Von Frankfurt über Unna nach Lohne 20. – 24. Mai 2009, Teil 2

Donnerstag, 21. Mai 2009
Heute ist Feiertag. Aber das soll uns ja nicht von irgendwas abhalten.
Wir haben letzte Nacht beide ziemlich gut geschlafen. Das ist erwähnenswert, weil das ungewöhnlich ist. Normalerweise haben Schatzi und ich in Hotels in der ersten Nacht immer Schwierigkeiten mit dem Einschlafen. Das war diesmal überhaupt nicht der Fall. Wir sind beide recht schnell eingeschlafen, obwohl es so ruhig war. (Was in kleineren Städten ja schon eine Ausnahme ist, oft ist es recht laut, und wir in der Nähe der Frankfurter Innenstadt haben weniger Lärm).
Zum Frühstück saßen wir heute morgen an einer langen Tafel im Haupthaus. Typisch Landhaus halt. Aber wir waren fast alleine am Tisch, deswegen war des jetzt nicht unangenehm. Das Essen war reichlich und auch gut. Besonders die selbstgemachten Konfitüren waren sehr lecker. Wir haben uns noch ein wenig mit der Chefin unterhalten, die gerade in den Vorbereitungen zu einer Kommunionsfeier war. Sie hat uns erzählt, das hauptsächlich Durchreisende, auf dem Weg nach Norden oder Süden hier übernachten. Das findet nicht nur sie schade, wir auch! Das Ruhrgebiet lohnt sich wirklich als Urlaubsziel!

Anschließend machten wir uns mit dem Auto auf den Weg zum Hauptbahnhof, um nach Oberhausen zu fahren. Die Tiefgarage war leider noch nicht geöffnet, wir waren zu früh. Aber ein Stückchen weiter entdeckten wir einen günstigen Parkplatz, der uns für den ganzen Tag nur läppische 1 Euro kostete.
Wir waren ein wenig zu früh und haben uns noch 2 Flaschen Wasser im Zeitschriftenladen des Bahnhofs gekauft. Und was sah ich da, genau gegenüber der Kasse??? Die L-Mag! Die verdeckte die Emma und die verdeckte die Missy! Na, das ist doch mal klasse! Nix, von wegen hinten in der Ecke versteckt. Deutlich sichtbar für alle, die reingehen: L-Mag, das Magazin für Lesben, So gehört sich das! Nicht nur in Unna!

