Ein interessanter Tag auf der documenta14 in Kassel

Es ist mal wieder so weit….
Die größte Kunstausstellung der Welt ist dieser Tage in Kassel zu sehen.
Und klar…. da müssen wir hin.

Die Recherche zu diesem Besuch gestaltete sich außerordentlich schwierig. Es war kaum möglich, herauszufinden, welche Werke von welchen KünstlerInnen sich an welchen Orten befinden. Die documenta14-Homepage ist ein einziges Desaster. Sogar der Ausstellungskatalog („Daybook“ genannt) gab zu dieser Frage nichts her. Auch meine heißgeliebten TV-Kulturjournale und die Kunst-Fachzeitschrift einer Freundin brachten kein Licht ins Dunkel. Wie sollten wir also interessante Werke von Künstlerinnen finden?
Nach stundenlangen Recherchen in vielen Mittagspausen wurde ich endlich „ein wenig“ fündig. Einige Regionalzeitungen hatten ReporterInnen zur documenta14 geschickt. Aus deren Reportagen habe ich dann endlich ein paar interessante Hinweise bekommen.
Damit war ich nicht wirklich zufrieden, fühlte mich aber nicht mehr so ganz unvorbereitet.*

Am Samstag standen wir also früh auf (was tut frau nicht alles für die Kunst) und fuhren gemütlich mit dem Zug und in netter Gesellschaft von drei lieben Freundinnen nach Kassel.
Es war Ferienzeit und der Zug fuhr bis Rügen. Trotzdem hatten wir Glück und konnten sitzen. In Kassel trafen wir weitere zwei Frauen und waren dann zu siebt.

Mit der Regionalbahn fuhren wir von Bahnhof Wilhelmshöhe zum Kasseler Hauptbahnhof (3 Min.). Von dort liefen wir dann in die Stadt hinunter. An der Haupteinkaufsstraße gab es dann auch endlich Eintrittskarten zu kaufen.

Ein paar Schritte noch und wir standen vor dem berühmten „Parthenon of books“ der argentinischen Künstlerin Marta Minujín:
Parthenon-von-Seite

Bis zu 100.000 verbotene Bücher passen in die vielen Quadratmeter Buchhüllen, die die Wände des Kunstwerks bilden. Es geht um Bücher, die irgendwo auf der Welt zu irgendeinem Zeitpunkt verboten waren. Manche Buchtitel lassen staunen: „Alice im Wunderland“, „Harry Potter“, „Das doppelte Lottchen“. Andere waren zu erwarten: „Der Fänger im Roggen“, Onkel Toms Hütte“, „Die satanischen Verse“.
Das Parthenon ist größer als ich dachte und nimmt fast gesamten Friedrichsplatz ein.
Allerdings reicht es nicht an die Ausmaße des Athener Parthenons heran.
Von weitem schimmern die Bücherwände silbern bis perlmuttfarben, was uns zu der Feststellung veranlasste, dass viele Bucheinbände nicht gerade farbenfroh sind.

Vorm Fridericianum stand eine lange Schlange von BesucherInnen, die sich aber relativ flott bewegte. In dieser Kunsthalle sind überwiegend Werke aus Athen zu sehen, vom 1. Teil der documenta14, der ja in Athen stattfindet.
Größere Taschen und Rücksäcke mussten in einem Spint-Container zwischengelagert werden.
Während der Wartezeit konnte frau schon mal die neue Giebelschrift des Fridericianums anschauen. Da stand „Being safe is scary“ – ein Werk der Künstlerin Banu Cennetoglu. Natürlich haben wir diskutiert, was das wohl bedeuten mag.
Being-Safe

Gleich am Eingang war das erste Kunstwerk auf dem Boden: Die Videoinstallation eines Bodenmosaiks
Installation

Leider sehr schwierig zu fotografieren wegen des Musters im Steinboden und weil viel zu viele Menschen darauf „herumhampelten“ – aber sehr schön.

