Indian Summer 2010 – Provincetown, MA

Wir erwachten zu einem wunderschönen sonnigen Morgen.
Schatzi hüpfte allerdings schon um 6 Uhr neben mir im Bett herum. Da war nix mit bis um halb acht schlafen! Sie ist halt im Urlaub immer viel zu aufgeregt, um lange im Bett zu liegen. Schließlich ist die aufgestanden und schon mal nach draußen gegangen. Kaffee gab es bereits um 7 Uhr, aber Frühstück erst um acht.
Das war übrigens etwas bescheiden. Wir konnten wählen zwischen Omlette mit Käse und Tomaten, dazu Toast, Konfitüre und Obst, und Waffeln mit Früchten und dazu Toast, Konfitüre und noch mehr Obst. Wir haben uns für’s Omlette entschieden.
Danach ging’s auf den langen Weg bis ans Ende des Cape Cod, nach Provincetown, der zweiten Lesbenhochburg.
Wir hatten dafür einen Nebenweg gewählt und sind dabei unter anderem durch den Ort Brewster gefahren, wo wir ein wirklich tolles Geschäft entdeckt haben, das eingerichtet war, wie vor hundert Jahren. Es gab dort alles: von der Slipeinlage über Puzzles und T-Shirts bis hin zu Büchern und Kaffee und Keksen.
Im ersten Stock waren viele alte Einrichtungsgegenstände zu finden, unter anderem auch jede Menge Plakate aus dem 2. Weltkrieg, die zur Unterstützung der amerikanischen Truppen aufriefen und ein Modell des Ladens:

Wir haben dort ein Buch über die segelnden Frauen von Cape Cod gekauft und sind dann weiter durch die wunderschöne Landschaft mit vielen Wäldern nach Provincetown gefahren.
Auf dem Weg dorthin haben wir noch an einem Leuchtturm gehalten, dem Highland Light von 1910, das im Jahre 1996 ca. 150 Meter weiter landeinwärts versetzt worden war, da 1991 nach verheerenden Hurricanes die Küste abgebrochen war und der Leuchtturm abzustürzen drohte.
Es war extrem windig dort und dennoch spielten auf dem umliegenden Golfplatz jede Menge Leute. Andauernd huschte eines von diesen Golfwägelchen vorbei.
Raufgestiegen sind wir nicht, mir war das zu steil. Ich habe leider so meine Probleme mit extrem steilen Treppen. Da traue ich mich kaum wieder runter.
So haben wir uns nur ein wenig den Ozean angeschaut, den atlantischen welchen.

Weiter ging es durch kiefernbewachsene Dünen endlich nach Provincetown, einem kleinen Städchen am äußersten Ende der Halbinsel Cape Cod.
Es waren an diesem sonnigen Vormittag einige Touristen unterwegs. Schatzi und ich hatten im Auto noch gesagt, wir wären mal gespannt, ob wir hier Lesben erkennen würden.
Kaum waren wir ausgestiegen, bat uns auch schon die erste Lesbe um Feuer für ihre Zigarette.
Schatzi hat sie gleich ausgefragt, wo denn die Lesbenorte sind und sie hat uns den Weg zu den Buchläden und Cafés gezeigt.
An der schmalen Hauptstraße des Ortes reiht sich Souvenirladen, an T-Shirt-Laden, an Café, an Restaurant, an Gallerie, an Souvenirladen. Und zwischendrin war immer wieder die Regenbogenfahne zu sehen.

Da ich schon wieder Hunger hatte, immerhin war es schon Mittag, sind wir dann erst mal was Essen gegangen.
Ein Stück von der Straße ab lag das „Box Lunch of Cape Cod“, einem Sandwichladen, das wohl einem Schwulen gehört. Dort gab es sogenannte „Rollwiches“: wir würden Wraps dazu sagen.
Schatzi hatte eins mit Thunfisch und ich eins mit Roastbeef. Sie waren sehr lecker, machten aber leider ein wenig Sauerei, da sie ausliefen.
Hier das Hinweisschild auf „Box Lunch“:

Danach ging es in den lesbisch-schwulen Buchladen „Now Voyager“, wo es allerdings auch andere Literatur gibt.
Dort habe ich dann erst mal drei Bücher gekauft. Ich wollte nicht gleich den ganzen Laden ausräumen.

Etwas weiter die Straße hoch entdeckten wir dann das „women’s crafts“.
Dieses Geschäft besteht seit 1976 und verkauft Schmuck, Kunsthandwerk, Bücher, CDs, DVDs und Souvenirs. Alles aus Frauenhand.
Ich habe mir da ein lila T-Shirt gekauft.