Nu aber ab in den Zug! Zunächst geht es mit einer nicht DB-Bahn nach Dortmund. Von dort mit der Regionalbahn weiter zum Oberhausener Hauptbahnhof und von dort mit der Straßenbahn zur „Neuen Mitte“ am CentrO. Von dort laufen wir zu Fuß zum Gasometer. Hat ich schon erwähnt, dass Feiertag ist? Was natürlich bedeutet, dass wir nicht die einzigen sind. Es hatte sich an der Kasse schon eine kleine Schlange gebildet (Eintritt 7 € für Erwachsene). Aber es ging relativ zügig voran. Der Gasometer war bis in die 80er Jahre ein Gasaufbewahrungsbehälter: 117,5 m hoch und über 63 m im Durchmesser. Mittlerweile wird das Gasometer für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt. Zur Zeit läuft eine Ausstellung über das Weltall. Im Erdgeschoss sind nicht nur viele Schautafeln sondern auch die Planeten unseres Sonnensystems aufgehängt. Es ist ziemlich dunkel da drin. Was aber bei einen Thema, wie Weltall, doch wesentlich zur Stimmung beiträgt. Wir wollten natürlich auch aufs Dach des Gasometers. Entweder kann frau die außen liegenden Treppenstufen hoch laufen, den außen liegenden geschlossenen Fahrstuhl, oder aber, wofür wir uns natürlich entschieden haben, denn innen liegenden Panoramafahrstuhl benutzen. Das bedeutete allerdings, das wir erst mal die Treppen in den 2. Stock hochlaufen mussten. Im ersten stock sahen wir dann plötzlich eine riesige graue Kugel, von 11 Metern Durchmesser von der Decke hängen: Der Mond! Gigantisch! Das sah wirklich beeindruckend aus.
Der ist übrigens von Ballonbauern gebastelt worden, nach Satellitenaufnahmen. Die haben den im Gasometer zusammengebaut und nicht von oben rein gehoben.
Am Fahrstuhl mussten wir dann eine Weile anstehen. Ich glaube, ich hatte schon gesagt, dass Feiertag war, oder?
Schließlich kamen wir dann aber auch dran. Nach einer rasanten Fahrt nach oben, den Mond ständig im Blick, waren wir dann endlich auf den Dach des Gasometers. Normalerweise hat frau von da oben einen wunderbaren Blick über das Ruhrgebiet. Leider war es heute sehr diesig, so dass wir nur sagen konnten: Da stehste auf dem Gasometer im Sturmesbrausen und alles was du siehst, ist Oberhausen! (Missfits). Allerdings war es mit dem Sturmesbrausen auch nicht weit her. Im Gegenteil, es war ziemlich warm da oben. Es war den ganzen Tag sehr warm, und durchaus schwül, aber zum Glück blieb es trocken, auch wenn immer wieder Regenwolken aufzogen.
Wieder unten wollten wir uns eigentlich auch noch die Führung antun. Aber wir haben nur den Anfang mitgemacht, wo etwas zum Gasometer erzählt wurde. Der weitere Teil ging zur Ausstellung. Aber ich behaupte mal, dass wir uns in der Astronomie ein wenig auskennen. Da wurde die Führung ein bisschen langweilig für uns. Es waren viele Kinder in der Gruppe, für die war das natürlich spannender. Wir sind dann gegangen und mit der Straßenbahn von Oberhausen nach Mühlheim an der Ruhr rüber getuckert. Die sollen laut Reiseführer eine sehr schöne Altstadt haben. Wir haben sie erst auf Nachfrage gefunden. Na, schön, ist relativ. Es gibt zwar durchaus einige Fachwerkhäuser und hübsche Häuschen, aber leider auch immer wieder hässliche Neubauten dazwischen. Mittlerweile war bei mir mal wieder Fütterungszeit angesagt. Es war aber auch schon vier Uhr, also höchste zeit. Wir haben uns dann in das Restaurant „Mediterran“ gesetzt und mal wieder gelernt, bestelle immer die Spezialitäten des Hauses und nicht das, worauf du jetzt gerade Lust hast! Schatzi hatte Cordon Bleu bestellt und einen Salat vorweg, ich Spargel mit Wiener Schnitzel. Während mein essen ganz okay war, war auf Schatzis Salat Fertigsauce, das Cordon Bleu lief aus (der käse) und das Gemüse war tiefgefroren. Da hat auch die seltsame Suppe nichts mehr gerettet, die uns plötzlich nach Schatzis Salat serviert wurde. Das sollte angeblich Spinat und Broccoli sein. Sie schmeckte aber nicht wirklich nach irgendwas und wir hatten den Eindruck, die wollten sie loswerden. Das Essen war nicht ganz billig, insgesamt über 45 Euro, da darf frau mehr erwarten!! Schatzi hat dann schon gesagt, dass das Essen nicht so dolle war. Da haben wir dann noch als Entschuldigung einen Espresso bekommen.

Zurück mit der Straßenbahn nach Oberhausen und von dort mit der S-Bahn nach Dortmund. Wir hatten uns vorgenommen, da mal mit dem Bus ein wenig rumzufahren. Nachdem es schon schwierig war, überhaupt einen Bus zu finden, merkten wir nach zwei Stationen, dass wir in der Nordstadt gelandet waren. Ich versuche ja immer, keine Vorurteile zu haben, aber leider wurden sie dort bestätigt. Das ist wirklich keine Gegend, in die frau fahren sollte. Wir sind dann an der nächsten U-Bahnhaltestelle ausgestiegen und wieder Richtung Hauptbahnhof gefahren. Am Stadtgarten mussten wir umsteigen. Das ist beim Rathaus. Sehr hübsch da. Um kurz nach acht konnten wir dann wieder mit dem Zug zurück nach Unna. Hier war die Festa Italiana wieder voll im Gange. Wir haben unsere Jacken aus dem Auto geholt (war ein bisschen kühl geworden) und haben uns ins Gewühl gestürzt. Mitten auf der Fußgängerzone haben wir uns in einer Eisdiele noch lecker Eis bestellt (Schatzi Coppa Unna und ich einen Erdbeerbecher). Gegen neun ging dann endlich die wunderbare Beleuchtung an., Alle um uns herum (und wir natürlich auch) machten OooooooHHH!!! Also ich muss schon sagen, das sieht wirklich klasse aus. Überhaupt nicht kitschig. Diese Lichtbögen und beleuchteten Pavillons, toll und auf dem Marktplatz ist vor einem Haus eine riese Leuchtfassade, die Schatzi an ein Kirchenfenster erinnert, aufgestellt. Alles leuchtet in weiß und hellblau und gelb, ein Hauch von Lila und Grün. Ich sag nur, unbedingt mal anschauen. Das Fest findet alle zwei Jahre statt. Es war zwar ziemlich voll, aber nicht unangenehm voll. Ich habe mir noch eine Portion Pommes gegönnt und gegen viertel nach zehn sind wir dann endlich zurück zum Hotel und legen jetzt unsere plattgelatschten Füße hoch.
Bis morgen!

P.S.: Heute huste ich mir nur noch die Seele aus dem Leib. Sonst geht’s.