Ein Ausflug nach Münster

Es war mal wieder Zeit für eine kleine Verrücktheit und deshalb sind Schatzi, die Tänzerin und ich am letzten Augustwochenende 2017 am Freitag nach Münster gefahren und am Samstag abend wieder zurück. Ursprünglich wollten wir ja einfach nur ein bißchen durch die Stadt schlendern und ein wenig shoppen, aber da kam uns natürlich mal wieder die Kunst in die Quere. Denn in diesem Jahr steht Münster wieder im Zeichen der großen Skulpturen-Schau, die alle 10 Jahre stattfindet. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Also ging es am Freitag vormittag mit dem Zug über Köln nach Münster. Dort am frühen Nachmittag angekommen, wollten wir erst mal was essen. Wir haben unsere Sachen ins Hotel gebracht und sind dann zum freitäglichen Wochenmarkt mit Bioprodukten auf den Domplatz gegangen. Gleich den ersten Wagen haben wir uns ausgesucht, es gab Bratwurst, Bratkartoffeln und Kraut.
Während wir dort warteten, bis wir dran waren, sprach mich eine junge Frau auf Englisch an und fragte mich, ob das Hot Dogs seien. Sie schien aus Asien zu kommen und kannte deutsches Essen wohl nicht. Ich habe ihr dann erklärt, was Bratwurst ist und dass es hier Bratwurst, Bratkartoffeln und Sauerkraut und Rotkraut gibt. Sie war völlig aufgeregt und begeistert, weil sie das unbedingt probieren wollte. Nachdem wir bestellt hatten, hat Schatzi sie eingeladen, sich zu uns zu setzen. Sie kriegte sich fast gar nicht mehr ein vor lauter Freude, dass sie endlich deutsches Essen probieren konnte und auch nicht allein essen musste.
Und so kamen wir ins Gespräch. Wir fragten sie, woher sie käme und ob sie wegen der Ausstellung in Münster sei.
Stellte sich heraus, Teresa Barrozzo kommt aus Manila und ist Komponistin/Klangkünstlerin. Daraus entspann sich eine wunderbare Unterhaltung über Musik, Töne, Lärm, Stille und was sie für uns Menschen bedeuten. Worüber wir am meisten schmunzeln mussten, war jedoch die Tatsache, dass Teresa fand, dass es in Deutschland ziemlich leise ist (es dauerte nicht lange, da begannen am Dom die Glocken zu läuten). Manila sei extrem laut: überall rufende Menschen, laute Autos und Motorräder bis tief in die Nacht hinein.
Interessant war auch, dass Teresa ein halbes Jahr als Stipendiatin in New York gewesen war, dort von Landsleuten befrängt wurde, doch dazubleiben, sie aber unbedingt zurück auf die Philippinen wollte, um ihren Landsleuten die Klangkunst/Tonkunst näher zu bringen. Am liebsten im öffentliche Raum. Nicht in Konzerten und Ausstellungen, die nur von Menschen besucht werden würden, die ohnehin schon der Kunst aufgeschlossen gegenüber stehen.
Nach einer Weile wollten wir dann aber gehen, um noch ein paar Skulpturen anzuschauen. Wir haben uns von Teresa verabschiedet und sind dann zum Prinzipalmarkt gegangen. Von dort ging es in eine Seitengasse und da in eine Kirche, deren Türen offen standen und in der wir einiges an Skulpturen sahen. Wir also nix wie hinein. Und was wir da alles entdeckten! Toll!

Das hier waren eindeutig unsere Lieblinge:

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Wu Jia Hui – Contended Heart

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Fidelma Massey – The Great Egg

Sind die nicht cool? Es gab natürlich noch viel mehr Skulpturen, aber die stelle ich hier jetzt nicht alle ein.
Überall in der Stadt sind Kunstwerke zu sehen, aber wir haben uns nur auf wenige beschränkt. Ein wenig Einkaufen waren wir dann auch noch.
Nach einem lecker Abendessen in den Köpi Stuben (der Apfelpfannkuchen ist schwer zu empfehlen!) sind wir zurück zum Hotel gegangen, da wir ja am Samstag noch ein wenig shoppen und über’s Wasser laufen wollten.

Nach einem guten Frühstück ging es dann wieder zum Prinzipalmarkt und dann nach einer kleinen Shoppingtour mit dem Bus zum Stadthafen.
Von weitem sahen wir schon, wie die Menschen über’s Wasser liefen:

Bruecke-von-weitem

Das wollten wir natürlich auch. Die Tänzerin und ich waren gut vorbereitet. Wir hatten unsere Badelatschen mitgenommen, denn wir hatten gelesen, dass Ayşe Erkmens Projekt On Water (Auf dem Wasser) aus Metallgittern bestand, die unter Wasser eine Brücke bildeten. Und das ist natürlich mit nackten Füßen nicht ganz so angenehm.
Wir also Schuhe aus, Socken aus, in die Badelatschen und hinein.

ueber-wasser-laufen

Koepper
Ich konnte es mir natürlich nicht verkneifen, so zu tun, als wollte ich ins Wasser springen. Ich bin halt eine kleine Wasserratte mit Sternzeichen Fische. 🙂
Es war einfach wunderbar so durchs Wasser zu laufen. Das Wasser war relativ klar und sauber und richtig schön erfrischend an diesem doch leicht schwül-warmen Tag.
Schatzi wollte übrigens nicht mit hinein. Sie ist für im Wasser puddeln nicht so zu haben. Dafür hat sie dann jede Menge Bilder von uns gemacht. Sie war auch sehr froh, dass ich ein rotes T-Shirt anhatte, so konnte sie uns immer gut finden. 🙂

Bald ging es wieder ins Zentrum der Stadt. Wir liefen noch ein wenig auf dem Prinzipalmarkt herum und während wir dort entlang schlenderten, sahen wir mehrere ältere Trecker, die links und rechts die Straße entlang standen. Einige von ihnen hatten Anhänger, auf denen tatsächlich auch Skulpturen standen.

Trecker
Das Bild ist mir leider nicht ganz so gut gelungen, aber ich wollte es Euch trotzdem zeigen.

Nach einem lecker Eis in Raphaels Eismanufaktur in der Nähe unseres Hotels (Schatzi und die Tänzerin hatten unter anderem Veilcheneis probiert) ging es dann Richtung Bahnhof, um wieder nach Hause zu fahren.

Vielleicht sollte ich noch kurz erwähnen, dass an diesem Samstag auch CSD in Münster war. Allerdings haben wir den nicht auch noch besucht. Aber es liefen ziemlich viele Junglesben in der Stadt herum. Es ist doch schön zu sehen, dass es uns auch in Münster gibt. 🙂

Ach ja, noch ein Nachtrag: zuhause angekommen, habe wir uns sofort Teresa Barrozzos Homepage angeschaut.
Die junge Frau hat ja ganz schön Understatement betrieben. Da hatten wir den Eindruck, dass sie eine junge Anfängerin in Sachen Komposition und Klangkunst ist, nur um dann festzustellen, dass sie jede Menge Filmmusik komponiert und auch bereits einige Auszeichnungen eingeheimst hat! Tsk!