Buchvorstellung: Claudia Lewin – In mir ein Meer

Die neue Kollegin ist Anne von Anfang an sympathisch. Wenn sie ehrlich ist, schlägt diese Benita regelrecht Wellen in ihr. Doch da sind schließlich Martin und die Kinder. Fasst Anne den Mut, Farbe zu bekennen?
Rückseite des Buches

Ein Buch mit „nur“ 160 Seiten aus dem Ulrike-Helmer-Verlag! Und dann auch noch mit relativ großer Schrift! Was eine Freude ist für Lesben, die bereits eine Lesebrille brauchen! 😀

Anne, 46, verheiratet, zwei Kinder (um die 20), lernt bei ihrer Arbeit in einem Labor, die zwölf Jahre jüngere Benita kennen.

Die neue Kollegin Benita war Anne von Anfang an sympathisch. So kommen sich die beiden schnell näher. Als Benita ihr schließlich erzählt, dass sie Frauen liebt, ist Anne verunsichert und tief im Innersten berührt. Während Benita um sie zu werben beginnt, kämpft Anne mit zwiespältigsten Gefühlen.

Homepage Ulrike Helmer-Verlag

Es kommt zu einem ersten Kuss und später dann auch zu mehr.

Doch dann verunglückt Benita eines Tages schwer.
Homepage Ulrike Helmer-Verlag

Der Unfall passiert am Tag, nachdem Benita und Anne sich gesehen hatten und sie von Anne eine Entscheidung eingefordert hat.
Sie liegt im Koma und es beginnen Spekulationen, ob dieser Unfall Zufall war oder nicht.

Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven:

– Annes, die ihre Perspektive nimmt einen Grßteil des Buches ein
– Benitas, die nur in Form von Tagebucheinträgen zu Wort kommt
– Helgas, eine Arbeitskollegin und Freundin
– Susannes, eine lesbische Arbeitskollegin
– Marthas, Benitas Mutter und beste Freundin von Helga

Wenn Anne erzählt, erfahren wir sehr viel über ihre inneren Konflikte. Sie ist eine verheiratete Frau, ist davon überzeugt, dass es ein Fehler ist, sich auf Benita einzulassen. Sie braucht die Sicherheit ihrer Ehe und will sich nicht auf Risiken einlassen.
Nach Benitas Unfall wird sie völlig aus der Bahn geworfen und beschließt, für ein Wochenende in die Wohnung ihrer Schwester zu gehen – die nicht da ist – um nachzudenken.

Sehr ausführlich schildert Claudia Lewin, wie Anne darum ringt, eine Entscheidung für oder gegen Benita zu fällen. Wie sie Angst hat, dass es vielleicht schon zu spät sein könnte.
Es geht bei diesem Gedankengängen nicht darum, was aus Ehemann und Kindern wird (die Kinder sind aus dem Haus, bzw. werden es bald sein), sondern um Anne und darum, was aus ihr wird.

Da Benita im Koma liegt, kann sie schlecht selbst zu Wort kommen.
Als ihre Mutter in ihrer Wohnung Sachen für das Krankenhaus zusammensucht, fällt ihr das Tagebuch in die Hände. Sie beschließt, es zu Anne zu bringen, von der sie durch ihre Freundin Helga – die Arbeitskollegin von Anne und Benita – erfahren hat.
Sie hofft wohl, dass Anne bei der Heilung helfen kann.

Anne liest also dieses Tagebuch und erfährt so, wie es in Benita aussieht.
(Sehr schön ist das Bild, dass Benita Anne als Schnecke bezeichnet, die vorsichtig und neugierg den Kopf herausstreckt, aber dann, sobald das Neue, was sie sieht, sie erschreckt, den Kopf schnell wieder einzieht und sich in ihr Schneckenhaus verkriecht.)

Wie sich Anne letztendlich entscheidet, verrate ich hier natürlich nicht.
Ein interessantes und durchaus lesenswertes Buch über die Konflikte einer Frau, die sich Klarheit über ihre Gefühle machen verschaffen muss und will.

inmireinmeer
Claudia Lewin
In mir ein Meer
Ulrike Helmer-Verlag