Indian Summer 2010 – New Haven – Washington, D.C.

Ohh, was für eine Nacht!

Wir sind gestern abend gegen 10 Uhr schlafen gegangen, da wir ja heute früh aufstehen wollten, um den letzten Teil der Reise nach Washington, D.C. anzutreten.
Eingeschlafen sind wir ganz wunderbar.
Keine zwei Stunden später brach plötzlich ein Höllenlärm aus.
Ein fürchterlicher, heulender Signalton ging los und eine automatisierte männliche Stimme plärrte ununterbrochen auf Englisch: „Achtung, ein Störfall wurde gemeldet. Bitte stellen Sie alle Tätigkeiten ein und verlassen Sie das Gebäude. Benutzen Sie nicht die Fahrstühle. Dies ist keine Übung.“ (so in etwa. Ganz genau wissen wir das nicht mehr)
Wir standen auf und sahen uns erstmal verwirrt um. Und jetzt?
Zu riechen war nichts. Zu sehen natürlich auch nicht. Ununterbrochen ging der Heulton weiter und plärrte die Ansage.
Wir haben uns schnell angezogen, die wichtigsten Unterlagen waren zum Glück im Rucksack. Haben die Koffer stehen gelassen und sind zum Treppenhaus gegangen.
Dort bewegte sich bereits eine lange Schlange von Menschen nach unten. Wir waren im 15. Stock von 19. Zügig, aber ohne Hast gingen wir nach unten.
Einige der Hotelgäste trugen nur Bademäntel, eine ältere Dame hatte Mühe, die Treppen hinunterzukommen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir endlich in der Lobby an.
Beim Runterlaufen haben wir immer wieder geschnüffelt, ob wir irgendwo Rauch riechen konnten.
Nichts.
Wir liefen alle nach draußen und sahen dort drei weiße Einsatzwagen der Feuerwehr von New Haven stehen.
Einer der Feuerwehrmänner unterhielt sich in aller Seelenruhe mit einem Hotelgast.
Wie jetzt, brennt es etwa nicht???
Und tatsächlich, das Ganze stellte sich als Fehlalarm heraus. Irgendein Idiot von Hotelgast hatte mal eben den Feuermelder im Hotel betätigt.
Was für ein Schwachkopf!
Verbreitet im ganzen Hotel Angst und Schrecken und findet das wahrscheinlich auch noch lustig!
Wir waren bedient. Da wollten wir eine ruhige Nacht verbringen, weil wir doch noch die weite Fahrt vor uns hatten und können einen Teil der Nacht, die dazu die teuerste der ganzen Reise war, in den Wind schießen.
Als wir nach ungefähr einer viertel Stunde wieder zurück aufs Zimmer gelassen wurden, haben wir bestimmt eine dreiviertel Stunde gebraucht, um uns wieder zu beruhigen.
Der Manager des Hotels hat uns aber als Entschädigung 50 % Nachlaß gegeben. Immerhin.

Heute morgen sind wir dann eine Stunde später aufgestanden, als wir ursprünglich wollten.
Frühstück gab es im 19. Stock und diesmal war es im Preis mit inbegriffen.
Es gab ein großzügiges Frühstücksbüffet, nur die Rühreier schmeckten nichts. Ich vermute, das war fertig geliefertes Flüssigei. Es hatte einen leichten Hauch von Pappe an sich.

Anschließend ging es auf die Interstate 95 Richtung Süden.
Die Autofahrer um New Haven herum halten übrigens noch weniger von Geschwindigkeitsbegrenzungen als der Ami an sich.
Auf dem Stück Interstate, das an dieser Stadt vorbeiführt, gibt es allerdings auch ein Speed Limit von 40 mph, sonst sind eher 55 oder 65 mph üblich. Und wer fährt schon gerne mit 65 km/h durch die Gegend statt mit 88 oder gar 104 km/h!
Das macht es natürlich schwierig, bzw. riskant für Diejenigen, die sich an die Begrenzung halten wollen.
Sie werden links und rechts von PKWs und LKWs überholt und erhöhen am besten selbst die Geschwindigkeit, um nicht gerammt zu werden. Immer in der Hoffnung, dass nicht plötzlich ein Polizeiauto hinter dem eigenen Fahrzeug auftaucht.

