Herford und Münster – Eine kleine Städtetour in Westfalen – Tag 2, Teil 1

Den heutigen Tag könnte frau wie folgt zusammenfassen:
Über’s Mittelalter geschlaubischlumpft, eine Schokoladenbruchbude halb leer gekauft und uns über ein weltberühmtes Museum geärgert.

Aber…. der Reihe nach.
Nach einem ganz guten Frühstück sind wir auf die „Einkaufsmeile“ von Herford getigert, um Schatzi eine neue Jacke zu kaufen. Es waren heute nämlich nur höchstens 11 Grad mit sehr steifer Brise. Und Schatzi hatte nur ein dünnes Fähnchen von Jacke dabei. Und -oh, Freude- es wurden gleich zwei Jacken, eine rote und eine lila. Beide stehen ihr ganz prima und halten meine Liebste schön warm.

Um 11 Uhr holte uns der Stadtführer im Hotel ab. In unserem Arrangement war ja auch eine Stadtführung enthalten. Und in Ermangelung anderer TouristInnen, bekamen wir eine exklusive Führung – nur wir zwei. Der Stadtführer war ein leidenschaftlicher Historiker mit Schwerpunkt Mittelalter, der sehr viel zu erzählen wusste: Über die Fürstäbtissinnen Herfords, über die Rolle von adeligen Frauen im Mittelalter, darüber warum das Mittelalter Mittelalter heißt, die verschiedenen Meinungen darüber wann es begann und endete, warum es aus dem Mittelalter vergleichsweise wenig Aufzeichnungen gibt und vieles mehr. Außerdem erzählte er begeistert über die baulichen Eigenarten der Kirchen, der Kirchenfenster und der Bedingungen unter denen gebaut wurde.

Also… um jetzt mal zu schlaubischlumpfen:
Zumindest den adeligen und bürgerlichen Frauen ging es im Mittelalter besser als in der Renaissance. Im Erbrecht waren sie fast gleich gestellt. Regenten legten allergrößten Wert darauf, eine sehr gut gebildete Ehefrau zu haben. Eine wenig gebildete Frau an der Seite eines regierenden Mannes war gänzlich undenkbar. Die Renaissance war für die Frauen ein Rückschritt.

Sogenannte Fern-Händler standen im Mittelalter stets mit einem Bein in der Hölle. Warum ? Weil sie durch den Handel mit fernen Ländern sehr hohe Gewinne erzielten und diese hohen Gewinne als nicht-Gott-gefällig verpönt waren. Die Fernhändler kauften sich also von der Bedrohung frei, wegen Gewinnmaximierung (wie man heute sagen würde) in die Hölle zu kommen. Ein sehr großer Anteil von Kapellen, Kirchen, Klöstern und andere sakrale Bauten entstand durch die verzweifelten Bemühungen von Fernhändlern, der Hölle zu entgehen.
Die Fugger in Augsburg sind hierfür ein Paradebeispiel.

Warum heißt das Mittelalter Mittelalter ?
Ein Typ namens Daniel propagierte in der Bibel das Ende der Menschheit nach dem Untergang der 4 Weltreiche:
Babylonier, Meder, Griechen und Römer.
Nach dem Untergang des römischen Reiches um 500 n.d.Z (der Antike) wartete man nun auf den Untergang der Menschheit. Viel Wissen ging verloren, wenig wurde aufgeschrieben – wozu auch, wenn’s bald keine Menschen mehr geben sollte. Irgendwann um 1500 dachte sich ein Typ, dass das mit dem Untergang vielleicht doch nichts mehr wird. Es entstand der Begriff der Renaissance. Nun gab es also die Antike und deren Reinkarnation, die Renaissance. Und was war dazwischen ?
Richtig – das MITTELalter.

Wir erfuhren auch viel über die Herforder Hexenverfolgungen. In der Nähe einer Brücke über das Flüsschen Aa hängt ein von einer Frau geschaffenes Kunstwerk zum Gedenken an die Opfer des Hexenwahns – eine feingliedrige Metall-Leiter, die aus dem Wasser kommt und ca. 3 Meter weiter oben im Nichts endet. Das Werk symbolisiert die Chancenlosigkeit der Frauen bei der sogenannten Wasserprobe.
Auf der anderen Seite der Brücke hängt ein weiteres von einem Mann geschaffenes Kunstwerk über dem Wasser – ein Mobilé aus Metall, Augen als Spione und eine Installation aus Krücken als Symbol für das Leiden.

Kunstwerk-Hexenverfolgung

Am Brückengeländer ist zudem eine Tafel mit Informationen zur Herforder Hexenverfolgung angebracht für die wohl lange gekämpft wurde.

Die Führung endete in einem besonderen Geschäft, „Weinrichs Bruchbude“. Die Firma Weinrich ist eine regionale Schokoladenmanufaktur in Familienbesitz, die am Gänsemarkt einen Laden betreibt in dem u.a. „Maschinenbruch“ verkauft wird. Es handelt sich um 1a-Schokolade, die im Herstellungsprozess zerbrochen ist.
Wir hatten im Hotel ein Täfelchen auf dem Kopfkissen liegen. Und sie war sehr lecker. Also kauften wir gleich kiloweise diverse Bruchschokoladenartikel und Tafeln und zahlten für ca. 7 kg beste Schokolade und Kouvertüre ganze EUR 27,00. Kaum zu glauben, nicht wahr ?

Teil 2 folgt.