Abenteuer Indonesien – Teil 7

11. Tag: So ein Scheißtag…

Heute wollten wir eigentlich nur ganz harmlos ins Projektdorf fahren, um uns mit dem dortigen Chief über die Projektmodule und die größten der einzelnen Gruppierungen, wie Frauengruppe, Männergruppe, Schule etc. zu unterhalten. Der gestrige Ausflug mit viel kaltem Wasser hat natürlich meiner Erkältung geholfen sich nochmal zu erholen – sprich schlimmer zu werden. An einer Treppenstufe bin ich dann auch noch gleich nach dem Aufstehen umgeknickt und habe mir den Knöchel verstaucht…heeh. Bin schon echt angeschlagen gewesen und zehn Leute, die sich schon vor dem Aufwachen vor meiner Zimmertür versammelt haben und quatschten sind auch nicht unbedingt so mein Ding,…bin halt kein Morgenmensch und erst recht nicht, wenn ich dann gleich mit ultragebrochenem Englisch konfrontiert werde… zehnmal nachfragen, pfff, anstrengend vorm ersten Kaffee.

Als L., Arfi und ich dann Richtung P. brausen, geht mir schon so durch den Kopf, dass man ja an manchen Tagen besser im Bett liegen bleiben sollte. Wir schlängeln uns durch den dichten Verkehr des Viehmarktes und fahren auf die Karsthügel zu, als mich plötzlich eine Windböe erfasst und aus der Kurve trägt. Zum Glück hatte ich noch genug Zeit, um einige Stundenkilometer runter zu bremsen, bevor ich im Straßengraben liege – ziemlich knapp neben einem Betonpfosten. Total unter Schock möchte ich eigentlich sofort wieder zurück ins Hotel. Mir steht jetzt wirklich nicht mehr der Sinn nach BlaBla mit dem Dorfchef, aber L. will weiterfahren und allein will ich nicht zurückfahren. Jetzt habe ich noch ein paar mehr Schrammen, so viel Pech muss man aber auch erstmal haben. Wir fahren also weiter und kommen dann auch irgendwann an. Der Reifen hinten an meinem Moped ist ziemlich platt. Also ist es auch kein Wunder, dass das Moped so schlecht anspricht. Das ärgert mich total, weil der Typ vom Mopedverleih mir so `ne Scheißkiste angedreht hat.

Beim Dorfchef macht L. eigentlich das ganze Interview, weil ich immer noch nicht ganz klar im Kopf bin – noch immer total unter Schock. Immerhin bekommen wir heraus, um wieviele Personen es sich jeweils handelt, bzw. um wieviele Schulklassen und erfahren auch, dass es bereits jemanden im Dorf gibt, der sich um das Einsammeln des Mülls kümmert – so gut er kann – und wie viel er dafür pro kg bekommt. Wir schlagen vor, einen Müllstorage im Dorf anzulegen, eine kleine Hütte oder so ähnlich, was nach mehrmaligem nachfragen dann auch auf Zuspruch stößt. Es wird sogar schon ein konkreter Platz dafür vorgeschlagen. Dem Direktor der Schule statten wir dann auch noch einen Besuch ab und berichten grob über die geplanten Workshops an seiner Schule, machen Termine aus, um uns mit den Lehrern zu besprechen etc.

L. meint, es wäre besser, wenn wir Mopeds tauschen. Seines ist allerdings größer und schwerer und vor lauter Schock, Stress und überhaupt verwechsle ich dann noch Gas und Bremse und lege mich direkt nochmal hin. Sofort kommen viele Leute angelaufen und helfen mir auf, nehmen mir gleich den Schlüssel weg, den mir Lukas wieder in die Hand drückt…und sagen, dass ich auf keinen Fall mehr fahren darf. Für mich ist das alles sowieso nur ein schlechter Film gerade. Jetzt ist der Tag endgültig für mich gelaufen. Ich bin wirklich deprimiert und keiner von Zuhause da, der mich gerade wirklich aufbauen kann. L. hat eine seltsame Art, einen zu trösten, nämlich gar nicht – bin davon auch ganz schön enttäuscht.

Den Rest des Tages liege ich im Bett, trinke ein Bier, um schnell schlafen zu können und gucke dabei seltsames indonesisches Fernsehen. L. hat sich sofort nach Ankunft in sein Zimmer verkrochen und hat sich auch erst zum Essen wieder blicken lassen. So ein unwirkliches Szenario, ich kann gar nicht glauben, dass mir heute so viel Blödes passiert ist. Bin voller Schrammen und blauer Flecken, Prellung an der Hand, am Ellenbogen und dazu ein verstauchter Knöchel, die Schnittwunden am Schienbein, eine Brandwunde an der Wade und die Erkältung…höööhhh wo is mein Mufftschick???

12. Tag: Pause

Haben nach dem Pflichtbesuch in der Apotheke, hehe, mit Arfi die Module besprochen, sonst war eigentlich nicht viel. War mit M. Seafood essen. L. war wieder mal den ganzen Tag in seinem Zimmer. Langweilig war’s, aber zum Heilen ein notwendiger Pausentag.

13. Tag: Strand und Flaschenpost

Nachdem wir den ganzen Samstag so vor uns hingegammelt haben und zum hunderttausendstenmal erfolglos versucht haben, meinen PC internettauglich zu machen (jetzt hat er aber Servicepack 3), sind wir am Abend zum Strand nach B. gefahren – L., M. und ich. Der ist wirklich sehr sehr schön und sehenswert, weil es dort auch überall durchlöcherte Karstfelsen gibt – ein Traum für jeden Landschaftsgärtner, so als Inspiration. Ein Fluss, der aus den Karstfelsen kommt, fließt dort direkt ins Meer. Die Japaner haben aber einen Teil von ihm abgezwackt, um ihn als Trinkwasser nutzbar zu machen (die haben ja auch was wieder gut zu machen nach der Besatzung und Ausbeutung). Wir sind von einem Strand zum anderen gelaufen, die wunderschönen, überwucherten Karsthügelchen als Panorama im Nordosten und im Süden das Meer.. einfach sehr schön. Am Strand haben wir einen riesigen toten Igelfisch gefunden, eine tote Fledermaus, in deren Ohr unappetitlicherweise gerade ein Wattwurm am Fressen war, und eine Art Flaschenpost. Die Flaschenpost war mehr ein Stoffsäckchen mit arabischen Schriftzeichen darauf und drinnen ein Stück Kuhhaut, ein Tabakblatt und ein Zettel – ebenfalls mit arabischer Schrift, die ich versuchen werde, übersetzen zu lassen. Bin gespannt, was da so alles draufsteht.

Wir haben uns am Strand noch eine Kokosnuss zum Trinken gegönnt und sind dann wieder zum Strand nach B., haben aber den Weg die Straße entlang gewählt, weil es schon dunkel war. Dort haben wir noch Seafood gegessen (L. natürlich nicht) und sind dann im Dunkeln wieder heim gefahren. Die Rückfahrt durch die dunklen Teakwälder war ganz angenehm – solange einem keine Autos entgegen kamen. Zum Glück musste ich nicht selber fahren. M. hat mir erzählt, dass alle Indonesier nachts im Wald Angst haben – wegen Überfällen und bösen Geistern. Das hat sich auch gleich bestätigt, weil wir – im Hotel angekommen – gleich gefragt wurden: „..und habt ihr keine Angst gehabt?“ – süß die Indonesier.

Fortsetzung folgt