Freitag, 11. September 2009

Heute ging’s los mit dem Kongreß, was auch bedeutete, dass Schatzi und ich jetzt getrennt unterwegs sind. Während ich zum Henry-Ford-Bau der Freien Universität gefahren bin, machte sich Schatzi auf den Weg zum Museum für Kunstgewerbe. Davon erzählt sie dann gleich selbst.
Doch zunächst zum BDÜ-Kongreß.
Gegen elf kam ich zusammen mit vielen Kolleginnen und Kollegen an. Es waren auch bereits ziemlich viele da, aber chaotisch war es überhaupt nicht. Es gab an verschiedenen Stellen im Gebäude Kaffee, Tee, Wasser, Apfelsaft, Bananen, Äpfel, Plätzchen. Oh super! Ich darf mich heute von Plätzchen ernähren! Bananen und Äpfel vertrag‘ ich nämlich nicht. Doch dann, ca. 20 Minuten später, wurden Hunderte von belegten Brötchen herangeschoben. Puh, nochmal Glück gehabt.
Ich habe dann auch relativ schnell bekannte Kolleginnen aus der ganzen Bundesrepublik getroffen, die ich von anderen Veranstaltungen her kenne.

Alle Veranstaltungen werden übrigens simultan gedolmetscht, in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Nicht alle Vorträge sind auf Deutsch, einige sind auf Englisch und einige auf Französisch.
Die Eröffnungsveranstaltung begann um 12.30 Uhr mit einem kleinen Filmchen zur Einleitung und den Begrüßungen der diversen wichtigen Persönlichkeiten, die halt immer da so sind.
Dann kam die bekannteste Person, wegen der ich mir diese Eröffnung überhaupt angetan habe: Prof. Jutta Limbach, ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts. Und es hat sich wirklich gelohnt. Ihre Ansprache war toll. Es ging im Kern darum, dass sie schon dafür plädiert, die deutsche Sprache zu bewahren, aber dass dabei nicht ganz so verkniffen zu Werke gegangen werden sollte, sondern es mehr wie die Briten zu nehmen, mit Großmut und Humor. Sie wandte sich aber auch dagegen, dass in vielen deutschen Unternehmen und Universitäten Englisch zur Verkehrssprache wird. Das Tolle bei ihr ist, dass sie immer wieder kleine feministische Einwürfe und kleine Sticheleien gegen Männer einwirft. Klasse.
Sie erhielt sehr viel Applaus und auch Standing Ovations für die Rede.
Danach sprach noch Mario Ohoven vom Bundesverband der mittelständichen Wirtschaft. Es war die übliche Mittelstandslobhudelei und wie wichtig doch der Mittelstand ist, etc. pp.
Anschließend habe mir ich noch zwei anderthalbstündige Blöcke mit je drei Vorträgen zu einem Oberthema angetan. Da schreib ich jetzt nicht drüber. Die sind nicht so interessannt, wenn frau nicht gerade Übersetzerin oder Dolmetscherin ist.
Gegen 18 Uhr bin ich gegangen und habe mich mit Schatzi im Parkcafé getroffen. Von dort aus sind wir nach Kreuzberg gefahren und haben bei Curry 36 eine Currywurst gegegessen. Schatzi hatte den Laden heute mittag entdeckt und auch noch zwei Straßen weiter eine Eisdiele. Das Eis dort ist fast so lecker, wie das gestern war. Aber nur fast.
So, nu ist Schatzi dran.

Schatzi2:
Das Kunstgewerbemuseum befindet sich im Kulturzentrum gegenüber der Philharmonie Berlin am Tiergarten – zusammen mit der Kunstbibliothek und einigen anderen Kultureinrichtungen. In diesem 70-er Jahrebau sind sehr viele Exponate vom Mittelalter bis heute zu sehen: Glaswaren, Porzellan, Möbel, vielerlei Gebrauchsgegenstände, Wandteppiche, Lampen etc. Sehr interessant war auch der Dokumentarfilm über den Möbelbauer David Roentgen (Mitte bis Ende des 18. Jh.). Ein Hutter aus Sachsen, der unter dem Protktorat eines toleranten Landesfürsten ins kath. Neuwied kam und mit seinen genialen Möbeln berühmt wurde – hauptsächlich Schränke mit vielen Geheimfächern, deren Füße in den Korpus verschraubt wurden. So wurden Transportschäden vermieden. Die Füße wurden erst beim Kunden anmontiert.
Außerdem entwickelte er eine Mechanik, die es ermöglichte, zu erkennen, ob jemand an einem der Geheimfächer war. Wurde eine Schublade geöffnet, spielte eine Melodie. Je nachdem, an welcher Stelle die Melodie beim Öffnen war, erkannten die EigentümerInnen, ob jemand die Schublade unbefugt geöffnet hatte. Er verkaufte seine Möbel an alle Adelhöfe in Europa – besonders gerne an Katharina II. Sie bestellte viel und zahlte gut. Die heute noch existierenden Möbel haben keinen Holzwurmbefall und mussten auch nicht restauriert werden – ein Zeichen herausragender Qualität. Bei den Exponaten des 20. Jh. habe ich versucht, das Jahrzehnt zu raten und lag oft genug daneben. Möbel und Gebrauchsarikel, die aus den 80-ern zu stammen schienen, wurden zwischen 1949 und 1960 designed. Wirklich verblüffend. Am frühen Nachmittag fuhr ich zum Mehringdamm und stellte mich fast 20 Min. in die Schlange bei „Curry 36„, dem angeblich besten Currywurst-Imbiss in Berlin. Eigentlich mag ich keine Currywurst, aber ich habe sie für Schatzi getestet – nicht übel. Dann gab es noch eine kleine Eismanufaktur namens „Vanille und Marille“ (siehe Schatzis Beitrag). Auf der anderen Straßenseite waren mehrere schwule Cafes. In zwei dieser Läden haben mich die weiblichen Bedienungen geflissentlich übersehen und lieber die schwulen Stammgäste mit vielen Küsschen begrüßt und bedient, obwohl diese viel später kamen als ich. Ich ging und verzichtete. Ich war so sauer, dass ich auch nicht -wie geplant- ins Schwule Museum ganz in der Nähe ging. Stattdessen stöberte ich in den vielen kleinen Läden ringsum. Mit plattgelaufenen Füßen fuhr ich dann ins Parkcafe um auf mein Schätzlein zu warten und zu erfahren, wie’s ihr so ergangen war.