Abenteuer Indonesien – Teil 9

17. Tag: Besuch aus Deutschland

Yeeey, heute kommt Besuch für mich aus Deutschland, – mein Freund D., endlich, yeeeey!!

Habe die ganze Zeit noch die Befürchtung gehabt, dass alle innerindonesischen Flüge ausgebucht sind – wegen Leberan (indonesischer Ramadan). Aber er hat noch das Glück gehabt, einen zu erwischen – nur wann genau, ist noch nicht klar. Ich wollte ihn eigentlich zusammen mit A’s Vater vom Flughafen abholen. Deswegen warte ich dann auch den ganzen Tag ab 16h auf den Anruf vom Flughafen in Jakarta. Mit L. zusammen fahre ich zum Parangritis-Strand – Sand holen für das Sandfiltermodul, beinahe schwarzen Sand. Der Strand ist zwar ein wenig vermüllt, aber das sind ja die meisten – leider. Am Strand gibt es Männer, die mit bunt bemalten Einsiedlerkrebsen ein Einsiedlerkrebsrennen anbieten, auf das man wetten kann. Im dem Moment gibt es aber keine anderen Interessenten außer uns und die Mittagssonne brettert mal wieder vom Himmel. Deswegen entscheiden wir uns dann doch gegen den Sonnenbrand und für den eigentlichen Arbeitsauftrag.

Direkt am Meer fahren Kutschen, was auch ein sehr außergewöhnliches Bild darbietet, die kleinen, schlanken Pferdchen müssen sich auch ganz schön abmühen, um auf dem Sand die Kutsche zu ziehen. Eigentlich ist der Strand ziemlich lang, aber die Indonesier, die ja ihr „Sozialisasi“ (sozialen Umgang pflegen und kommunizieren) so sehr lieben, hängen alle auf einem Klumpen. Natürlich sind wir auch eine Attraktion, der riesengroße Weiße und die Tätowierte mit Nasenring. Als wir unseren Sand dann auch eingepackt haben, entscheiden wir uns für die Rückkehr. Für einen leichten Sonnenbrand hat‘s dann aber auch noch gereicht. Wieder zurück im Hotel warte ich schon nervös auf D.s Ankunft. Um nicht andauernd nur nervös vor’m Telefon zu hocken und alle zwei Minuten drauf zu starren, entscheide ich, mich zum ersten Mal in den Pool unseres Hotels zu begeben. Dort findet gerade ein Vater-Sohn-Gespräch statt, so nach dem Motto: „Naja ich bin dein holländischer Vater. Ja, wir sehen uns jetzt zum ersten Mal. Hab halt deine Mutter damals vor zwanzig Jahren im Urlaub kennen gelernt…..“ Java war ja auch mal holländische Kolonie und ist daher ein sehr beliebtes Reiseziel für Holländer. Manche Javaner sprechen auch fließend holländisch, so wie der Besitzer unseres Hotels, der im Übrigen auch noch Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch und neben Indonesisch auch Javanisch spricht – beneidenswert. Naja, wie auch immer, hab dann auf die Bitte, ein Vater-und-Sohn-Foto zu machen noch eingewilligt, hab mich dann aber lieber aus‘m Staub gemacht, (social situation).

Immer noch keine Nachricht von D. Erst als wir dann endlich vom Abendessen in dem Kakerlakenschuppen, der jetzt zum letzten Mal als Ausweichlösung gedient hat, zurück kommen, sitzt er da plötzlich…einfach so.
Voll gut endlich jemanden bei sich zu haben, der die eigenen Interessen teilt und mit dem man auf alle Fälle Spaß hat. Nachdem wir seine Sachen auf’s Zimmer gebracht haben, sind wir dann auch erstmal – sozusagen als Einführungsveranstaltung – zu Tante Lies und zum Indomaret – gleich mal die wichtigsten Einrichtungen in Nähe des Hotels zeigen. Endlich wieder zusammen, schlafen wir dann auch sehr gut ein.

