hier aber nicht. Mit M. tauschen wir uns dann noch über die Daten aus, die sie über das Projektdorf P. gesammelt hat, wie viele Haushalte, wie viele Einwohner etc.

Am Hotel, kurz vorm Schlafen gehen, dann noch ein Knallpot-Unglück, habe mich relativ mies an der Wade am Auspuff verbrannt. M. hat damit auch schon Erfahrungen gemacht, deswegen hat sie Brandwundsalbe und Verbandszeug – Glück im Unglück…

8. Tag: Heilen, ruhen und auskotzen

Kein wirklich erwähnenswerter Tag. Bei einigen liegen die Nerven blank, wegen diverser Sachen. Ich höre zu und halte die Füße in den Pool (die Wade natürlich nicht). Ich gehe ein paar Früchte einkaufen: Mango, Papaya, Sternfrucht und Schlangenhautfrucht, und mache einen Obstsalat für alle. Als sich alle endlich ausgekotzt haben, bei mir oder sonst wo, geht`s mir dann nicht mehr so gut, dem Rest aber besser. Naja, ich kann damit wahrscheinlich besser umgehen, bin aber sehr erschöpft und weiß gar nicht, wo mir gerade der Kopf steht. Immerhin muss ich ja auch mit allem hier klarkommen und mich auf alles Neue einstellen. Mir fällt das zwar eigentlich nicht ganz so schwer…aber blöder Tag irgendwie.

Wir sind dann aber noch zum Abschluss Hot Plate essen gegangen, mit Seafood, war so naja…, zu viel Tintenfisch und der war mir zu zäh, aber Schwamm drüber. Morgen is auch noch’n Tag und viele werden folgen bevor’s wieder heim geht.

Fortsetzung folgt