Von Frankfurt über Unna nach Lohne 20. – 24. Mai 2009, Teil 1

Mittwoch, 20. Mai 2009
Heute ging es endlich los: ein paar Tage Urlaub, nachdem ich in den letzten drei Tagen mal wieder ziemlich viel zu übersetzen hatte. Grundsätzlich ist das ja schön, aber warum immer alles auf einmal, und dann auch noch kurz vorm Urlaub???
Na gut, ich will nicht jammern, sondern vom Urlaub berichten.
Gegen halb zehn sind wir losgefahren. Die Autobahn A5 Richtung Norden war nicht sehr voll, so dass wir ziemlich gut durchgekommen sind. Über die A45 sind wir zunächst nach Altena, der alten Drahtzieher-Stadt im Sauerland, gefahren. Als wir die Stadt vor ein paar Jahren während eines elendig langen Staus gesehen hatten, hatten wir uns vorgenommen, dort mal hinzufahren und uns die imposante Burg anzuschauen, die wir von der Bundesstraße aus gesehen hatten.
Nachdem wir dann endlich die Zufahrt zur Burg gefunden hatten, ging es erst mal ziemlich steil bergan. Durch sehr enge Gassen, durch die kaum ein Auto kam, aber dennoch keine Einbahnstraßen waren, erreichten wir die Burg Altena. Wir parkten das Auto in einer Straße, die sehr steil bergab ging (Rückwärtsgang nicht vergessen!), liefen die sehr steile Straße hoch, gingen den sehr steilen Zugang zur Burg hoch, besorgten uns Eintrittskarten (5 €, inkl. Eintritt zum Drahtmuseum) und sahen uns die sehr alte Burg an, die gerade mal wieder restauriert wurde. Wie das halt so ist, bei diesen alten Gemäuern.
Auf der Burg Altena befindet sich übrigens die älteste Jugendherberge der Welt, hier wurde das Prinzip der Jugendherbergen nämlich 1911 das erste Mal verwirklicht. Das hat uns jetzt zwar nicht so dolle interessiert, aber angucken kann frau sich das ja mal, gell? Die Burg ist sehr weitläufig und auch sehr verwinkelt, wir haben uns deswegen nur die Hälfte angeschaut, auch weil ich mal wieder am rumgnöttern war, weil ich hungrig war und sowohl meine Nase als auch meine Ohren noch zu waren. Ich hatte gestern einen heftigen Allergieanfall, der heute noch Nachwirkungen zeigte. Wir haben auf der Burg nur ein Stück warmen Birnenschokokuchen gegessen, Schatzi hatte ein Wasser und ich einen Cappuccino dazu. Mehr wollten wir da nicht, denn die Schenke, die als einzige offen hatte, war sehr teuer. (Also sehr steile Burg mit sehr teuren Speisen – angucken lohnt sich – essen nicht.)
Schatzi und ich haben dann beschlossen, weiter Richtung Unna zu fahren. Wir sind erst auf der Bundesstraße nach Schwerte und wollten dann dort auf die A1 fahren, um dann gleich die nächste Abfahrt Unna wieder runterzukommen.
An der Bundesstraße entdeckten wir im kleinen Örtchen Schälk ein Restaurant direkt an der Straße: „Zum grünen Krug“. Schöner Name! Es muss ja kein grüner Baum oder zerbrochener oder goldener Krug oder Löwe sein! Wir also ab. Das Restaurant hatte durchgehend warme Küche, was uns natürlich sehr zupass kam. Außerdem ist der Betrieb wohl fest in Frauenhand: zweiter Pluspunkt! Schatzi hatte Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat und ein Spezi, ich hatte ein Jägerschnitzel und eine Flasche Wasser. Und die Preise! Wahnsinn! Richtig billig! Das Essen war gut, nicht herausragend, aber gute Hausfrauenkost (im positiven Sinne). Und ruhig war es da. Wenn nicht gerade ein LKW oder Motorrad vorbeibrauste, war es wunderbar ruhig und wir hörten die Vögel zwitschern.
