Abenteuer Indonesien – Teil 10

20. Tag: Kurz vor der Panik

Konnte erst jetzt wieder schreiben. Hier ist die Hölle in Dosen. Kitschige indonesische Musik dröhnt über die Lautsprecher des Hotels seit 8 Uhr, weil irgendwelche Leute sich hier zum Händeschütteln verabredet haben. Wenn es hier einmal entspannend leise wäre, hätte ich Angst, dass der Merapi ausgebrochen und alle evakuiert worden sind.

Heute war nicht so besonders viel los…eigentlich war aber auch total viel los. Hab mir erstmal einen Internetstick besorgt, damit ich endlich nicht nur den Luxus von Internet genießen kann sondern mir auch nicht die Leitung des Hotels mit zehn anderen onlinegierigen Hotelgästen teilen muss. Nach dem Essen sind D. und ich dann waghalsigerweise noch einmal zur Malioboro gefahren, um die Unmengen an Mitbringseln für Freunde und Verwandte zu kaufen. Zuerst nichts ahnend, quetschen wir uns durch die engen Shopping-Gässchen Richtung Mirota Batik, einem großen Souvenirladen, der mir schon von einigen Leuten empfohlen wurde. Die Menge an Menschen wird immer dichter und dichter. Das Stehenbleiben an auch nur einem der Stände ist nahezu unmöglich, die Masse drückt von hinten nach. Uns wird langsam klar, dass wohl jeder, der aus dem Umland über die Feiertage nach Yogja Verwandte besuchen gekommen ist, heute den letzten Tag vor der Heimreise noch zum Shoppen ausnutzen möchte. Wer denkt: Ja, ja es gibt schon viele Indonesier, wird sich spätestens hier und an diesem Tag bewusst, wie viele ! Sie sind zwar alle viel kleiner, aber die Masse macht’s dann letzten Endes aus. Wir lassen uns noch für einige Minuten in den Laden spülen, dann entscheiden wir uns, kurz vor der Platzangst, umzukehren. Das hier keine Massenpanik entstanden ist, liegt wohl auch an der unendlichen Geduld und Freundlichkeit der Menschen hier. Zurück auf der Straße drängen sich immer noch scharenweise Menschen dicht an dicht an uns. Wir sind wirklich froh, als uns ein Becakfahrer zum Aufspringen auffordert und uns irgendwie aus dieser Masse herausmanövriert. Wir sind fix und fertig, haben aber wieder ein paar Kleinigkeiten erstanden, für die wir an diesem Tag auch hart gekämpft haben.

21. Tag

Wir wollen heute nach Wonosari umziehen, in meinen Projektort. Vorher sitzen wir noch mit Bege zusammen, um die letzten verbleibenden Fragen über die Inhalte der Workshops zu klären. Das Konzept steht, die Poster sind mit Powerpoint entworfen, wir können also umziehen. Die Anderen fahren mit dem Moped. D. und ich bringen das Gepäck mit einem Großraumtaxi nach. An diesem Tag erklären wir unseren Dolmetscherinnen Arfi und Dani noch das Konzept der Bank Sampah. Wir haben auch ein spektakulär gestaltetes Video von Badegan bekommen, das die Leute zeigt, wie sie die Müllbank aufgebaut und organisiert haben – die Kaffepäckchen zu Handtaschen, die Waschmittelverpackungen zu Regenmänteln und die Plastikflaschen zu Lampions recyclen, etc. Not macht eben erfinderisch.

Wir gehen abends in der Bambushütte essen. So haben wir den Seafoodladen mit Atmosphäre hier in Wonosari getauft. Wir treffen dort B., ebenfalls ein Projektteilnehmer, der für technische Angelegenheiten hier ist und die Funktionstüchtigkeit der Wasserpumpen überwacht. Er ist zwar Javaner, studiert aber an der Uni in Karlsruhe. Er ist zusammen mit seinen Mitarbeitern dort beim Essen. Wir verabreden uns für morgen Abend dort, als Abschiedsessen. B. fliegt übermorgen nämlich wieder nach Deutschland.
D. ist nicht mitgekommen an diesem Abend, er ist leider ziemlich krank und liegt im Bett. 🙁