Beim Bezahlen kamen wir dann mit der Verkäuferin Karen ins Plaudern.
Wir unterhielten uns über die Vor- und Nachteile des lesbischen Lebens in Provincetown, Northampton und Deutschland, beklagten einmütig die Verdummung der Menschheit und den mangelnden Feminismus der Lesben überhaupt. Ach, wenn Lesben über 40 ins Jammern kommen – schlimm! 😉

Wir haben uns ziemlich lange mit ihr unterhalten und dabei nicht mitbekommen, wie sich draußen am Himmel einiges zusammenbraute: es fing heftig an zu regnen und zu stürmen. Den Schirm hatten wir natürlich im Auto liegen lassen und das stand einige hundert Meter weit weg.
Karen hat uns empfohlen, doch erst mal gegenüber im Internet-Café „Wired Puppy“ etwas zu trinken. Der Laden gehört einer Lesbe und wir sind natürlich dort rüber gerannt und haben Kaffee getrunken und Muffin und Cookie gegessen.

Der Regen ließ dann ein wenig nach und wir versuchten unser Glück, relativ trocken zum Auto zu rennen.
Leider ist uns das nicht ganz gelungen. Wir waren triefend nass, als wir endlich ankamen. Zum Glück hatte ich mein Hemd im Auto liegen gelassen, da es ja bei der Ankunft so warm und sonnig gewesen war. So konnte ich jetzt mein T-Shirt gegen das Hemd austauschen.
Hier noch zwei Häuser aus Provincetown, von denen ich leider nicht weiß, ob sie in Lesbenhand sind:

Da ist auch zu sehen, wie nass es mittlerweile geworden war.

Anschließend haben wir noch eine kleine Tour mit dem Auto durch die Stadt gemacht und uns dann auf den Weg zurück nach Sandwich begeben (knapp hundert Kilometer).
Der Regen wurde immer schlimmer. Auf den Straßen sammelte sich das Wasser und Fontänen spritzten hoch, wenn Autos hindurch fuhren. So krass und für eine so lange Zeit – mehr als 3 Stunden – hatten wir das noch nie erlebt.
Zwischendurch haben wir ab und zu angehalten, wenn es zu schlimm wurde.
Außerdem hatten wir noch einen Laden entdeckt, in dem T-Shirts und Sweatshirts im Ausverkauf waren. Da sind wir noch mal kurz rein und haben ein paar Sweatshirts für mich und die Kinder gekauft.

In Sandwich angekommen, war es Zeit für’s Abendessen. Auf der Karte von Sandwich, die wir in der Pension bekommen hatten, waren ein paar Restaurants aufgeführt. Wir entschieden uns für „Seafood Sam“ am Hafen.

Wow, was für ein riesiger Laden! Und es war Selbstbedienung. Frau geht an die Kasse, sucht sich aus, was sie essen möchte – Schatzi hatte frittierte Hummer und Krabben, ich gebackenen Schellfisch.
Wir bekamen einen roten Plastikhummer in die Hand gedrückt:

und schauten den jungen Mann an der Kasse erst mal ein wenig irritiert an. Er sagte uns, der Hummer würde uns melden, dass unser Essen fertig ist. Hä????
Na gut, wir den Hummer genommen und lachend zu einem freien Tisch.
Eine Frau lief an uns vorbei und meinte: „Oh, Sie werden es mitkriegen, wann das Essen fertig ist.“

Am Tisch haben wir den Hummer dann angestarrt und ich habe ihn gleich fotografiert.
Es dauerte wohl ungefähr 10 Minuten, als plötzlich der Hummer anfing, rot zu blinkern und zu brummen. Ah! So ist das gedacht! Cool!
Schatzi hat das Essen geholt, das übrigens auf Papptellern und mit Plastikgeschirr serviert wurde. Aber es war extremst lecker.

Danach ging es dann zurück zum Belfry Inne. Vor der Tür des Restaurants haben wir noch eine geraucht und uns dabei mit zwei Schwestern unterhalten, die auch gerade eine rauchten. (Ich meine Schwestern der Verwandschaft nach, nicht Lesben-Schwestern)
Eine von beiden war auch schon mal in Deutschland gewesen, wie übrigens fast alle Amerikaner, mit denen wir in den letzten Tagen gesprochen haben. Natürlich waren die immer alle in Bayern gewesen. Wir haben ihnen dann dringend ans Herz gelegt, auch mal nach Norddeutschland zu fahren.
Aber irgendwie bezweifle ich, dass die das machen. Die meisten Deutschen fahren ja auch nur nach Florida, Las Vegas oder New York und meinen dann, die USA zu kennen.
Na ja, vielleicht ändert dieser Blog ja ein wenig. Oder auch nicht.

Bis morgen dann.