Biografien von Lesben/Frauen

Ich liebe Biografien.

Als Jugendliche war ich ein Riesenfan von amerikanischen Filmen aus den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts (und ein paar aus den 50ern). Also habe ich jede Menge Biografien amerikanischer Filmstars gesammelt. Die allermeisten dieser Bücher habe ich immer noch.

Es gab in den 80ern, 90ern eine Reihe aus dem Heyne-Verlag, die hieß Ihre Filme – Ihr Leben bzw. Seine Filme – Sein Leben. Davon habe ich einige gelesen – Ingrid Bergman, Shirley MacLaine, Doris Day, Grace Kelly, Rita Hayworth, etc. (und auch ein paar Jungs waren dabei).
Meine absolute Lieblingsschauspielerin war, ist und bleibt jedoch Katharine Hepburn. Von ihr und über sie habe ich allein 12 Bücher.

Mittlerweile hat sich mein Interesse ein wenig ausgeweitet oder auch eingeschränkt, je nachdem, wie frau es sehen will. Ich lese jetzt auch andere (Auto-) Biografien, allerdings ausschließlich über Frauen – vorzugsweise von Frauen geschrieben.

Vor ein paar Jahren habe ich es mir zum Prinzip gemacht, in jeder Stadt, die Schatzi und ich besuchen, nach Biografien von Frauen aus dieser Stadt zu suchen.
So habe ich in Quedlinburg die Biographie von Dorothea Christiane Erxleben und von Kaiserin Theophanu gekauft, in Berlin ein Buch über Friederike von Hannover der Schwester von Königin Luise von Preußen, in Dresden die Lebensgeschichte der Gräfin Cosel, in Weimar eine Biografie über Anna Amalia, in Augsburg ein Buch über die Frauen des Hauses Fugger und in Hannover über die Frauen der Welfen.
Ich lese natürlich nicht nur Biografien über die Reichen, Adeligen und Schönen sondern auch über einfache Frauen, wie z. B. die erste Taxifahrerin aus der Region Boothbay in Maine, USA oder einer Leuchtturmwärterin aus Rhode Island, USA.

Warum ich so viele Biografien lese? Ganz einfach: Ich weiß nicht genug über die Geschichten von Lesben/Frauen, über Lesben-/Frauengeschichte. Wie sie gelebt haben, was sie geleistet haben, wo, wann und wie sie Vorreiterinnen waren; manchmal die Erste, manchmal auch nicht. Manchmal ein wenig verrückt, aber oft hochspannend, äußerst informativ und durchaus unterhaltsam.
In der Schule habe ich nicht sehr viel über Frauen erfahren.
Unterrichtet wurde Männergeschichte, gelesen wurde Männerliteratur. Von Goethe über Schiller und Wedekind bis hin zu Brecht, Andersch und Plenzdorf.

Hat Eine von Euch in der Schule erfahren, dass die Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer, Johanna, zu dessen Lebzeiten eine weit bekannte und beliebte Schriftstellerin war??
Dass seine Schwester Adele Schopenhauer eine sehr intensive und wohl auch lesbische Beziehung mit der ersten Archäologin Sibylle Mertens-Schaffhausen hatte?

Kennt Eine von Euch die Kaiserin Theophanu, Ehefrau und Nachfolgerin von Kaiser Otto II.?
Sie sicherte zusammen mit ihrer Schwiegermutter (!) Adelheid die Vorherrschaft der Ottonen im Heiligen Römischen Reich.
In vielen Biografien und Beschreibungen wird übrigens behauptet, dass Theophanu und Adelheid sich nicht ausstehen konnten, und dass Adelheid gegen ihre Schwiegertochter intrigiert hätte. Wird hier wieder das wunderbare Klischee der bösen Schwiegermutter geschürt??

Zum Glück gibt es heutzutage Frauen, die alles daran setzen, diese Frauen aus der Vergessenheit zu holen.

Zwei Beispiele

Luise Pusch mit ihren wunderbaren Seiten FemBio, auf der sich zurzeit 7.727
Datensätze befinden (Stand: 09.04.11). Von A wie Edith Abbott bis Z wie Grete von Zieritz.
Zu jeder Frau gibt es selbstverständlich Literatur und Quellen, wo frau dann bei Interesse weiterlesen kann.

Im amerikanischen Verlag Globe Pequot Press sind 34 Bücher unter dem Titel More than Petticoats erschienen. Jedes Buch ist den bemerkenswerten Frauen eines US-Bundesstaates gewidmet. Von Alaska über Maine bis Wisconsin. Von Pocahontas bis Margarethe Meyer Schurz, die das Kindergartenkonzept nach Amerika brachte.
Ich habe das Buch über Frauen aus Maine letztes Jahr während unseres USA-Urlaubs gekauft. Es finden sich tatsächlich auch Lesben in diesem Buch!
Und es gibt sie auch bei Amazon Deutschland zu kaufen.

Gestern war übrigens mal wieder Denkräume im EVA.
Thema: Lesben machen Geschichte.
Mit der Historikerin Irene Franken, Mitbegründerin des Kölner Frauengeschichtsvereins haben wir uns über die Bedeutung der lesbischen Geschichte für uns unterhalten und darüber, ob und was wir dazu beitragen können, dass lesbische Geschichte, Erinnerung an lesbische Frauen erhalten bleibt und weitergetragen wird.
Ein Begriff fiel dort, der mir wunderbar gefallen hat. Vor-Schwestern.
Diese (historischen) Lesben und auch Frauen sind uns vorangegangen, haben uns den Weg bereitet, haben einen Beitrag dazu geleistet, wie wir heute leben (können).
Und sollten wir uns nicht bemühen, unsere Geschichten aufzuschreiben, zu bewahren und dafür sorgen, dass wir nicht (wieder) in Vergessenheit geraten?

Also immer schön fleißig sammeln und aufbewahren, denn morgen werden wir Geschichte sein :D!

einige Links:
FemBio
Lesbengeschichte
Kölner Frauengeschichtsverein
More than Petticoats
Lesben machen Geschichte
Geschichte einer Liebe
The Lighthouse Keeper’s Daughter
Theophanu
Friederike von Hannover

1 Antwort zu “Biografien von Lesben/Frauen”

  1. Ich habe auch Biographien en masse gelesen, manchmal mehrfach, über große Frauen, über Schauspielerinnen, Sängerinnen, auch das Leben der Chanel ist sehr interessant… Warum tat ich das? Ich fand es faszinierend,
    und es war so etwas wie eine Idee vom Leben, wenngleich ich selbst gar nicht in die Richtung Schauspielerei/Gesang etc.
    gegangen bin, eigentlich komisch, denn man hat sie ja so bewundert, die Frauen…

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