Die Straßen waren heute übringes extrem voll. Es schienen viel mehr Autos unterwegs zu sein, als vor zwei Wochen auf dem Hinweg.
Klar, heute ist Montag, da sind sowieso mehr Autos unterwegs als am Sonntag, aber auf dem Hinweg hatten wir auch einen Wochentag.
Dann fiel es uns ein: es ist Columbus-Day in den USA! (Ich sag Euch jetzt nicht, wer dieser Columbus war, das müsst Ihr schon selbst rausfinden :-))
Columbus-Day bedeutet, dass viele Amerikaner heute frei hatten. Also sagen wir mal so: alle Amerikaner, die nicht im Einzelhandel oder auf Baustellen arbeiten. Und die fahren halt an so einem freien Tag vorzugsweise auf den Interstates herum. Sei es, um Einkaufen zu fahren, oder Verwandte zu besuchen.
Das führte dazu, dass es immer wieder zu stockendem Verkehr kam.
Viele der Interstates in den USA kosten Mautgbühr (toll) und von den Gelegenheitsfahrern haben die wenigsten so eine Box, die automatisch die Durchfahrt der Mautstation registriert und das Geld abbucht (so ähnlich wie der Apparat für die LKWs in Deutschland). Sie müssen die Gebühren – zwischen 1,50 und 3 Dollar in bar bezahlen. Und das hält auf.
Wir hatten zum Glück für 12 Dollar so eine Mautbox bei der Autovermietung bekommen und konnten uns dann, wenn wir endlich an der Station angekommen waren, an den anderen Autos auf einer Extraspur vorbeischlängeln.

Die Fahrt durch New York verlief übrigens völlig undramatisch. Ich hatte das Gefühl, da war heute weniger los als auf dem Hinweg.

Wir haben natürlich regelmäßig Pausen eingelegt. Und zwar vorzugsweise an sogenannten Service Areas.
Diese entsprechen ungefähr den deutschen Autobahnraststätten, liegen also direkt an der Interstate.
Im Gegensatz dazu gibt es auch noch die Food, Gas oder Lodging Exits. Sprich, frau fährt von der Interstate an einer Ausfahrt runter und findet dann dort – oft nach einer längeren Sucherei – was zu essen, Benzin oder eine Übernachtungsmöglichkeit.
Die Anzahl der Service Areas hat seit unserem letzten Besuch enorm zugenommen. Heute gibt es sie nicht nur an der Mautstraße New Jersey Turnpike, sondern auch an anderen Abschnitten der Interstate 95.
So hat vor vier Monaten eine riesige Service Area in Delaware aufgemacht.
Dort gibt es Hunderte von Parkplätzen für LKWs und PKWs, eine große Tankstelle und ein Gebäude mit Fastfood-Restaurants, einem Starbucks, einem Willkommens-Center für den Bundesstaat Delaware, einen Souvenirladen und natürlich Toiletten.
Wir haben da eine Pause eingelegt und dabei auch die hier entdeckt:

Das sind die Cinnamon-Buns oder Zimtsschnecken, von denen ich gestern berichtet habe. Wir haben uns ein paar kleine knoddelige Minischnecken mitgenommen.

Gegen halb sechs sind wir dann hier in Washington angekommen.
Und, was soll ich Euch sagen: das Wetter ist hier genauso wie vor zwei Wochen. Mindestens 25 Grad und schwül.
Wir hatten schon auf der Fahrt mitgekriegt, wie es immer wärmer wurde, je weiter wir nach Süden kamen.
Aber 25 Grad? Mitte Okotber? Und morgen soll es noch wärmer werden!

Unser Zimmer hier im Omni Shoreham, wo wir ja vor zwei Wochen auch übernachtet haben, ist übrigens ein klein wenig größer als beim ersten Mal.
Schatzi tippt auf 28 Quadratmeter mit zwei großen Betten (wir brauchen doch nur eins!) plus Ankleidezimmer von ca. 10 Quadratmetern und einem begehbaren Kleiderraum (Closet) von ca. 8 Quadratmetern.
Echt verrückt. Wie sagt Schatzi? „Viel zu groß, braucht kein Mensch, aber toll zum Rumschlampen.“

Wir waren zum Abendessen im Open City Diner, wo wir ja vor zwei Wochen schon gefrühstückt hatten. Das werden wir morgen früh auch wieder machen, nachdem wir mal ausgeschlafen haben.
Da der Flug erst um 19 Uhr geht, werden wir noch mal rüber in den Stadtteil Georgetown fahren und uns dort noch ein wenig umschauen.

Den nächsten Eintrag gibt es daher frühestens am Mittwoch abend und dann wieder von zuhause.
Bis dann!