Buchvorstellung: Aprikose im Kopf – Carolin Schairer

Nachdem das vorherige Buch Lass keine Fremden ins Haus von Carolin Schairer für mich eine Enttäuschung war – die Hauptfigur liess mehr das Leben mit sich geschehen als dass sie selbst aktiv wurde – hatte ich ja leichte Hemmungen, Carolin Schairers neues Buch zu lesen.

Aber ich wurde nicht erneut enttäuscht. Aprikose im Kopf ist eine gute, interessante und auch glaubwürdige Geschichte über drei Frauen, die versuchen, das Richtige zu tun.
Katja, die weitgereiste Journalistin mit Bindungsängsten, ihre Schwester Sophie, die scheinbar alles hat, und die russische Studentin Irina, die als Au-pair-Mädchen in Deutschland versucht, ihre Erfahrungen in Russland hinter sich zu lassen.

Carolin Schairer versteht es sehr gut, die Ängste und Wünsche der drei Frauen darzustellen. Es gibt ja einige Romane, die überladen sind, mit Problemen und Dramen, die auf die Hauptfigur herniederprasseln, dass beim Lesen bald der Punkt kommt, an dem es genug ist und die Leserin denkt: Nun reicht es aber mit den Katastropen! Das glaubt doch kein Mensch!
Bei diesem Roman ist das nicht der Fall.
Die Anpassungsprobleme der erfolgreichen Auslandskorrespondentin Katja, die jetzt „nur noch“ für’s Stadtfernsehen arbeitet und der Liebe nach einer enttäuschenden Beziehung lieber aus dem Weg geht. Das scheinbar so tolle und harmonische Familienleben ihrer Schwester, die aber Anzeichen zeigt, dass sie die psychische Erkrankung ihrer Mutter geerbt haben könne. Das Geheimnis der Studentin Irina, die wohl nicht nur nach Deutschland gekommen ist, um Auslandserfahrung zu sammeln und zu der sich Katja irgendwie hingezogen fühlt. Das sind zwar reichlich Themen, aber wenigstens verteilen die sich auf drei Personen und nicht nur auf einer.

Ich kann Aprikose im Kopf aus dem Ulrike Helmer Verlag nur empfehlen. Ein deutschsprachiger Lesbenroman, der mir endlich mal wieder sehr gefallen hat.