Abenteuer Indonesien – Teil 6

9. Tag: Noch mehr Netzwerken und Shoppen mit „Mädchen“

L., M. und ich haben uns heute um neun zum Frühstücken verabredet. Nicht nur zum Essen, denn wir haben um elf einen Termin an der UGM, bei R. M. Er soll uns zwei Studentinnen vorstellen, die im Rahmen eines Austauschprogrammes ihren Doktor an unserer Uni daheim machen wollen. Wir sollen uns die beiden einmal angucken, haben wir zu Hause noch von unserem Professor aufgetragen bekommen. Was allerdings die Grundlage unserer Beurteilung sein soll, wissen wir nur so ungefähr, ist in einem kurzen Gespräch auch schwierig, wie ich finde – Bachelor-Studierende beurteilen angehende Doktoren…naja. Die beiden heißen Ari und Wiwin und beschäftigen sich zum einen mit der regionalen Planung in Karstgebieten und zum anderen mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gegend Seropan und die damit verbundenen Karstphänomene.

An der Uni werden wir äußerst nett von R. M. empfangen, dem wir als Gastgeschenk eine Tasse unserer Uni überreichen – nicht besonders einfallsreich, aber um dem Brauch, bei Besuchen ein Geschenk mitzubringen, nachzukommen, reicht es. Zusammen mit den beiden Studentinnen setzen wir uns in einen benachbarten Vorlesungssaal, um über die Proposal und ihre Vorstellungen zu plaudern. Sie müssen beide ein wenig deutsch lernen, was Wiwin bereits angegangen hat, Ari aber noch bevor steht, bevor sie im Oktober 2012 an unsere Uni kommen. Zusammen mit R. M. schreiben wir einen Brief an unseren Professor zuhause, der dann einen Letter of Acceptance an die UGM schicken muss, damit der Austausch amtlich wird. Eine Erkältung plagt mich schon seit gestern und in dem Raum ist die Luft etwas stickig, was meinen Kreislauf ein bisschen aus der Bahn wirft…wird dann aber wieder.

Nachdem wir uns von Allen verabschiedet haben, fahren wir in die Mall nahe der Uni. Ich kaufe mir allerlei Früchte, die ich bis jetzt noch nicht probiert habe, eine Sonnenbrille (die gleich auseinander fällt) und einen Wasserkocher, den braucht man hier nämlich, weil unerwarteter Weise der javanische Kaffee ungenießbar ist (zumindest in unserem Hotel).

Zurück im Hotel fahren L. und M. schon mal vor nach W. Ich bleibe noch, weil ich mit M. und Arfi zum Shopping verabredet bin (das erste Mal in meinem Leben hab ich mich mit Mädels so richtig typisch zum Shoppen verabredet….).
Wir fahren zu einem Outlet Store, wo wir zunächst etwas überfordert sind, dann aber doch so einiges finden…naja cooler Laden. In einem Straßenlokal essen Arfi, die jetzt um zwanzig vor sechs ihr Fasten brechen und damit endlich essen und trinken darf, und ich Fried Rice (Nasi Goreng) mit Chili, Chips und Ei. An den Straßenständen schmeckt das Essen erstaunlich viel besser als in den Restaurants und kostet etwa ein Drittel. Man sitzt auf Reismatten, vor denen man die Schuhe ausziehen muss. Als wir auf unser Essen warten, stellt sich ein Straßenmusikant direkt vor uns und singt Bob Marley und das gar nichtmal schlecht. Wir geben ihm 1000 Rupia, er bedankt sich freundlich und geht ein paar Plätze weiter. Wir fahren zurück, denn morgen heißt es um halb sechs aufstehen und um sieben mit dem Moped nach W.

10. Tag: Höhlen, Knochen, Affenstress

Völlig gestresst habe ich heute meinen Krempel im Hotel zusammen gepackt, habe mein Obst noch an Hotelgäste verschenkt, das ich mir eigentlich fürs Frühstück aufgehoben hatte, wozu es ja dann nicht mehr gekommen ist. Die Beschenkten waren auch überaus dankbar dafür, gezeichnet von einigen Tagen Knoblauchreis mit Chili zum Frühstück, – ich konnte mich da sehr gut in sie hinein versetzen. M. wartete schon im Hotelgarten auf mich und auch Bagus, der Höhlenführer, mit dem wir dann auch zusammen nach W. gefahren sind. Eine abenteuerliche Route ist der Weg, der hoch auf das Plateau in ca. 400 m Höhe führt. Lastwagen und viele Mopeds kämpfen um die Vorherrschaft auf der Straße. Meine minimale Fahrpraxis hat aber ausgereicht, um mich heil in dem kleinen Städtchen ankommen zu lassen. Glück?! Naja, weiß immer noch nicht, ob die Entscheidung selbst gefahren zu sein so besonders weise von mir war, aber es blieb mir ja auch irgendwie nichts anderes übrig. Das versprochene Auto hatte es gar nicht gegeben und eines besorgen ist auch leichter gesagt als getan, um neun war schließlich der Höhlenführungstermin.

