Indian Summer 2010 – Bridgeport – Sandwich

Nach einer durchschwitzten Nacht – trotz Klimaanlage war mir doch einfach zu warm – und einem Frühstücksbüffet, das ganz okay war, sind wir heute morgen als Erstes zum Friseur gegangen. Natürlich in den, von Schatzi bereits erwähnten, Barber-Shop eine Straße weiter.
Wir hatten es beide vorm Urlaub nicht mehr geschafft, zum Friseur zu gehen und haben deshalb die Gelegenheit ergriffen, das jetzt nachzuholen.

Wir waren nicht die Ersten im Geschäft, auch wenn es erst zwanzig nach acht war. Eine junge Friseurin hat sich gleich unserer angenommen. Schatzis Frisur ist wieder schick – siehe Foto:

und ich habe jetzt einen totalen Lesbenhaarschnitt: kurz, kurz, kurz. Und teuer war es auch nicht: 30 Dollar haben wir zusammen bezahlt.

Das Wetter heute morgen war übrigens extrem besch…. eiden. Erst regnete es in Strömen und ziemlich stürmisch war es auch. Die letzten Überreste des tropischen Sturms, der mal Hurricane Nicole gewesen war, hatten Bridgeport erreicht. In der Wettervorhersage hatten sie das Wetter gestern abend schon angekündigt. Und schwül war, bzw. ist es. Extrem widerlich schwül.

Aber es half alles nix, wir mussten weiter. Heute wollten wir einen kleinen Abstecher nach Northampton, Massachussettes, machen, das als Lesbenhochburg der USA gilt: Lesbianville USA.

Northampton ist eine hübsche kleine Stadt mit sehr vielen alternativen Geschäften: Antiquariaten, Hippie-Klamotten, Tattoo-Shops, vielem gesunden Essen, Naturkosmetik, FairTrade-Klamotten, etc. pp.
Dort befindet sich übrigens eines der ältesten Frauen-Colleges der USA, Smith-College. Vielleicht hat das mit dazu beigetragen, dass da soviele Lesben sind. Genau haben wir es leider nicht erfahren, denn blöderweise haben wir keine einzige Lesbe getroffen. Also, die auch als Lesbe zu erkennen war.
Schatzi und ich sind die Straßen ein wenig auf und abgelaufen. Dankenswerterweise hatte uns die junge Dame am Empfang des Hotels einen riesengroßen Schirm geschenkt, so wurden wir nicht ganz so nass.
Auf der Main Street haben wir dann Ben & Bill’s Chocolate Emporium entdeckt. Dort saß eine Frau fast im Schaufenster und machte gerade Pralinen. Da mußten wir einfach rein! Und die Auswahl war riesig. Es fiel uns schwer, uns zu entscheiden. Schatzi hat dann einge Pralinen probiert und ich zwei Kugeln Eis: Moccha und Mulberry (letzteres schmeckt wie eine Mischung aus Himbeeren und Heidelbeeren). Einfach lecker! Wir mußten ganz schnell wieder rausgehen, sonst wäre es ziemlich teuer geworden! Wir haben dann noch ein Antiquariat mit Namen Raven Books entdeckt: die hatten eine riesige Auswahl von Büchern aus allen Bereichen. Und eine große Auswahl an feministischer und lesbisch-schwuler Sachbücher. Da habe ich doch gleich mal ein paar Bücher gekauft.

Als wir zurück zum Auto gingen, hatten wir uns leider einen Strafzettel eingefangen. Die Parkuhr war abgelaufen und jetzt waren 10 Dollar fällig. Weil wir nicht wollten, dass die Autovermietung meine Kreditkarte belastet, wollten wir den Strafzettel gleich bezahlen. Aber wo? Auf dem Zettel stand zum Glück eine Adresse. Das mußte beim Rathaus sein. Wir sind dort rumgekurvt und konnten einfach keinen Parkplatz finden. Schließlich ist Schatzi rausgesprungen und zum Rathaus gelaufen. Dort irrte sie ein wenig umher, weil sie ziemlich durch die Gegend geschickt wurde. (Dabei ist sie übrigens am Zimmer des Bürgermeisters/der Bürgermeisterin vorbeigekommen, dort stand die Tür auf und sie erzählte, dass ein ziemliches Papierchaos zu sehen war.) In dem Gebäude, wo sie den Strafzettel bezahlt hat, war übrigens schon alles für Halloween geschmückt. Dabei ist das doch erst am 31. Oktober!
Leider wurde sie bei der Rumrennerei patschnaß, denn sie hatte den Schirm nicht mitgenommen.

Danach sind wir weiter quer rüber nach Sandwich auf Cape Cod gefahren. Mitten durch die Wälder, die hier leider noch nicht sehr buntig sind. Dazu müssen wir noch weiter hoch. Die Fahrt dauerte ziemlich lange, da wir dieses Mal nicht auf einer Interstate fahren konnten, die ja mehr unseren Autobahnen entspricht, sondern auf einer Straße fuhren, die unseren Bundesstraßen entspricht. Was bedeutete: immer durch die Käffer, inklusive Geschwindigkeitsbegrenzungen und jede Menge Ampeln.
So kamen wir erst nach Einbruch der Dunkelheit hier in Sandwich an. Und das war ziemlich blöd: es gibt hier nämlich keine Straßenlampen, aber sehr viel Wald. Prompt haben wir uns verfahren und mussten zweimal bei sehr netten Ladies nach dem Weg zum Belfrey Inn and Bistro fragen. Das Belfrey besteht aus zwei Häusern: der Abby und der „The Painted Lady“. Unser Zimmer ist in der sehr farbenfrohen „Painted Lady“. Auf den Bildern an den Wänden sind fast nur Frauen zu sehen. Und abgefahrene Möbel, so wie dieser Tisch in unserm Zimmer, haben sie auch:

Und das fand sich auf dem Tisch als wir hier zu Abend gegessen haben:

und das an der Wand.

Schatzi hatte wunderbaren ClamChowder (einer Art Krabbencremesuppe) und Fisch and Chips. Ich hatte einen riesigen HotDog, bei dem die Wurst vom Kobe-Rind, dieser extrem teuren Rinderrasse aus Japan, war. War sehr lecker das Ganze.
So, und nun sind wir sehr müde und gehen deshalb jetzt ins Bett. Hoffentlich wird das Wetter morgen besser, denn wir wollen unbedingt nach Provincetown, einer weiteren Lesben-Hochburg.