Ein Ausflug nach Augsburg

Es müssen ja nicht immer mehrtägige Reisen sein, die Schatzi und ich unternehmen. Manchmal fahren wir ja auch nur für einen Tag mal wohin. Frankfurt liegt ja wunderbar zentral. Da ist es kein Problem, mal eben in den Rheingau zu fahren, sich kurz mal Aschaffenburg anzuschauen, den Odenwald und den Taunus sowieso, Gießen, Marburg, Aschaffenburg, Heidelberg, Wiesbaden, Darmstadt, Mainz, Worms; selbst Kassel, Köln, gar Stuttgart, Bamberg und Eisenach sind bequem zu erreichen. Und erst recht mit der Bahn.
Da ist sogar Hannover „um die Ecke“. Und theoretisch ginge sogar Luxemburg, Strasbourg ist noch näher. Aber da waren wir am Samstag nicht.

Wir waren in Augsburg.

Warum gerade da hin? Nun, in Augsburg läuft in der Galerie Noah gerade eine Ausstellung der Malerin Rosa Loy und die wollten wir uns unbedingt anschauen. Über die Ausstellung selbst berichtet Schatzi übrigens im anderen Blog, bei „Leskultur“.
Hier kommt nur das Drumherum.

Morgens um 8.20 Uhr ging es los.
Mit dem EC ging es in drei Stunden nach Augsburg.
Dieses Mal hatten wir keine Sitzplätze im Zug reserviert, wie wir das normalerweise immer machen. Aber es war auch gar nicht nötig. Sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt war der Zug wunderbar leer. Wir konnten uns richtig ausbreiten.
Leider hatten wir dafür etwas Pech mit dem Wetter. Es waren ungefähr 13 Grad und es hat den ganzen Tag geregnet. Und das am 19. Juni!
Na gut, da mussten wir jetzt durch.

Als erstes haben wir uns den Augsburger Stadtmarkt angeschaut.
Ein Gelände zwischen Bahnhof und Zentrum, am Rande der Innenstadt. Dort gibt es eine Fleischhalle, einen Bauernmarkt, eine Viktualienhalle mit internationalen Spezialitäten, inklusive vieler Stände, die zubereitetes Essen anbieten. Draußen gibt es ganze Reihen mit Backwaren, Blumen, Geschenkartikeln, Obst und Gemüse und was weiß ich noch alles. Wow, nicht schlecht!
Der Markt hat jeden Tag geöffnet und frau sollte sich das unbedingt mal anschauen.
Leider hatten wir da noch nicht so großen Hunger, denn Schatzi hatte uns lecker Baguettebrote für die Fahrt gemacht.

Anschließend sind wir zum Rathausplatz gelaufen, um uns erst mal in der Touristinformation zu erkundigen, wie wir denn am besten zur Galerie Noah kommen. Wir wussten zwar, dass da der Bus 33 hinfährt, aber wo der jetzt genau abfährt, wussten wir nicht. Mit dieser Info bewaffnet, haben wir dann erst mal in einem Café am Rathausplatz einen Kaffee, bzw. Cappuccino getrunken. Ein kleines Stück Kuchen hatten wir auch, war aber nicht so lecker, wie wir gehofft hatten. Deswegen schreibe ich jetzt nicht, in welchem Café wir waren.
Danach sind wir dann zum Königsplatz gelaufen (der in Augsburg gerne „Kö“ genannt wird – warum die jetzt Düsseldorf sein wollen, weiß ich auch nicht). Dort fuhr der Bus zur Galerie ab. Wir haben noch schnell Fahrkarten gekauft und suchten die richtige Bushaltestelle. Gar nicht so einfach bei dem Gewirr an diesem Platz! Als wir dann endlich die richtige Stelle gefunden hatten, war uns gerade ein Bus vor der Nase weggefahren und der nächste kam erst in 30 (!) Minuten. Unfassbar! Da fährt dieser Bus, zu einem Museum und einer Galerie, mit denen die Stadt Augsburg heftig angibt, und dann nur alle 30 Minuten! Echt unverschämt.

Na gut, wir also gewartet und dann hinein in die Galerie. Der Bericht zur Ausstellung steht hier.

