Von Frankfurt über Unna nach Lohne 20. – 24. Mai 2009, Teil 3

Freitag, 22. Mai 2009

Heute morgen sind wir eine Stunde früher aufgestanden, um halb acht. Denn wir wollten mit dem Auto nach Hattingen fahren. Mit den Bussen und Bahnen ist die Fahrt dorthin sehr umständlich, deswegen haben wir uns lieber auf die Autobahnen gestürzt. Die Fahrt ist zwar auch mit dem Auto ein bisschen umständlich, aber nicht schwierig. In Hattingen angekommen, haben wir im Altstadtparkhaus geparkt und sind dann zu Fuß in die Stadt gelaufen. Vom Parkhaus geht es direkt in die Fußgängerzone. Die ist für so eine kleine Stadt (60.000 Einwohner) relativ groß und besteht aus mehreren Straßen. Die meisten Häuser an der Fußgängerzone sind Nachkriegsbauten, wir wollten aber ja die alten Fachwerkhäuser sehen. Schatzi und ich sind deshalb in eine Seitenstraße abgebogen und landeten bei den wunderschönen Fachwerkhäusern, die in einem geschlossenen Ring, nur mit kleinen Durchgängen unterbrochen um eine Kirche herum angeordnet sind. Die Kirche selbst (St. Georg) ist anscheinend sehr typisch für das Ruhrgebiet: sie hat einen sehr langen und sehr spitzen Kirchturm. Das ist mir schon in anderen Städten hier aufgefallen. Ungewöhnlich hier war, dass die Orgel über dem Altar angebracht war und nicht auf der Empore gegenüber. Das hatten wir so noch nicht gesehen.
Wir haben uns dann auch noch das ungewöhnliche „Bügeleisenhaus“ angesehen. Das ist ein Fachwerkhaus, das unten relativ schmal ist und nach oben hin breiter wird. Dieses Haus steht nicht in dem Kreis um die Kirche herum, sondern ein Stück abseits, in der Fußgängerzone.
Wir waren noch in einer Buchhandlung (eine Kette: Mayersche Buchhandlung) und haben dort unter anderem einen Bildband über Hattingen gekauft.

Im Café Adele haben wir dann noch Kaffee bzw. Cappuccino getrunken und ein lecker Stück Kuchen gegessen (Erdbeerkuchen und gedeckter Apfelkuchen). Schatzi fragte die Bedienung, ob es denn in Hattingen noch eine inhabergeführte Buchhandlung gäbe. Sie musste uns aber leider sagen, dass die letzte dieser Art vor einigen Wochen dichtgemacht hatte, nachdem auch noch die Kette Thalia in die Stadt gekommen war. So was ist schon immer sehr schade.
Da es heute doch merklich kühler als gestern war und es auch immer wieder nach Regen aussah, sind wir dann wieder zum Auto gegangen und wollten die Ruhr suchen und dann über Bundesstraßen zurück nach Unna fahren.
Ja, doch, die Ruhr haben wir dann doch gefunden, allerdings war an der Stelle, wo wir sie überquerten, keine Möglichkeit, mal anzuhalten und rumzulaufen. Also sind wir umgedreht und quer durch Hattingen durch Richtung Dortmund gefahren.
Unterwegs sahen wir ein Hinweisschild auf eine Gemüsescheune. Die wollten wir uns dann doch mal anschauen. Über Hattingen-Breitenscheid ging es quer durch die Walachei nach Elferdingen auf einen großen Bauernhof. Als ich über dem Eingang der Scheune so ne religiöse Botschaft las, hatte ich schon die Befürchtung, dass wir bei einer Sekte gelandet waren. Aber dem war dann wohl doch nicht so. Jedenfalls haben wir da keine weiteren religiösen Symbole oder Sprüche oder so gesehen. Wir parkten direkt an einem riesigen Gewächshaus, in dem Paprika angebaut wurde. Also, so Paprikapflanzen in Massen hatten Schatzi und ich ja auch noch nicht gesehen. In der Scheune gab es alles, was das Landwirtschaftsherz begehrt: Gemüse, Obst, Fleisch, Brot, Kuchen, Nudeln etc. pp. Inklusive Mittagessen und Kaffeetrinken. Allerdings waren die Sachen nicht gerade billig. Eine Tüte Nudeln kostete zum Beispiel 2.99 Euro für 500 gr. und ein Glas Gurken 4,99 Euro. Und es war nicht alles von diesem Hof und auch nicht Bioware. Schatzi und ich haben dann auch nichts gekauft. Später haben wir dann an einem Erdbeerstand an der Straße eine Schale Erdbeeren für 2,50 € gekauft. Die sind zwar aus Bielefeld, aber sehr lecker!