Zusammen mit L. und M., die wir am Hotel treffen, fahren wir nach S., eine Viertelstunde von dort aus entfernt. Dort wohnt auch Bagus Vater in einer kleinen Hütte, wo wir uns Overalls und Helme anziehen und fertig machen für die Begehung der Höhle. Bagus ist beruflich Höhlenführer und hat auch so etwas von einem Steinzeitmenschen/Indianer oder so – Outfit und Beruf passen jedenfalls gut zusammen.

Wir marschieren los. Am Höhleneingang sehen wir eine schöne verkarstete Wand vor uns, mit Pflanzen bewachsen und Schmetterlingen, die im Sonnenlicht umher gaukeln, alles sehr harmonisch von außen. Im Inneren wird die Luft dann sehr schnell ziemlich stickig und feucht. Ein bisschen erinnert sie mich an Abu Dhabi. Und es wird eng, L. macht das besonders zu schaffen. Der Boden ist von Lehm überzogen und sehr rutschig. Oben muss man auf den Kopf und unten auf die Füße aufpassen. Von weitem hören wir schon den Wasserfall, der noch ca. 500 m weit von uns entfernt ist. Durch eine Schleuse fließt reißendes Wasser mit sehr hoher Geschwindigkeit, wir müssen sie überqueren, das heißt, direkt durch das Wasser, und können uns dabei auch nur an einem Seil festhalten – alles sehr abenteuerlich. Während der Regenzeit ist hier alles komplett überflutet, deswegen liegen in dem trüben Wasser, durch das wir waten müssen, überall sehr scharfkantige Gesteinsbrocken mit glitschigem Lehm überzogen. Außer der Taschenlampe am Helm gibt es hier auch kein Licht, was in der Strömung das verletzungsfreie Vorankommen sehr schwierig gestaltet.

Auf unserem Weg dann plötzlich ein Haufen Knochen, was meine Aufmerksamkeit natürlich sofort fesselt und meinen „Mitnehmen-Modus“ sofort aktiviert. Bagus erklärt, dass die Knochen bereits von der Archäologischen Fakultät der UGM untersucht worden seien und sich herausgestellt hat, dass es sich dabei um 5-7000 Jahre alte Tiger-, Rinder- und Büffelknochen handelt. Da bei der nächsten Regenzeit immer ein großer Teil dieser Knochen ins Meer gespült wird, dürfen wir uns gerne welche als Souvenir mitnehmen…freu…..Das muss man mir dann aber auch nicht zweimal sagen (es wird damit allerdings nicht einfacher, im Wasser voran zu kommen). Am Wasserfall angekommen, der neben uns um die 6 m in die Tiefe stürzt, müssen wir uns an einem schmalen, lehmig-glitschigen Pfad entlang, nur an ein ebenso glitschigem Seil festhaltend, Richtung glitschige Leiter hangeln. Mir ist auch schon ein bisschen mulmig dabei, denn die Strömung Richtung Wasserfall ist sehr eindrucksvoll und man möchte sich gar nicht vorstellen, was passieren könnte…so völlig ungesichert. Die Leiter ist auch noch so ein Hindernis – hin- wie rückzus kein so einfaches Hindernis, in meinem Hinterkopf noch das Bild von der Vorgängerleiter auf dem Hinweg mit durchgebrochenen Sprossen aber….keine Panik…. Bagus wird schon wissen, was er uns zutrauen kann. Am Wasserfall machen wir einige Fotos, völlig durchnässt und abgekämpft sehen wir alle aus, aber glücklich, 60 m unter der Erde.

Für L. ist das alles ziemlich zu hart. Er hat ganz schön mit seiner Größe und seinem Gewicht zu kämpfen. Auf dem Rückweg das Ganze nochmal – allerdings dann teilweise bis zur Brust und gegen die Strömung, das war dann für mich ganz schön hart, weil ich ja dann doch nicht so schwer bin und es mir ein paarmal ganz gut die Beine weggezogen hat. Einer der scharfkantigen, lehmigen Steine hat mir dann auch drei Schnitte ins Schienbein verpasst und an der verbrannten Stelle am Bein bin ich auch nochmal schön hängen geblieben…aber ich muss sagen – das war’s trotzdem wert.

Bagus Vater hat uns dann noch wirklich sehr nett bewirtet mit Tee und fermentiertem Sojabratlingen, die glaube ich hier Tempek oder so genannt werden. Mit den Mopeds fahren wir zurück ins Hotel, erstmal duschen gehen und danach anständig was essen, also Reis + … Ein toller, anstrengender Tag, den ich niemals missen möchte, trotz aufgeschlitztem Bein. Zu Bagus habe ich auch gesagt, dass es so ziemlich das Coolste war, das ich bisher erleben durfte und das macht auch einige Tiefen wieder wett. – Todmüde ins Bett!

Fortsetzung folgt.