Die Fuggerei
Von dort ging es dann mit dem gleichen Bus (da mussten wir dann nur 20 Minuten warten, denn ab dem Glaspalast fuhr der Bus nur alle 40 (!) Minuten) weiter zur Fuggerei. Diese älteste Sozialsiedlung der Welt wurde 1521 von Jakob Fugger gegründet. Die Jahresmiete beträgt bis heute einen rheinischen Gulden (das sind ungefähr 0,88 ?) und drei Gebete am Tag für die Stifter. Wohnen dürfen dort nur bedürftige, schuldlos in Not geratene katholische Augsburger. Sie müssen natürlich noch Nebenkosten zahlen. Aber das fällt bei dem Mietpreis nicht mehr ganz so ins Gewicht. Zurzeit wohnen rund 150 Menschen in den 140 Wohnungen der 67 Häuser.
Wir konnten dort eine sogenannte Schauwohnung besichtigen. Die Wohnungen bestehen in der Regel aus einer relativ großen Küche, einem geräumigen Bad, einem Schlafzimmer und einem Wohnzimmer. Alles ist sehr eng und die Decken sind ziemlich niedrig. Aber immerhin gehören noch je ein kleiner Garten und ein Schuppen dazu.
Natürlich gibt es dort auch ein kleines Museum, einen Museumsshop mit Café und Biergarten, sowie die Fuggerei-Stube, ein kleines Restaurant.
Mitten auf dem Gelände findet sich außerdem ein Bunker aus dem 2. Weltkrieg, der ebenfalls besichtigt werden kann. Dort gibt es Informationen über die Bombardierung Augsburgs im Februar 1944, durch die auch die Fuggerei zerstört wurde. (In Augsburg befanden sich die Messerschmidt-Werke, die unter anderem Panzer und Munition herstellten, deswegen wurde die Stadt angegriffen).
Die gesamte Anlage der Fuggerei ist sehr hübsch anzusehen und heimelig. Hatte ein bisschen was von einem Beginenhof. Aber ich wohnen wollte ich dort nicht!

Zwischenbemerkung:
Was uns in Augsburg besonders auffiel war die Abwesenheit von Frauen. Selbst auf der Homepage findet sich nur der Hinweis auf eine Frau und die wurde brutal ermordet, weil sie nicht standesgemäß war. Zwar gab es einige Brunnen mit Frauenfiguren in der Stadt, aber das waren einfach Brunnenfiguren und keine Berühmtheiten. Aber immerhin gibt es eine Philippine-Welser-Straße in Augsburg und welche das war steht hier: http://www.augsburgwiki.de/index.php/AugsburgWiki/WelserPhilippine
Vielleicht tue ich der Stadt ja unrecht und es gibt mehr bedeutende Frauen. Nur Finden ist nicht so einfach.
Ja, ich habe mir dann auch noch ein Buch über Frauen aus Augsburg gekauft: „Die Frauen des Hauses Fugger“ von Martha Schad aus dem Piper-Verlag. Mal gucken, was da so drin steht.

Schwaben = Spätzle
Jetzt hatten wir aber endlich richtig Hunger. Da wir ja im Schwäbischen waren, wollten wir auch Käse-Spätzle essen. Wir haben also im Buchladen gefragt, wo es denn gute Spätzle gäbe. Die junge Dame hat uns dann zum „Bauerntanz“ im Bauerntanzgäßchen geschickt. Wir also los. Und wir haben gesucht, und gesucht, und gesucht. Und es leider nicht gefunden. Augsburg wirkte auf uns nicht sehr touristenfreundlich. Gar nicht so einfach, da genau rauszufinden, wie eine gehen muss, um von A nach B zu kommen. Und plötzlich waren alle Leute, die wir auf dem Weg trafen, ebenfalls Touristen, die keine Ahnung hatten!
Wir haben dann entnervt aufgegeben und sind zum Bahnhof gefahren. Wenn wir dort kein anständiges Restaurant finden würden, wären wir halt notfalls zum McDoof gegangen.
Aber, oh wunder, oh wunder: Am Bahnhof gab es ein Brauhaus, in dem es auch Käse-Spätzle gab! Und die waren auch noch lecker!
Gut gesättigt konnten wir dann in aller Ruhe mit dem Zug heimfahren. Zum Bahnhof rennen mussten wir ja nicht mehr 😀

Links:
Leskultur
Rosa Loy
Galerie Noah
Stadtmarkt Augsburg
Fuggerei

Die Frauen des Hauses Fugger

5 Antworten zu “Ein Ausflug nach Augsburg”

  1. Hey, die Seite ist ja echt hübsch geworden!
    So schnell geht das. 😉

    Schöner Reisebericht. Macht echt Lust, selbst mal nach Augsburg zu fahren.
    Wegen der Frauen wurde ich dann doch auch neugierig und bin mal zu Luise geklickt.

