Buchvorstellung: Henny Ruttkay – Fatale Treue

vorgestellt von Petra:

Sophie Lambert ist seit vielen Jahren Psychotherapeutin und so manches von ihren Patienten gewöhnt. Doch als einer von ihnen, ein prominenter konservativer Politiker, brutal ermordet wird und zudem eine Schulfreundin auftaucht, die nicht nur ihren professionellen Beistand braucht, werden ihre Gewissheiten und Prinzipien von Grund auf erschüttert.

Soweit die Ankündigung, sie macht schön neugierig und reizt zum Kauf und Lesen. Doch leider löst das Buch auf den nun folgenden 172 Seiten diese provozierte Spannung nicht ein. Es ist ausschließlich aus der Perspektive der Protagonistin, Sophie Lambert geschrieben. Sie ist ja Therapeutin und wird von der Kommissarin lediglich um eine Aussage gebeten, die sie unter Berufung auf ihre Schweigepflicht nicht macht. Sie fängt mitnichten auf eigene Initiative an zu ermitteln, wir bekommen hier keinen spannenden Krimi zu lesen.
Eine Liebesgeschichte wird aus der Kommissarin und der Hauptperson wohl auch nicht, zumindest nicht in diesem Buch, vielleicht im Fortsetzungsband. Und was ist mit der Schulfreundin? Den professionellen Beistand, in diesem Fall wäre es ein therapeutischer, sucht sie keineswegs. Sie kommt auf Anraten des Hausarztes in die Therapeutenpraxis und es wird ein wenig die alte Freundschaft aufgewärmt.
Der Titel und der Hinweis auf die Schulfreundin suggeriert uns, dass es sich um die Treue zwischen Freundinnen handeln könnte. Nun, es wird im ganzen Buch keine Treue eingefordert und/oder geleistet. Es wird nach einer freundschaftlichen Unterstützung gefragt, die aber von Sophie nicht gegeben wird.

Das vorliegende Buch kommt mir eher vor wie eine Collage aus Krimi, Familiengeschichte und Liebesgeschichte, jedoch ist keines davon zu Ende ausgeschrieben worden:
Beschreibung der aufgefundenen Toten und den mysteriösen Umständen und dann reißt der Faden ab, weil ja nicht ermittelt wird.
Beschreibung der Beziehung zur Mutter, Tochter, Vater der Tochter und Miteigentümer des Hauses, dieser Faden reißt auch ab, weil die Beziehungen so schwierig sind und die Protagonistin sich darüber jetzt keine Gedanken machen will.
Die Liebesgeschichte mit Christine wegen der die Trennung vom Kindesvater war, ist bereits zu Ende und eine eventuelle neue Liebe mit der alten Schulfreundin oder der Kommissarin fängt nicht an, weil die Toten dazwischen liegen.

Es ist alles in akkurater flüssiger Sprache ohne Widersprüche und Stolpersteine beschrieben. Da wir die Geschichte nur aus einer Perspektive erleben, erfahren wir auch nur wie erschöpft, müde und unter Wasser sich die Protagonistin fühlt. Es fällt mir als Leserin schwer, mich mit der Protagonistin zu identifizieren und somit werde ich nicht in die Geschichte hineingezogen, es bleibt eine Distanz, die gleiche Distanz, die auch die Protagonistin zu dem ganzen Geschehen hat.

Fazit: Ich habe weder Krimi, noch Liebe, noch Familien oder Persönlichkeitsgeschichte bekommen, da hätte ich mir für € 12,90 auch eine L-Mag, eine EMMA und eine Süddeutsche Zeitung kaufen können, da ist all dies garantiert immer drin und gut geschrieben, sauber recherchiert und aktuell.
Bitte lieber Verlag, wenn Quer Criminal Reihe, dann auch bitte einen vollständigen Krimi. Danke.

Fatale-Treue
Fatale Treue
Kriminalroman
Heny Ruttkay
Querverlag
€ 12,90
ISBN: 978-3-89656-221-0