18. Tag: Erst mal langsam angehen lassen

Habe D. erstmal ausschlafen lassen, während dessen gefrühstückt und mit M. die anstehenden Arbeiten besprochen. Nachdem dann auch D. wach ist, überlegen wir, was wir machen und entscheiden uns erstmal für die Shoppingmeile Malioboro. Mit dem Betschak bin ich bis dahin noch nicht gefahren, also auch gleich mal eine neue Erfahrung für uns beide.

Der arme Kerl ist schon etwas älter, wie aber die meisten Betschakfahrer, und hat ganz schön mit uns zu kämpfen. Er hustet immer wieder vor Anstrengung. Wir sind hin- und hergerissen zwischen: „Wir quälen den armen Mann“ und „So verdient er aber Geld“.

An der Malioboro angekommen, müssen wir erstmal Geld wechseln. Das ist während der Feiertage gar nicht so einfach, denn die meisten Banken und Moneychanger haben geschlossen. In einer Seitenstraße finden wir so etwas wie eine Wechselstube, eigentlich nur ein Tisch, von dem aus die Frau dann einen Typen ruft, der Geld zum Wechseln einstecken hat….Naja sehr sehr fadenscheinig das Ganze. D. sieht schon ein wenig unterzuckert aus; der Flug und der ganze Stress sind ihm sehr auf den Magen geschlagen (kann mir nicht passieren sowas). Deswegen erstmal zu „Dunkin` Donuts“ und Energie auftanken. Eigentlich wollen wir Klamotten kaufen, finden aber gerade nichts – zu viele neue Eindrücke für D. und viel zu viele Leute unterwegs. Ein paar Souvenirs kaufen wir noch, aber die Mittagshitze schafft uns beide. Wir fahren zurück ins Hotel. Der Rest des Tages dümpelt so dahin. D. muss sowieso erstmal ankommen.

19. Tag: Ein Vulkan zum Anfassen

Heute geht’s zum Vulkan Merapi -freu!! Für alle Geologiefans, die Java besuchen, ein Muss, so wie der Bromo, den ich hoffentlich noch in der letzten Woche besuchen werde. Unser Ziel liegt etwa eine Stunde mit dem Moped nördlich von Yogja.

Wir wollen uns die Vernichtungsschneise des letzten Ausbruchs im November 2010 ansehen. Damals sind über 300 Menschen ums Leben gekommen, weil sie sich der Evakuierung durch die Behörden wiedersetzt hatten. Die Schneise liegt am Südhang des Vulkans, und es leben immer noch Menschen hier. An Stränden werden überall T-Shirts an die Kathastrophentouristen mit der Aufschrift „I love Merapi“ verkauft – fast schon ein bisschen makaber, aber wenn die armen, gebeutelten Menschen, die hier leben, etwas Geld damit verdienen können, um ihre Häuser wieder aufbauen zu können, soll‘s mir recht sein. Man kann hier aber auch Mörser aus Merapigestein kaufen – was schon ganz schick ist, wie ich finde. Auf unserem Weg Richtung Aufstieg kommen wir an vielen Ruinen vorbei, es stehen noch verkokelte CD-Player in den Regalen, geschmolzenes Kinderspielzeug liegt herum, Besteck, Flaschen. Das Drama, das sich hier abgespielt hat, wird einem sehr deutlich durch diese Bilder.

Wir quälen uns dann – von Erkältungen gebeutelt – gerade einmal einen Kilometer den Berg hoch, was aber schon ausreicht, um eine gute Aussicht von hier oben zu haben. Alle Bäume im Umkreis von ca. 5km sind umgeknickt wie Streichhölzer, man kann sehen, wo sich der heiße Schutt und Aschestrom den Weg Richtung Tal gebahnt hat, sehr beeindruckend. Nachdem wir ausreichend das Panorama betrachtet haben, wird es auch schon so langsam dunkel (allabendlich um 18 Uhr) und Zeit für den Heimweg. An einem Straßenstand auf Reismatten sitzend (lesehan auf Indonesisch) essen wir, bevor wir ins Hotel zurück fahren.