Buchvorstellung: Carolin Schairer – Die Spitzenkandidatin

In unregelmäßigen Abständen werden zukünftig Bücher vorgestellt, die schon länger auf dem Markt sind.
Den Anfang macht Die Spitzenkandidatin von Carolin Schairer, erschienen im Ulrike Helmer Verlag, 2005.

Von der Homepage:

Zufällig gerät der jungen Journalistin Theresa Lackner ein kompromittierendes Foto in die Hände, das die aufstrebende konservative Politikerin Katharina Hermann mit einer anderen Frau zeigt: als nacktes Liebespaar. Sie erzwingt von der Politikerin ein Abkommen: Katharina Hermann soll der Journalistin die Karriereleiter halten, die Journalistin wird dafür über die Politikerin berichten. Aus dem Erpressungsverhältnis entwickelt sich eine Freundschaft. Theresa schafft es mit Katharinas Hilfe zum Politikmagazin »Brennpunkt«, für das sie die Kanzlerkandidatin exklusiv in der heißen Wahlkampfphase begleiten soll. Als sich Theresa jedoch in Katharina verliebt, überschlagen sich die Ereignisse.

Der Roman schildert die Geschichte zwischen der Journalistin und der
Politikerin auf zwei Ebenen: in der Gegenwart und in der Vergangenheit.
In der Vergangenheits-Geschichte ist Theresa eine kleine politische
Journalistin bei einem Provinzblatt in Oberbayern und soll zu einem
umweltrelevanten Thema die Politikerin Katharina Hermann interviewen.
In deren Privatwohnung findet sie dann das kompromittierende Foto und
steckt es ein. Als Katharina es herausfindet und das Foto
zurückfordert, erpresst Theresa sie. Katharina soll dafür sorgen, dass
Theresa immer die besten Informationen erhält und es ihr ermöglichen,
die Karriereleiter raufzuklettern, im Gegenzug wird Theresa Katharina
immer möglichst positiv darstellen. Eine Zeitlang geht das auch gut.
Bis Theresa dann irgendwann den Druck nicht mehr aushält.

In der Gegenwartsgeschichte trifft Theresa wieder auf Katharina, die
mittlerweile zur Kanzlerkandidatin avanciert ist, und soll jetzt für
eine politische Zeitschrift den Wahlkampf der Spitzenkandidatin
begleiten. Dabei kommt es auch zu einer Annäherung und letztendlich zu
einer Affäre zwischen den beiden.

Nein, von der Spitzenkandidatin handelt dieses Buch nicht. Von ihr
erfahren wir nur recht wenig. Stattdessen steht die Journalistin
Theresa im Mittelpunkt. Ihr Leben, ihr Umfeld, ihre persönlichen
Probleme, ihre Neurosen.
Theresa wirkt auf mich wie eine weltfremde Frau, die sich immer nur
hat treiben lassen, die andere über ihr Leben bestimmen lässt, und
selbst die vermeintliche Erpressung funktioniert nicht richtig, da
Katharina mehr von der Situation profitiert als sie selbst. Dieses
völlige Nicht-Handeln von Theresa ging mir schon relativ bald auf den
Keks. Ich habe mir das Buch, in der Hoffnung auf Besserung, aber doch
bis zum Ende angetan. Allerdings wurde es nicht besser.

Was jetzt Katharina antreibt, sie auf diesem Weg zur politischen
Spitzenposition bewegt und wie es ihr dabei geht, erfahren wir nicht.
Nur kurz erfahren wir etwas aus ihrem privaten Leben. Von den Sorgen,
Ängsten, Wünschen, Intrigen und Seilschaften in der Politik erfahren
wir nichts. Ansatzweise etwas über das „hilfst du mir, so helfe ich
dir“ zwischen Politikern und Journalisten. Aber mehr auch nicht.
Schade, ich hatte mir von einem Roman mit dem Titel „Die
Spitzenkandidatin“ doch ein wenig mehr erhofft. Zum Beispiel, dass die
Autorin darauf eingegangen wäre, wie schwer es heute noch immer für
Frauen in der Politik ist, ganz zu schweigen von der Problemen der
Lesben in der Politik.
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Die Spitzenkandidatin

Carolin Schairer
Die Spitzenkandidatin
Ulrike Helmer Verlag
392 Seiten
ISBN 3-89741-192-X