Ein Ausflug an den Rhein – bei strahlendem Sonnenschein

Ausgeschlafen und mit lecker Frühstück im Bauch ging es an diesem strahlend schönen Sonntag zusammen mit unserer lieben Freundin, der Tänzerin, in die Nähe von Lahnstein auf eine wunderschöne Burg. Rheinburgen sieht frau ja meist eher von „unten“, vom Schiff oder vom Ufer aus. Es wurde höchste Zeit, endlich einmal die Perspektive zu wechseln.

Die Marksburg liegt majestätisch hoch oben über dem Rhein und ist die einzige Rheinburg, die seit ihrem Bau im Jahr 1239 gänzlich unzerstört geblieben ist. Seit 1900 gehört die Marksburg der Deutschen Burgenvereinigung e.V., die auf der Burg ihren Sitz hat. Der jeweilige Vorsitzende wohnt auch auf der Burg – freiwillig, denn es wäre wohl nicht unbedingt jedes Menschen Ding, in solch einem Gemäuer zu residieren. Praktisch veranlagten Menschen wie mir fallen dazu Einkäufe bei Möbelhäusern, der Wocheneinkauf im Supermarkt, Getränkekisten, Umzug und vieles mehr ein. Ein Mitgliedschaft im Fitness-Studio erübrigt sich…

Zunächst wunderten wir uns ein wenig, dass frau die Burg nicht eigenständig erkunden kann. Aber das hat einen wirklich guten Grund, wie wir dann erfahren haben.
Im Sommer gibt es zwischen 10 und 17 Uhr Führungen in kurzen Abständen.

Die Burgführerin schloss mit einem 20-cm-langen Schlüssel ein großes, dickes Holztor auf und dann ging’s los.

In einem sehr schön angelegten Kräutergarten entlang einer Burgmauer sind ca. 150 Pflanzen (Kräuter, Arzneipflanzen und Gemüse) zu bewundern.

Im Weinkeller waren uralte Fässer und geküfte Kannen zu sehen. Die Menschen in Mittelalter tranken 3-4 Liter Wein am Tag – allerdings mit „nur“ 2-3 Volumenprozent Alkoholgehalt (heute trinken wir 11-12%igen Wein). Dem Wasser als Getränk traute frau nicht. Es galt als potentiell krankmachend.

In der großen Burgküche ist noch die Herdstelle zu sehen. Hier wurde nur auf Glut gekocht und gebraten, niemals auf offener Flamme. Frau hatte große Angst davor, die Burg abzufackeln. Dann gab es noch ein Vorgängermodell eines Kühlschranks aus ferner Zeit und diverse Gerätschaften. Heute kann die geräumige Burgküche als Raum zum Feiern gebucht werden.

Die Kemenate war ein sehr schöner Raum mit großen Fensternischen und grandiosem Blick auf den Rhein. Eingerichtet war der Raum mit einem Ehebett, eine Kinderwiege sowie diversen Truhen für Kleidung und Geld.
Frau schlief damals sitzend. Ein liegender menschlicher Körper wurde mit Tod und Sterben assoziiert.

Der Rittersaal war Wohn, Ess- und Arbeitszimmer. Es gab einen Kamin, eine lange Tafel und Nachbildungen mehrerer wertvoller Wandteppiche, deren Originale heute in Museen hängen. Und wieder große Fensternischen mit Sitzbänken und tollem Ausblick.

Dann gab es noch die Rüstkammer mit Rüstungen und Waffen aus allen Jahrhunderten seit der Burggründung, eine kleine Kapelle mit schönen Deckengemälden, eine Spinnstube, einen ehemaligen Pferdestall mit 800-Jahre alten Deckenbalken aus Eiche und eine Burgschmiede.

Zwischen den verschiedenen Räumen und Gängen liefen wir auf haarsträubend hanebüchenem Pflaster und gemeingefährlichen Treppen. Ein echtes Abenteuer, das wir aber alle drei unbeschadet überstanden.
Na ja, nicht ganz unbeschadet….. Schatzi und ich haben tüchtig Muskelkater.

Ein Torbogen innerhalb der Burggänge war so schmal, dass mir Ungemach schwante. Ob Schatzi und ich wohl durchpassen würden ? Aber….zum Glück…. Vor uns ging eine Frau, die noch etwas korpulenter war als wir zwei.
Ich beobachtete sie. Die Frau ging in den Torbogen, blieb nicht stecken und verschwand auf der anderen Seite. Ein gutes Zeichen. Es war zwar knapp, aber wir passten durch.

Ohne Burgführerin hätten wir uns heillos verlaufen – das reinste Labyrinth. Kein Wunder, dass niemand die Burg ohne Führung besichtigen darf.

Dann aßen wir auf der Sonnenterrasse noch sehr guten Kuchen und kauften im Shop noch ein paar Souvenirs (T-Shirts für Schatzi und ein Kräuterbuch für die Tänzerin). Wir hätten auch eine ganze Ritterrüstung für EUR 690 kaufen können oder ein Schwert für EUR 280. Aber, wohin damit….. Es passt nicht zur Wohnungseinrichtung. Puh…. Wieder was gespart.

Auf dem Rückweg kehrten wir natürlich noch ein und speisten lecker auf einer schönen Terrasse unter lila-blühenden Glyzinien mit Blick auf den Rhein.

Trotz des wunderbaren Wetters war die Rheinstraße zwischen Lahnstein und Eltville kaum befahren. In den Restaurant- und Café-Gärten saßen nur sehr wenige Menschen. Darüber waren wir doch sehr verwundert.
Das kennen wir von früheren Ausflüge an den Rhein ganz anders (Sitzplätze suchen, Staus auf der Bundesstraße, Parkplatzprobleme). Wie erfreulich….

Alles in allem, ein schöner Ausflug. Und die Marksburg ist für Frauen, die Burgen mögen genau das Richtige.