    • Geburtsort Augsburg,
    Gefunden wurden 13 Frauen:
    1. Paula Banholzer deutsche Freundin Brechts
    2. AGNES BERNAUER deutsche Baderstochter; Frau von Herzog Albrecht III. von Bayern; als „Hexe“ in der Donau ertränkt
    3. Fanny von Geiger-Weishaupt deutsche Landschafts- und Tiermalerin
    4. Paula Gigl deutsche Malerin
    5. Ingeborg Kaiser deutsch-schweizer Schriftstellerin
    6. Susanne Lautenbacher deutsche Geigerin
    7. Lisa Morgani deutsche Artistin, „stärkste Frau der Welt“
    8. Marianne Thekla Mozart, genannt das „Bäsle“ Deutsche; Cousine und Jugendfreundin Mozarts
    9. Maria Olczewska deutsche Sängerin (Alt)
    10. Susanne von Paczensky deutsche Journalistin und Publizistin
    11. Hilde Rubinstein deutsche Schriftstellerin und Malerin
    12. Magda Schneider deutsche Schauspielerin; Mutter von Romy Schneider
    13. Anna Barbara von Stetten deutsche Patrizierin und Wohltäterin

    • Sterbeort Augsburg,
    Gefunden wurden 8 Frauen:
    1. Paula Banholzer deutsche Freundin Brechts
    2. Sophie Brezing Brechts Mutter
    3. Sylta Busse deutsche Köstümbildnerin
    4. Paula Gigl deutsche Malerin
    5. Helisena Girl deutsche Malerin
    6. Therese Huber (Heyne) deutsche Schriftstellerin und Journalistin
    7. Lisa Morgani deutsche Artistin, „stärkste Frau der Welt“
    8. Anna Barbara von Stetten deutsche Patrizierin und Wohltäterin

    „Susanne von Paczensky“… der Name sagt mir was… gruebel
    😉

  2. Vielen Dank für das Lob!
    Ja, bei Luise finden sich vielleicht die Augsburgerinnen. Aber in der Stadt selbst, sprich im öffentlichen Raum ???

    1. Gute Frage.
      Da fehlt leider die Lobby, die sich darum kümmert.

      Frauen und Geschichte, das ist einfach ein Problem. Aber auch ein Problem der Frauen selbst, die sich nicht als so geschichtsträchtig begreifen.
      Und was bleibt am Ende?
      Wenn frau Glück hat, vielleicht ein Brief, ein Foto …
      Schon irgendwie merkwürdig.

  3. Hier ein Tipp: schaut mal unter Frauengeschichtskreis nach, da kümmert sich ein Gruppe um Frauengeschichten in Augsburg.
    Da gabs auch einen Frauenstadtplan mit Hinweisen zu sichtbarer Frauengeschichte und aktuellen Adressen. Soll bald wieder neu aufgelegt werden.

  4. Hallo,
    schön dass Ihr die Galerie, den Glaspalast dann doch noch gefunden habt. Es ist uns bekannt, dass der Weg dorthin nicht gerade leicht zu finden ist und in der Zwischenzeit verkehrt der 33 Bus auch nicht mehr vom Hauptbahnhof aus, sondern vom Jakobertor. Wie man letzteres als Tourist/ Ortsfremder finden soll auf dem Stadtplan…schwer schwer…
    dennoch hier ein Versuch für all die Anderen, die planen den Glaspalast in nächster Zeit zu besuchen und wer dann noch Fragen hat kann gerne direkt in der Galerie anrufen…www.galerienoah.com

    Die Taktung der Buslinie ist definitiv bedenklich.

    Wie Sie zu uns finden!

    mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

    Liniennetz Bus- und Straßenbahn in Augsburg

    1. Buslinie 33
    hält direkt vor dem Glaspalast. Verkehrt halbstündig vom Jakobertor (Nähe Fuggerei) aus. (Mo-Fr: immer um 19 und 49 nach; Sa/So und Feiertage: immer um 24 und 54 nach) Das Jakobertor erreichen Sie vom Hbf mit der Buslinie 22 und 23 oder vom Königsplatz mit der Straßenbahnlinie 1.

    2. zu Fuß ab Jakober Tor
    bis „Jakober Tor“, dann zu Fuß entlang der Argonstraße (ca. 10 Min.).
    Das Jakobertor erreichen Sie vom Hbf mit der Buslinie 22 und 23 oder vom Königsplatz mit der Straßenbahnlinie 1.

    3. zu Fuß ab tim (neues Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg)
    das tim erreichen Sie mit der Linie 6 ab Hbf, ab Königsplatz. Danach zu Fuß (ca. 10 Min.) weiter bis zum Glaspalast. Folgen Sie den Beschilderungen „Kunstmuseen im Glaspalast“.

    4. mit dem Auto
    Autobahn A8, Ausfahrt „Augsburg Ost“, dann den Beschilderungen „Kunstmuseen im Glaspalast“ folgen.

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