CSD in Frankfurt am Main 17. Juli 2010 – Bericht über die Demo-Parade

Heute morgen bin ich gegen 8.30 Uhr aufgewacht. Und zwar vom lauten Geschräusch eines heftigen Regenschauers. Na toll! Es ist Demo-Samstag in Frankfurt und es regnete in Strömen! Das kann ja heiter werden (äh, wohl eher nicht :oops:)

Schatzi und ich hatten beschlossen, heute mal nicht bei der Demo mitzulaufen, sondern uns den Zug gemeinsam mit unserer Freundin Minna (über sie habe ich mal hier geschrieben) vom Café Mozart aus anzuschauen.
Ich fand, wir sind in letzter Zeit genug durch die Gegend – sprich Augsburg, München, Berlin, Stoffel – gelaufen und außerdem sollte es ja laut Wetterbericht von gestern heute richtig heiß und schwül werden.
Okay, es wurde nicht richtig heiß und schwül, wir haben uns aber dennoch ins Café Mozart gesetzt. So konnten wir uns die ganze Demo mal anschauen. Wenn wir selbst mitlaufen, sehen wir ja leider nicht so viel.

Und um elf Uhr regnete es immer noch. Wir haben uns dennoch beim Café Mozart draussen hingesetzt und erst mal schön gefrühstückt.
Wir dachten: „Och, wie blöd, jetzt fällt der ganze Zug buchstäblich ins Wasser.“
Aber dann, oh Wunder! hörte es doch tatsächlich auf zu regnen!
Rechtzeitig zum Beginn der Demo um 12 Uhr am Römer.

In der Zwischenzeit kamen immer mehr Menschen – überwiegend Lesben und Schwule – und verteilten sich entlang der Straße in Erwartung der Demo.

Und es dauerte auch nicht lange, da kam der Zug in die Tönngesgasse, in der das Café Mozart liegt. Zuerst rasten einige Polizeimotorräder vorbei, um die Straße zu sperren und dann war auch bald das laute Wummern vom ersten Wagen zu hören.
Da kam der Wagen auch schon um die Ecke gebogen. Langsam, ganz langsam, ging es voran. Ein LKW nach dem anderen zog an uns vorbei. Dazwischen PKWs und Fußgruppen.
Wir waren erstaunt und durchaus auch begeistert, wer da alles so dabei ist: CDU, FDP, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, die Linke, Deutsche Bank, Commerzbank (hatten eindeutig mehr Spaß als die von der Deutschen Bank 😀 ), Artemis, FVV, Mainsirenen, KUSS41, CSD Kassel, und, und, und. Ich kann die jetzt gar nicht alle aufzählen. Es waren wohl insgesamt 45 Fahrzeuge.

Und ja, es waren wieder sehr viele Drag Queens unterwegs.
Und ja, sie wurden wieder ständig fotografiert.
Und ja, es gab einen Lesbenblock.
Und nein, er war nicht sehr groß.
Und ja, für einen Moment hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht mitgelaufen bin.
Und dann doch nicht mehr, als ich nach dem letzen Wagen auf die Uhr schaute: es war eine Stunde vergangen.

Es hatte eine ganze Stunde gedauert, bis der Zug am Café vorbei war. Und es hat ganze 3 (!) Stunden gedauert, bis die Demo endlich an der Konstablerwache, dem Veranstaltungsort, ankam. Puh, nicht schlecht!

Schatzi und ich hatten uns nach der Demo von Minna verabschiedet und waren zur Konstablerwache gegangen, hatten uns die Stände auf der Infostraße angeschaut und schon mal einen Sitzplatz gesucht, um uns die Eröffnungsreden von Bürgermeisterin Jutta Ebeling und dem Minister Jürgen Banzer (Arbeit, Familie, Gesundheit) anzuhören.

Die beiden kamen gegen viertel nach drei auf die Bühne, da war der Zug immer noch nicht komplett eingetroffen.
Die Begrüßungsworte der beiden PolitikerInnen waren ziemlich gut. Inhaltlich kriege ich sie jetzt leider nicht mehr auf die Reihe. Aber es war nicht ganz so sinnloses, oberflächliches Gelaber, wie so häufig. Und sowohl Frau Ebeling als auch Herr Banzer haben frei gesprochen und nicht abgelesen oder auswendig gelernt. Denn sie sind auch auf Zwischenrufe aus dem Publikum eingegangen.

Abschließend kann ich sagen, es war ein beeindruckender Demo-Zug. Ich hatte wirklich nicht erwartet, dass so viele Gruppierungen dabei sein würden. Allerdings war die Musik von einigen Wagen einfach viel zu laut. Wir haben uns sehr oft die Ohren zuhalten müssen und das ist nicht schön!

Und versprochen: nächstes Jahr ziehe ich mir ordentliche, feste Schuhe an und laufe wieder mit! :yes:

Links:

CSD Frankfurt
Bilder
Frankfurter Rundschau, (Vorbericht)
Frankfurter Neue Presse
FNP Bilder

4 Antworten zu “CSD in Frankfurt am Main 17. Juli 2010 – Bericht über die Demo-Parade”

  1. Schöner kleiner Bericht. :yes:
    Hat Spaß gemacht euch da sitzen und jubeln zu sehen.

    Wir haben leider die Polit-Ansprachen verpasst, WEIL wir bis zum Ende mitgelaufen sind.
    Die Füße taten hinterher schon etwas weh. War die Strecke länger als sonst?

    Wir haben auch ein paar Bilder mitgebracht.
    (Am Film bin ich noch am Basteln.)

  2. „Commerzbank (hatten eindeutig mehr Spaß als die von der Deutschen Bank)“

    Stimmt hatten wir 😉 Für das erste Jahr war das gar nicht schlecht, nächstes Jahr perfektionieren wir das dann noch 😉

    Viele Grüße von der „Anlageberaterin“

  3. Leider wieder sehr wenig Politisches dabei gewesen. Immerhin ein kleiner Anti-Frontex-Bollerwagen und ein paar wenige politische Plakate. Der Wagen von der Grand Opera aus Offenbach hatte die beste Musik!

    Ärgerlich fand ich jedoch so Wagen, wie Neckermann oder eben die konservativen Parteien: Dass die LSU mitfahren ist ja noch vertretbar, immerhin ist es nicht die Partei, sondern die Lesben und Schwulen innerhalb der Partei. Aber von der FDP fuhr die Bundesfraktion mit, also die Fraktion, die vor Kurzem wieder mal gegen die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft mit der heterosexuellen Ehe gestimmt haben.

    „In der Zwischenzeit kamen immer mehr Menschen – überwiegend Lesben und Schwule – und verteilten sich entlang der Straße in Erwartung der Demo.“
    <- Dass überwiegend Lesben und Schwule unterwegs waren ist ja schon eine Mutmaßung. Woran willst du das denn gesehen haben? O.o

Kommentare sind geschlossen.