Herford und Münster – Eine kleine Städtetour in Westfalen – Tag 4

Wir haben heute nicht im Hotel gefrühstückt, sondern in der Bäckerei Pohlmeyer, die wir gestern bei unserem ersten Gang durch die Haupteinkaufsstraße am Prinzipalmarkt bereits entdeckt hatten.
Und wir hatten die richtige Wahl getroffen. Es war wirklich lecker.

Danach ging es zur Haltestelle des Stadtrundfahrtbusses, der auch in Münster ein Hop-on-hopp-off-Bus ist.
Die Rundfahrt war sehr unterhaltsam und interessant. Aber wie der Bus teils durch extrem enge Gassen gekurvt ist, war schon abenteuerlich.
Als nach ungefähr der Hälfte der Fahrt die Sonne herauskam, wurde es ganz schön warm im Bus. Deshalb beschlossen Schatzi und ich spontan, einen Zwischenstopp am Aasee einzulegen.
Im Café/Restaurant A2 haben wir uns tapfer nach draussen gesetzt und einen Tee bzw. Cappuccino getrunken.
Das berühmt-berüchtigte Schwanentretboot lag auch am Ufer, aber der dazugehörige Schwan hatte sich angesichts der Kälte bereits verzogen.

Schwanentretboot

Am Ufer des Sees liegen übrigens auch überdimensionale Billardkugeln, eine Skulptur von Claes Oldenburg, die 1977 installiert wurde.
(Bisher hat es noch niemand geschafft, die Kugeln in den Aasee zu rollen, auch wenn es immer wieder Studierende geben soll, die es versuchen. 🙂 )

Damals gab es eine Skulpturenausstellung in Münster parallel zur documenta in Kassel. Diese Schau kam so gut an, dass seitdem alle 10 Jahre eine Skulpturenschau mit Kunstwerken in der ganzen Stadt stattfindet.

Mit dem nächsten Bus haben wir dann die Rundfahrt fortgesetzt.
Bei den Erklärungen zu den Bauten der Stadt musste ich übrigens feststellen, dass es einen anderen Typen in der Geschichte gibt, der fast so schlimm wie Goethe ist und das ist der Architekt Schinkel; der war nämlich auch fast überall.
Am Domplatz sind wir ausgestiegen und zum LWL-Museum für Kunst und Kultur gegangen, dessen Erweiterungsbau aus den 70ern erneuert und erst im September 2014 wieder eröffnet wurde.
An der Fassade des Anbaus hängt ein Werk des kürzlich verstorbenen Künstlers Otto Piene, das in der Dunkelheit wunderschöne Lichtspiele zeigt.

otto-piene

Der Anbau an sich läuft an der Seite zum Dom hin spitz zu und ist im Foyerbereich erstmal sehr weitläufig und sehr weiß. Es wirkt zunächst schon sehr einschüchternd, aber auch nackt.
Wir hatten beschlossen, an der kostenlosen, sogenannten Überblicksführung teilzunehmen, waren dafür aber etwas zu früh da. So haben wir uns ein wenig im Museumsshop umgesehen und obwohl dort durchaus einige interesssante Bücher zu finden waren, haben wir dennoch der Versuchung widerstanden, noch mehr kaufen.

Was uns dann in den Räumlichkeiten des Museums erwartete, war wirklich beeindruckend.
Das Museum ist nach Jahrhunderten geordnet und die 52 Räume sind passend zu den Kunstwerken gestaltet. So befinden sich zum Beispiel Gemälde aus dem 16. Jahrhundert in Räumen mit farbig gestrichenen Wänden.

Gemaelde

Es gibt in Münster kaum Bilder und Skulpturen aus der Zeit von vor 1534. Damals regierten in der Stadt die sogenannten Wiedertäufer, die einen wahren Bildersturm verursachten und erst 1537 von der katholischen Kirche gestoppt wurden.
So sind die in der Nähe einer Kirche entdeckten älteren Statuen, die als verschollen galten, eine kleine Sensation für die Stadt und in einem Extraraum angeordnet.

Und besonders cool war ein Raum, in dem es um die Verhandlungen zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) ging. Dort stand ein riesiger Tisch, an dem BesucherInnen die Figur eines Verhandlungsteilnehmers übernehmen können, und durch einen Computer miteinander eine Art Tauschspiel spielen, um dadurch dem Friedensschluss letztendlich herbeizuführen. Da hat dann zum Beispiel ein spanischer Teilnehmer ein anderes Interesse als ein Händler aus den Niederlanden.
Leider ist das Foto des Tisches nicht so dolle geworden, deshalb kann ich es hier jetzt nicht zeigen.

Wir haben unter anderem Kunstwerke von Rosemarie Trockel, Paula Modersohn-Becker, Elisabet Ney und Ida Gerhardi entdeckt.

Ida-Gerhardi

Und das beeindruckendste Kunstwerk des Hauses war für uns eindeutig die Installation von Pipilotti Rist im Patio des Museums, also im Außenbereich vor dem Museum.
Dort läuft jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit ein Video mit dem Titel „Die Münsteranerin“.

Pippilotti-Rist

Das haben wir uns dann heute abend angeschaut, nachdem wir noch ein wenig durchs Museum und die Stadt geschlendert waren und im Lazzaretti, einem Italiener, zu Abend gegessen haben. Die Pizza, die Schatzi und ich uns geteilt haben und das Eis, das wir zum Nachtisch hatten, waren gut, aber nicht heraussragend. Wir hatten schon Besseres, aber wir hatten auch schon Schlechteres.

Morgen geht es dann ins Oldenburger Münsterland zum Geburtstag von Mama. Aber darüber werde ich nicht mehr schreiben.
Deshalb ist das jetzt der letzte schriftliche Eintrag. Ich werde nur noch ein paar Bilder einstellen.

Wo wir dann als nächstes hinfahren, wissen wir noch nicht. Wir lassen uns überraschen.
Bis dann.