Ein weiteres Highlight war ein ganz besonderer Webstuhl.
Webstuhl
Titel: Slumber. Untertitel:

Was wäre, wenn es sich nach seiner Rückkehr nach Ithaka herausgestellt hätte, dass die legendenumwobenen Abenteuer des Odysseus nie stattgefunden hatten und stattdessen nur und tatsächlich Penelopes Träume gewesen waren, die „Monstren der Psyche“, die Janine Antoni beschreibt?

(von der documenta14-Internetseite)

Ein paar Schritte entfernt war die documenta-Halle mit dem Schwerpunkt Ethnokunst, Retro, Textilien und Farbe.
Und tatsächlich, es gab viele bunte Kunstwerke zu sehen: von bunten Masken und Tierskulpturen über großformatige farbenfrohe Gemälde, ein sehr langes schmales gesticktes Wandbild der samischen Künstlerin Britta Marakatt-Labba (Seite ist auf schwedisch).
Labba2

Labba1

(sehr schön) bis hin zu der Installation blutroter Wollstränge der chilenischen Künstlerin Cecilia Vicuna.

rote-straenge

Sehr schön war in der documenta-Halle auch der Loungebereich – ein Cafeteria im Keller mit Terrasse. Und sogar ein Teil des angrenzenden Parks war mit Tischen und Bänken bestückt, so dass frau wunderbar im Grünen sitzen konnte. Die Preise für Essen und Getränke waren
– wie erwartet – üppig, aber …. – anders als bei vielen Gartenschauen – war die Qualität der angebotenen Speisen sehr gut. Die Bedienung hat uns sogar Eis am Stiel an den Tisch gebracht. Ein wunderbarer Ort zum „Chillen“ (wie das heute so heißt).

Vor der documenta-Halle stand noch die Skulptur des irakischen Künstlers Hiwa K – eine Ansammlung von „möblierten“ Röhren, die an Flüchtlinge erinnern sollen, die im Hafen von Patras in solchen Röhren gehaust haben.

Höchste Zeit für einen Besuch im documenta14-Shop, ein kleines Paradies mit vielen Kunstbildbänden, Kunstzeitschriften und Kunstpostkarten sowie documenta14-Merchandise.

Weiter ging es auf der Straße „Schöne Aussicht“, die ihrem Namen alle Ehre machte – ein großartiger Blick auf Kassel und das Umland.

Vor der Neuen Galerie wieder ein lange Schlange – in praller Mittagssonne.
Dieser Ort ist der Erinnerung und der Archivierung gewidmet.
Wir kehrten erst mal in einem der Gastronomie-Pavillons ein, schwätzen und beratschlagten den weiteren Weg.
Einige von uns taten sich tatsächlich das hochsommerliche Schlange stehen an und gingen in die Neue Galerie. Andere gingen durch die Einkaufsstraße zu einem bekannten Kaufhaus.
Hmmmm….. nein, nein… weder zum Shoppen noch zum Kunstgucken.
Auf dem oberen Parkdeck (6. Stock) ist für die documenta14 ein Loungebereich mit Liegestühlen, Getränken und Eis eingerichtet samt grandiosem Blick auf Kassel gratis – insbesondere auf das Parthenon.

Parthenon-von-oben

Langsam trafen wir uns alle wieder am Hauptbahnhof, fuhren gemeinsam zum IC/ICE-Bahnhof Wilhelmshöhe und verabschiedeten uns dort von der Freundin aus Bremen.
Alle anderen fuhren pünktlich und bequem im Bistrowagen sitzend nach Frankfurt.

Ein spannender, interessanter Tag mit viel Kunst in einer schönen Stadt in netter Gesellschaft.

*Anmerkung: Bei der Suche nach den Links für diesen Artikel entdeckte ich, dass die Homepage der documenta14 wohl überarbeitet worden ist. Mittlerweile gibt es tatsächlich Links zu den Veranstaltungsorten mit einer Liste der dort ausstellenden KünstlerInnen und den Kunstwerken. 4 Wochen nach der Eröffnung!!!! Link: documenta14.