In Unna angekommen, sind wir zum Museum für internationale Lichtkunst gefahren. Die liegt in den Gewölbekellern der ehemaligen Lindenbrauerei. Wir hatten noch etwas Zeit und haben in dem kleinen Café, im ersten Stock noch etwas gegessen. Wir hatten Schnitzel im Brot, das Brot war mit einem Salbeipesto eingeschmiert und das Schnitzel unpaniert. Das war ein Spezial, dass sie passend zur Festa Italiana im Angebot hatten. Es hat wirklich gut geschmeckt. Vielleicht sollten wir das Zuhause mal nachmachen. Mal sehen.

Dann ging es mit einer Führung in die Dauerausstellung. Ohne Führung kommt frau dort nicht rein. Die Keller sind nämlich sehr verwinkelt und Verlaufen ist dort unten überhaupt kein Problem.
Die Ausstellungsstücke selbst lassen sich mit Worten nicht sehr gut beschreiben. Fotografieren war nicht erlaubt. Es sind sehr unterschiedliche Lichtobjekte, und das Gewölbe insgesamt ist auch sehr beeindruckend. Deswegen: einfach mal hinfahren! Es lohnt sich wirklich! Es gab auch noch eine Sonderausstellung des Künstlers James Turrell, aber die fand ich jetzt nicht so dolle.
Und hinterher haben wir dann prompt den richtigen Ausgang nicht gefunden! Zusammen mit einem Mann-Frau-Pärchen haben wir verzweifelt rumgesucht. Bis wir dann einfach einen der vielen Notausgänge an der Rückseite des Gebäudekomplexes benutzt haben.
Draußen hörten wir laute trommeln und wir sind um das Gebäude herumgegangen. Dort entdeckten wir einen Fanfarenzug und Fahnenschwinger aus Italien, in alten Kostümen gewandet. Die hatten sich dort gerade eingefunden, um ihr Können vorzuführen. Na, das war ja mal wieder. Wie für uns bestellt! Das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Bei den Fahnenschwingern war übrigens eine Frau dabei. Die war bestimmt schon um die 50, das fanden wir natürlich klasse. Neben mir stand während der Vorführung eine ältere Frau, wohl aus Unna. Die sagte die ganze Zeit zu mir: „Dat is wie früher, dat is schön, nech? Die sin aus Italien.“ Bestimmt fünf-, sechsmal. Was sollte ich da sonst zu sagen als „ja“?

Danach sind wir dann noch mal die Massener Straße Richtung Marktplatz hochgelaufen. Dort entdeckten wir den „Weltmeister Senfladen“. Eine Franchise-Kette aus Altenburg mit über 300 Sorten Senf. Dieses Geschäft hier wird von einer Frau betrieben, was natürlich unsere Motivation, Senf zu kaufen, um einiges erhöhte. Wir haben fröhlich munter probiert, uns ausführlich beraten lassen und dann einiges an Senf gekauft. Und eine Thüringer Bratwurst mit Bauernsenf durfte dann zum guten Schluss nicht fehlen.
Nach dem ganzen Senf brauchten wir erst mal was Süßes. Also, ab in die nächste Eisdiele. Eiscafé Venezia. Dort haben wir uns dann lecker Eisbecher gegönnt. Schatzi hatte einen Citybecher und ich ein Lasagne-Eis. Und das waren bis jetzt die leckersten Eisbecher, die wir in Unna gegessen hatten.
Für heute hatten wir keine Lust mehr, deswegen sind wir zurück zum Hotel und machen uns jetzt einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher. Mystery-Serien gucken und Erdbeeren essen. Das muss jetzt auch mal sein.
Morgen geht es dann nach Lohne zum Klassentreffen. Na, da bin ich ja mal gespannt, wie das wird!