Buchvorstellung: Conny Reinhard – Das Leuchten des Almfeuers

Ein Heimatroman der etwas anderen Art.

Ein Roman, zwei Lesarten!
AT und Ahoi haben das Buch gelesen, hier eine kurze Rezension.

Der Roman handelt von einer Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen in einem österreichischen Dorf Anfang der 60er Jahre.

Das Leuchten des Almfeuers entspricht fast allen Erwartungen, die die Leserin an einen Heimatroman hat. Böser Großbauer, schöne junge Bäuerin, ihre streng gläubig katholischen Eltern, die dem Großbauern die Hand ihrer Tochter überlassen, die weise alte Lehrerin und natürlich ein Prinz auf einem Pferd, der in diesem Falle eine weibliche Tierärztin ist.
So weit das, was wir über den Roman gemeinsam formulieren können. Bei der Lesart der Figuren- und Romankonstruktion leuchtet unser Almfeuer aber in ziemlich unterschiedlichen Farben!

Die eine sieht in den Figuren sich entwickelnde Charaktere und die andere sieht nur Stereotype.

AT zufolge beschreibt die Autorin durchaus Figuren mit Tiefgang. So sieht sie einen Professor, der eine Entwicklung durchmacht und innere Konflikte durchlebt; sich der Liebe in den Weg stellt, dann fördert, und seine Tochter und ihre Liebe zu der jungen Bäuerin respektiert.

Ahoi ist genervt von stereotypen Typen ohne Tiefgang und vorhersehbarer Entwicklung, wie im Falle des Professors, der zunächst die Ratio des Establishments vertritt, seine Tochter verpfeift und dann, altersmilde geworden, doch noch Herzensbildung erlangt.

Handlungsverlauf und Konflikte sind weitgehend vorhersehbar. Das ist o.k., meint AT. Genau dies erwarte die Leserin: eine Liebesgeschichte, Konflikte, die sich darum entspinnen, die gelöst werden und ein Happy End.

Ach immer diese Vorhersehbarkeit, das ist langweilig! Um den Professor noch einmal zu bemühen: Der Professor, der sich rührend um das Fortkommen seiner Studentin kümmert, stellt sich heraus als… die geschulte Leserin ahnt es bereits: der Vater.
Gekonnt, aber geklont; wo ist da die Individualität und Kreativität der Schriftstellerin?

Die die Figuren umgebende Natur spielt eine große Rolle und wird lebendig beschrieben.

So, so!

Orte haben oft einen hohen Symbolcharakter, wie der Titel des Romans schon andeutet.

Ja, ja.

Auch der Ort, an dem die beiden das erste Mal Sex haben. In der „Stube, die Mutter Natur für sie geschaffen hat“… Was würde geschehen an diesem unschuldigen Spielplatz ihrer Kindheit?…“ Eine rhetorische Frage, die Antwort ist so sicher, wie das Amen in der Natur-Kirche. Die Leserin wird an die erotische Hand genommen: Und ja, … dann eine nette Beschreibung einer Sexszene – das wärmt nicht nur das Herz, es gibt Sicherheit…in der Struktur.

und ja…, es gelingt auf Anhieb. So unwahrscheinlich dies tatsächlich ist, so platt ist der Aufbau der Szene. Braucht die Leserin Vorausdeutungen in der Größe eines Vorschlaghammers? Und will sie wirklich vorhersehbare Handlungen lesen?

Ja, deshalb liest sie einen Heimatroman!

Ah, ja und sie liest den Heimatroman auch, um mit Werbetext-Sprache gequält zu werden. Alliterationen bis zum Abwinken; „wundervoll weiche Wangen“… Schlagt einfach mal eine Seite auf, tippt mit dem Finger auf eine Zeile und euch werden bemüht altmodische Worte begegnen (Leib) und plakative Be- und Umschreibungen, wie „jauchzend warfen sie sich in das Stroh“,“ Sophie reißt fasziniert die Augen auf“ oder „Sie lächelte warm“. Es sind alle Sinnesbereiche angesprochen, wie im Lehrgang für Kreatives Schreiben empfohlen.

Das wärmt das Herz und gibt Sicherheit in der Struktur. Das, was völlig unerwartet in einem Heimatroman passiert, ist das Ansprechen wirklich aller Sinnesbereiche. Oder sind dir Formulierungen, wie „die Wangenmuskulatur zog die Lippen in horizontale Lage, dabei stieg die Temperatur um einige Grad“, lieber als „sie lächelte warm“?

Naja, dann hätte ich mal eine interessante und außergewöhnliche Formulierung zu lesen gehabt. Aber sei´s drum! Ich denke, dass die Leserinnen unserer Rezension nun genügend Einblick in einen Roman erhalten haben, dessen Lektüre ich nicht empfehlen würde.

Fazit AT: für Leserinnen, die es in Maßen spannend, herzerwärmend, sprachlich übersichtlich fordernd und mit schönen Bildern und Happy- End mögen, ist dieses Buch ein Heimspiel. Wer tiefer lesen will, muss sich ein wenig mühen.

Conny Reinhard
Das Leuchten des Almfeuers
Heimatroman
HOMO Littera
ISBN Printausgabe: 978-3-902885-33-3
ISBN pdf: 978-3-902885-34-0
ISBN ePub: 978-3-902885-35-7
ISBN PRC: 978-3-902885-36-4

Cover_Das_Leuchten_des_Almfeuers