Dienstag, 8. September 2009

Ach, was haben wir doch wunderbar geschlafen! Ohne Besucherinnenritze, auf einer wunderbaren Matraze, und überhaupt keine Nackenschmerzen vom Kissen bekommen! Ich bin das erste Mal gegen halb acht aufgewacht und zwar von der Helligkeit im Zimmer und nicht, weil ich irgendwelche Schmerzen hatte. So lob‘ ich mir ein Hotelbett!
Gegen viertel nach acht sind wir dann endgültig aufgestanden und haben gefrühstückt. Im „Artemisia“ gibt es ein klassisches Hotelfrühstück, inklusive Nutella – sehr wichtig.
Gestern wurde übrigens von der Bahn mitgeteilt, dass in Berlin wieder etliche S-Bahnen ausfallen werden. Diesmal wegen Schwierigkeiten mit den Bremsen. Das kann uns aber egal sein. Wir fahren dann halt U-Bahn, Tram und Bus.
So wie heute. Am Morgen ging es mit der U-Bahn zur Kochstraße und dem ehemaligen Übergang zu Ost-Berlin „Checkpoint Charlie“. War schon komisch, da keine Absperrungen und Soldaten mehr zu sehen. Andererseits wirkte es schon so, als sei nie etwas gewesen. Wir sind dann in die Niederkirchner Straße abgebogen, der Straße, durch die früher die Mauer verlief. Vorbei am Bundesministerium für Finanzen auf der Ostseite und am zukünftigen Gedenkort „Topographie des Terrors“ (ehemals Gestapo-Hauptquartier) ging es zum Martin-Gropius-Bau. Nein, der Gropius-Bau ist kein Gebäude aus der Bauhaus-Zeit. Es ist ein paar Jährchen älter und im Neo-Renaissance-Stil. Sehr schnörkelig und farbig. Wenn Gropius das wüßte!
Na egal, wir waren ja nicht wegen Gropius da, sondern wegen der Herlinde-Koelbl-Retrospektive im 2. Stock. Ich betone das mit dem zweiten Stock, denn das bedeutete Treppen. Wie es die Berliner ja überhaupt mit den Treppen haben. Wo du gehst und stehst: Treppen. Zu den Bahnen, im Bus, in den Gebäuden und was weiß ich noch alles: Treppen. Also als barrierefrei würde ich Berlin nun wirklich nicht bezeichnen. Hin und wieder gibt es mal einen Fahrstuhl (gerne außer Betrieb) oder Rolltreppen (gerne genau in die andere Richtung fahrend).
Zurück zu Herlinde Koelbel. In mehreren Räumen fanden sich in dieser Ausstellung sehr viele Bilder aus ihrem Schaffen. Von Mitte der 70er Jahre bis heute. Die „Spuren der Macht“ genauso wie die „Wohn- und Schlafzimmer“ und die starken Frauen. Die Bilder sind einfach wunderbar und sehr vielfältig. Wir haben uns ordentlich Zeit dafür genommen.
Anschließend haben wir eine kleine Kaffeepause im „Balzac Coffee“ direkt am Checkpoint Charlie eingelegt, wo Schatzi der einen Lesbe am Nebentisch am liebsten das Hemd vom Leibe gerissen hätte. Nicht, weil die Lesbe so schön war, sondern weil sie ein Hemd mit Paisleymuster anhatte und Schatzi liebt Hemden mit Paisleymuster. Ich konnte sie gerade noch davon abhalten.
Weil das Wetter heute wieder phantastisch war, beschlossen wir, unsere Besichtigungspläne ein wenig umzustellen und heute nachmittag an den Wannsee zu fahren und das völlig ohne Badehose. Wir sind mit der U-Bahn zur „Krumme Lanke“ gefahren und von dort mit dem Bus 118 zum Wannsee.
Die Fahrt von der „Krumme Lanke“ bis zum Wannsee geht übrigens durch ein Gebiet, das so aussieht, wie ein Waldstück, in das Menschen zufällig Häuser reingebaut hatten. Teilweise mußte frau schon sehr genau hinschauen, um überhaupt die Häuser zu entdecken.
Und da wir ja lange nicht mehr Schiff gefahren waren – ist fast 24 Stunden her gewesen – haben wir die große Schiffstour bis nach Potsdam – Sanssouci und zurück mitgemacht. Vorbei ging’s am Strandbad Wannsee, der Pfaueninsel, dem Cecilienhof, durch den Jungfernsee, unter der Glienicker Brücke (Agentenbrücke) hindurch, vorbei am Gästehaus des Babelsberger Schloßes und an einem Turm, der dem Eschersheimer Turm in Frankfurt am Main nachempfunden war (ist wirklich wahr, die Ähnlichkeit ist da), bis nach Potsdam und der letzten Haltestelle dort vor dem Rückweg „Potsdam Sanssouci“. Leider ist dort an der Haltestelle weit und breit nichts vom Schloß zu sehen. Nur ein modernes Hotel mit einer ziemlich langweiligen Grünfläche davor. Aber wir wollten sowieso nicht aussteigen. Die Fahrt bis dorthin hatte schon zweieinhalb Stunden gedauert und wir mussten ja noch wieder zurück zum/nach Wannsee!
Dort angekommen, haben wir im Biergarten des Restaurants „Loretta“ beide Bratwurst mit Kartoffelsalat und Gurke gegessen. Ein uriger schlichter Biergarten auf Kies unter – na was wohl – großen Bäumen mit Selbstbedienung. War gar nicht mal so teuer. Wenn eine mal da hinkommen sollte, muss sie unbedingt auf die Toilette gehen, auch wenn dafür wieder einige Treppenstufen zu überwinden sind. Die haben nämlich den Vorraum zu den Toiletten mit Plakaten von allen möglichen Konzerten und Veranstaltungen tapeziert. Und ich meine „tapeziert“, nicht aufgehängt, wie üblich sondern festgekleistert. Das sieht echt irre aus.
Vom Wannsee ging es dann mit Bus und Bahn zur „begine“ – Treffpunkt und Kultur für Frauen e.V. Heute war Kneipenabend und wir haben dort etwas getrunken – Schatzi hat eine rote Berliner Weiße gehabt. Ich habe mich ans Wasser gehalten. Es waren nicht sehr viele Frauen da, aber wir haben uns mit reichlich Flyern und Informationen eingedeckt. Also die Räumlichkeiten sind schon wunderbar. Da kann eine Frau aus Frankfurt schon heftig neidisch werden! Zu Essen gibt es da allerdings nix, aber Besteck für mitgebrachtes Essen. Hat doch auch was.
Die Reiseveranstalterinnen von „Frauen unterwegs“ haben ihr Büro übrigens gleich nebenan.

Nach einer Stunde sind wir dann mit der U-Bahn wieder zum Hotel gefahren. Wir wollten mal ein bißchen früher zurück sein.
Hier haben wir uns dann noch ziemlich lange mit der jungen Frau von der Rezeption unterhalten, die uns unter anderem auch verraten hat, wo es in Berlin gutes Eis gibt, und wo frau auch sitzen kann. Endlich!!!
Das muß gleich morgen ausgekundschaftet werden. Jetzt sind wir schon zwei Tage hier und hatten immer noch kein ordentliches Eis! Das geht nicht!
Morgen berichte ich dann, ob wir erfolgreich waren.