Dann ging’s weiter. Nach Schwerte, auf die A1 Richtung Bremen, an der Raststätte Lichtenfeld vorbei und hinein — in den Stau! Da hatten wir doch tatsächlich ca. 5 Kilometer, bevor wir wieder runter von der Autobahn wollten, einen dicken fetten Stau. Suuuper! Im Schritttempo ging es voran. Nach gefühlten 20 stunden kam endlich die Abfahrt Unna. Da war auch Stau, denn die Abfahrt ist gleichzeitig der Zubringer zur A44 und da wollten ziemlich viele hin. Warum auch immer. Wir nicht, und dennoch mussten wir uns gedulden. Na gut, das hatten wir dann auch endlich hinter uns.
Hinein nach Unna. Da haben wir uns dann prompt nochmal verfahren, aber dann endlich unser Hotel, das „Gut Höing“ gefunden, das übrigens auch einer Frau gehört. Es liegt etwas weg von der Innenstadt und wird noch als Bauernhof betrieben. Es gibt aber kein Vieh, nur Ländereien. Unser Zimmer ist im Gesindehaus, im Landhaus-Stil eingerichtet, aber relativ groß. Also mir gefällt’s.
Schatzi und ich haben erst mal unsere Sachen abgestellt, (wir sind im 2. Stock, es gibt einen kleinen Gepäckaufzug, der unsere Sachen hochgefahren hat, während wir die Treppe gelaufen sind. Schon lustig!) Dann sind wir mit dem Auto zum Parkhaus am Bahnhof gefahren und von dort in die Innenstadt gelaufen. In Unna findet gerade an diesem Wochenende „Un(n)a Fiesta Italiana“ statt: Die gesamte Fußgängerzone ist voll mit Essen und Trinken und Kunsthandwerkständen aus Italien und insbesondere der Partnerstadt Pisa. Außerdem säumten den gesamten Weg Lichtbäume und in der Nähe das Bahnhofs und auf dem Marktplatz waren riesige Pavillons aufgebaut, auf denen das Kulturprogramm stattfindet.
In den ersten Buchladen, der uns über den Weg lief, sind wir gleich rein gestürzt. Ich möchte ja aus jeder Stadt, die wir besuchen, eine Biographie oder so was mitbringen, die von einer berühmten „Tochter“ der Stadt berichtet. Aber das ist für Unna nicht so einfach. Die Buchhändlerin hat ihr Hirn angestrengt und überlegt, dann kam sie auf Ida von Bodelschwingh (Bodelschwingh‘sche Anstalten) aber sonst kannte sie keine. Nun gut, besser als nichts, den aufgeschriebenen Dia-Vortrag eines Mannes (!) über sie, habe ich dann für 2 € mitgenommen. Die sehr hilfsbereite und nette Buchhändlerin wollte mich dann noch für Frauenkrimis begeistern, aber da ist sie leider bei mir nicht mit angekommen. Ich hab das nich so mit Krimis. Dennoch war es sehr schön, uns mal so ausführlich über Frauen und Bücher zu unterhalten.
Wir sind dann die Straßen rauf und runter geschlendert, haben hier was getrunken und dort was gegessen und uns noch kurz das winzige Nicolai-Viertel angeschaut. In der Nähe des Bahnhofs haben wir dann noch Tortellini al forno gegessen und sind dann zurück zum Hotel. Ich wurde schon wieder brummelig und unausstehlich. Also sagte Schatzi, wir gucken uns die Lichter lieber am Freitag an und fahren jetzt zum Hotel. Und da sind wir jetzt. Schatzi war dann aber auch ganz froh, von den Beinen zu sein.
Wir lassen es jetzt gemütlich angehen, und fahren morgen mit der Bahn zum Gasometer nach Oberhausen. Das Ticket (Tagesticket für bis zu 5 Personen, gesamt NRW, 32,20 oder so) haben wir heute schon gekauft. Da machen wir uns mal morgen keinen Stress, wir sind schließlich im Urlaub und nicht auf der Flucht!
Schatzi sagt noch, dass Unna eine sehr schöne und zuvorkommende Stadtverwaltung hat. Und wenn Schatzi das sagt, dann stimmt das!
Nacht!
P.S.: während ich diese Zeilen schrieb, bat mich Schatzi ans Fenster und fragte mich, ob das tieforangene Ding zwischen den Bäumen die Sonne sei. Ich sagte „JA“! dat is die Sonne! Ziemlich beeindruckend sah das aus. Kann mal jemand die Bäume fällen, bitte schön???