Indian Summer 2010 – Edgecomb

Nach einer ruhigen Nacht in diesem Inn mit dem wunderbar rotlaubigen Baum davor

und einem einfachen, süßen Frühstück ging es heute zu einer Tour über die drei Peninsulas, die alle drei brav nebeneinander südlich von Edgecomb beginnen. Diese Peninsulas sind langgestreckte Halbinseln, die in den Gulf of Maine hineinragen (Wir haben heute nämlich auch erfahren, dass wir uns hier am Gulf of Maine befinden, eines Randmeeres des Atlantischen Ozeans). Zwischen diesen Halbinseln gibt es weder Brücken noch Fährverbindungen, was bedeutet: jede einzelne Halbinsel runterbrettern und wieder rauf.

Zunächst ging es runter nach Harpswell zum Land’s End.

Ups, da standen wir doch plötzlich am Ende der Straße und sahen nur noch Wasser vor uns.

Und was war genau links neben uns? Jawoll, ein Souvenirladen. Selbst am Ende der Welt verkaufen die Amis noch Andenken.
Ja, ja, wir sind da auch kurz rein, ich geb’s ja zu. Gucken kann Lesbe ja mal, oder??

Wie auf dem Foto zu sehen, war es heute wieder mal bedeckt, aber wenigstens regnete es grad mal nicht.
Diese erste Halbinsel war übrigens die unspektakulärste und irgendwie langweiligste von allen. Wirklich schöne Häuser oder Geschäfte gibt es dort nicht. Wir konnten uns aber gar nicht erklären, woran das liegt.
Na, egal. Wir sind dann wieder zurückgefahren und haben nochmal einen Zwischenstopp in Bath eingelegt, wo wir ja gestern schon gewesen waren.
Dort sollte es laut unseren Informationen ein sehr hübsches und gutes Café geben – Mae’s Café. Das haben wir auch gefunden und es sah auch sehr hübsch aus:

Das war’s dann aber auch. Wir hatten uns beide ein Stück Kuchen bestellt und auch noch ein Käse-Omelette vorweg zum Teilen. Und alles schmeckte einfach nichts, und das meine ich wörtlich: alles schmeckte nach nichts.
Unglaublich. So schlecht hatten wir schon lange nicht mehr gegessen.
Und dann war der Kuchen auch noch unverschämt teuer: 5,50 Dollar das Stück! Das sind ungefähr 4,10 Euro!
Erst wollte ich da ja noch ein T-Shirt kaufen, die sahen nämlich gut aus. Aber wer so schlechtes Essen anbietet, bekommt von mir kein Geld für ein T-Shirt.

Weiter ging’s auf der zweiten Halbinsel die Ocean Point Road hinab. Hier waren die Häuser hübscher und die Grundstückspreise höher. Bis hinab zur Küste standen überall Häuser. Dort unten gab es kein Ende der Straße. Die ging weiter in einem Halbkreis direkt am Wasser entlang. Und dort haben wir auch kurz geparkt. Wenn wir nicht aufgepasst hätten, wäre uns das Wasser durchaus in den Wagen geschwappt. Ich mache keine Witze. Als wir die Straße weiter entlang fuhren, kamen wir an einige Stellen, an denen das Wasser bis über die Straße hinaus gebrandet sein muss. Dort lagen Unmengen von Seealgen und Steinen auf der Straße. Es kann also nicht lange her gewesen sein, dass dort eine Welle über die Küste hinausgeschossen ist, obwohl es hier gar nicht so stürmisch war, wie an Land’s End.

Zurück ging es wieder durch extrem kurvige und hügelige Straßen nach Edgecomb. Da der Himmel sich leider wieder zugezogen hatte und es anfing zu regnen, beschlossen wir, einen kleinen Zwischenstopp bei einem Supermarkt einzulegen, uns etwas frisches Obst zu holen (ah, Äpfel, ah, Nektarinen!) und uns im Inn ein wenig hinzulegen. Wir waren ja schon wieder 5 Stunden unterwegs gewesen.

Als wir wieder aufbrachen, hatte der Regen zum Glück aufgehört.
Jetzt ging es die dritte Halbinsel hinunter nach Pemaquid Point.
Dort steht ein Leuchtturm, den wir jetzt endlich auch mal besichtigen konnten. Das Pemaquid Lighthouse ist übrigens auch nur e klaa Knoddel von Leuchtturm. Kaum größer als das Haus des Leuchtturmwärters daneben.
Und so sah es aus, als wir ankamen:

Keine Sonne, noch düsterer, als hier auf dem Bild zu erkennen und extrem stürmisch.
Auf diesen Leuchtturm mussten wir jetzt aber mal rauf. Ich habe meine Angst überwunden und bin tapfer hinter Schatzi die engen, sehr engen Stufen hinauf geklettert. Aber es hat sich gelohnt. Von dort oben hatten wir wirklich einen fantastischen Blick über’s Meer.

Wir haben uns auch noch das Museum im Wärterhaus angeschaut. Dort hing unter anderm ein 10 Kilo schwerer ausgestopfter Hummer, der Anfang der 70er in der Bucht gefangen worden war und ein Bild mit zwei Hummern drauf, die genauso groß waren, wie das ungefähr 8 Jahre alte Mädchen, das ebenfalls auf dem Bild war. Diese waren wohl 1907 gefangen worden und mussten ungefähr 120 Jahre alt gewesen sein.
Schatzi hat dann die beiden netten alten Männer im Museum auch noch ausführlich über den Hummerfang allgemein ausgefragt. Bin mal gespannt, ob sie je wieder Hummer isst. 🙂
Und dann rasten die Wolken nur so über uns hinweg und innerhalb kürzester Zeit (höchstens 5 Minuten) war der Himmel über uns völlig wolkenfrei und die Sonne strahlte vom Himmel:

Sieht das nicht toll aus? Im Hintergrund sind noch die davon rasenden Wolken zu sehen, aber der Leuchtturm steht schon im strahlenden Sonnenschein.
Ich konnte Schatzi nur mühsam von dort wegziehen. Sie hätte sich am liebsten gleich ein Haus direkt an der Küste gekauft und dann wären wir dort eingezogen. Aber wie das so ist, hatten wir dafür nicht genug Kleingeld in der Hosentasche. Ach ja…

Zurück ging es dann über eine Nebenstraße, wieder Hügel rauf und runter durch viele schon halbwegs bunte Wälder. Hoffentlich scheint morgen endlich den ganzen Tag die Sonne, es zog nämlich gegen Abend schon wieder zu.

Wir haben heute wieder im King Eider’s Pub gegessen und dabei miterlebt, wie die Vorbereitungen zum großen Pumpkinfest (Kürbisfest) am Wochenende im vollen Gange waren. Überall am Straßenrand wurden dicke, fette Kürbisse verteilt, die am letzten Sonntag am Wettwiegen teilgenommen hatten und die dann morgen von KünstlerInnen in Kunstwerke verwandelt werden. Der schwerste Kürbis wog übrigens über 600 Kilo (das ist neuer Rekord von Maine!).

Hier ein kleiner Vorgeschmack, entdeckt in einem Vorgarten:

Das soll Cinderellas (also Aschenputtels) Kutsche nach der Zurückverwandlung um Mitternacht sein. Ist das nicht hübsch?
Wir werden uns am Samstag auf alle Fälle die große Kürbisparade in Damirscotta anschauen.
Da sind wir schon sehr gespannt!