Emsland-Ostfriesland September 2017 – Tag 3

Heute kommt der Beitrag von Schatzi2

Haben gut geschlafen, passabel gefrühstückt, und der Himmel meint es -wenn auch nur knapp- gut mit uns (bewölkt, aber trocken). Heute wollen wir nach Emden und an die westliche Nordseeküste. Die leider ungünstige Lage unseres derzeitigen Aufenthaltortes Ditzum erlaubt nur zwei Möglichkeiten, nach Emden zu kommen:
a) Autofähre über den Dollart (stündlich, Kapazität für 3 Autos) zu einem Vorort von Emden
b) zurück bis nach Leer, durch den Emstunnel durch den Dollart, dann ca. 20 km auf der A31 nach Emden
Wir wählten b) und kamen reibungslos durch viele Baustellen in Emden an. Die berühmte Kunsthalle Emden war leicht zu finden.

Sie beherbergt zu ca. 50% die Kunstsammlung des Verlegers Henry Nannen und zeigt zur anderen Hälfte Wechselausstellungen – derzeit die Ausstellung „Das Auto in der Kunst“. Zunächst haben Schatzi und ich ein wenig gegrummelt und hätten uns eine andere, für uns interessantere Ausstellung gewünscht, aber….. zugegebenermaßen war die Ausstellung spannender als gedacht – und überdies von einer Frau kuratiert.

Das zentrale Werk hieß Goethes Reisekutsche, Adenauers Mercedes und mein Smart von der deutschen Künstlerin Asta Gröting.

Zu sehen ist, was der Titel verheißt: Die Unterseite von Goethes Kutsche, die Unterseite von Adenauers Mercedes und die Unterseite des SMARTS der Künstlerin.
So wird auf skurrile Weise die „Geschichte der Mobilität“ gezeigt.

Interessant war auch ein Video von Zilla Leutenegger – ein Thunderbird, der auf dem Mond rumrast und -röhrt, mit der schönen Erde im Hintergrund.

Ansonsten gab es noch Warhol, Gerhard Richter, Gursky und andere Berühmtheiten, die Werke zum Thema „Auto“ fabriziert hatten. Auch ein Bild von Tamara de Lempicka war dabei.

Die Daueraustellung zeigte neben Gabriele Münter, Paula Modersohn-Becker und Sonia Delaunay-Terk auch Macke, Chagall, Kirchner und Konsorten.

Alles in allem: Ein sehr interessanter und inspirierender Kunstort mit spannenden Themenausstellungen und sehenswerter Dauersammlung.

Am frühen Nachmittag fuhren wir -zumindest geographisch- an der Küste entlang in das bekannte Hafenstädtchen Greetsiel (die einen schwärmen davon, die anderen schimpfen es total touri-überlaufen). Um das Meer zu sehen mussten wir uns -wie ich fand- über Gebühr anstrengen: 5 km von der Straße abfahren, Damm hoch und – wat is ? Watt is- nix mit Wasser oder Watt mit Wasser weit weg. Der Leuchtturm Campen (der höchste Deutschlands, aber hässlich da Stahlkonstruktion) hat mittwochs geschlossen. Am Damm bauen riesige Bagger und Raupen was auch immer. Zum rot-gelb gestreiften Leuchtturm Pilsum (dem Traum-Hochzeitsort aller maritim-affinen Paare) musste man ca. 1 km vom Parkplatz aus laufen.

Die Toilettenhäuschen am Parkplatz waren fest verschlossen und weit und breit war kein potentieller Schlüsselträger zu finden. Na ja, ich liebe Leuchttürme, aber diese beiden haben sich wohl nicht auf meinen Besuch gefreut – anders als andere vor ihnen.

Greetsiel war hübsch, erinnerte uns ein wenig an Warnemünde in kleiner: ausgeprägte touristische Infrastruktur, netter Hafen mit Fischerbooten.

Beide haben recht: die Schwärmerinnen und die Schimpferinnen. Wir aßen ein Fischbrötchen und eine Waffel mit sehr gutem Eis.

Ein schwerer Regenschauer fesselte uns ca. eine halbe Stunde lang an die Cafe-Stühle.

Zurück in Ditzum entdeckten wir einen alten Kramladen mit Souvinirs, Zeitschriften, Süßigkeiten und mehr Kram. Die alte ostfriesische Dame konnte kaum hochdeutsch sprechen, und die Preise waren unglaublich niedrig. Im Supermarkt kauften wir drei verschiedene Sorten ostfriesischen Tee. Abendessen in einem anderen Fischrestaurant als gestern war sehr lecker.

Morgen geht’s über Aurich in unser nächstes Hotel in Esens (im Norden von Ostfriesland).

Mein bisheriger Eindruck von Ostfriesland:
„weerich“ – ja, Schatzi würde dazu weerich sagen. Ostfriesland sträubt sich, zickt rum, lässt sich schwer „liebgewinnen“ – anders als das „Alte Land“ südlich von Hamburg oder Rügen. Nein, ich könnte die Ostfriesen nun wirklich nicht überbrodelnd gastfreundlich nennen. Nein, auch der Begriff „kundenorientiert“ fände ich unpassend. Der Spruch „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ kam mir in den Sinn… „Bringt uns Geld, aber behelligt uns nicht“ – jaaaa, das passt leider öfter Mal. Aber, natürlich gibt es -wie überall- freundliche, gesprächige, hilfsbereite Menschen hier… Ob das allerdings Einheimische sind…. ?????