Indian Summer 2010 – Sandwich – Marblehead

Ja, ja, wir leben noch.
Gestern brauchten wir einfach mal eine Auszeit vom Bloggen.
Die Fahrt von Sandwich auf Cape Cod nach Marblehead fing zunächst ganz wunderbar an.
Zuerst hatten wir überlegt, noch einen Abstecher nach Martha’s Vineyard zu machen. Das ist diese Insel, wo diese Reichen alle leben oder Sommerresidenzen haben. Von wegen die Kennedys und so.
Aber aus irgendeinem Grund wollten die uns in Hyanis nicht zum Anleger lassen. Jedenfalls war die Beschilderung so bescheiden, dass wir ihn zunächst nicht gefunden haben. Allerdings sahen wir dann, dass die Fähre gerade abgefahren war und bis zur nächsten um 11 Uhr hätte es noch anderthalb Stunden gedauert. Dann hätte die Fahrt mit der Fähre jeweils 45 Minuten gedauert, wir hätten mindestens mal ein oder zwei Stunden auf der Insel verbringen müssen und dann wäre es doch wieder recht spät geworden.

So entschieden wir, gemütlich nach Marblehead zu fahren. Ach ja, hier ein Foto von unserem Gefährt:

Die Farbe soll übrigens dunkelgrün sein.
Wie Ihr seht, hatten wir gestern strahlenden Sonnenschein. Der Dauerregen der letzten Tage hatte endlich aufgehört. Und es ist kühler geworden. Unsere Strickjacken kamen jetzt zum Einsatz.

Über die Route 3A ging die Fahrt weiter nach Norden. Erst immer in Richtung Boston und dann noch ein Stückchen weiter.
(Wir haben noch bei einem großen Klamottenmarkt, a la Woolworth angehalten und ein paar Hosen für günstig Geld gekauft.)

Die Route 3A ist ebenfalls so eine Art Bundesstraße und wir kamen durch einige kleine Orte durch. Da Samstag war, fanden sich häufig Schilder am Straßenrand mit dem Worten Yard Sale drauf. Das bedeutet, dass die Leute Hofflohmärkte veranstalten, auf denen sie ihre alten Sachen verkaufen. Und Schatzi liebt Yard Sales.
Also sind wir bei einem angehalten und haben das mal angeschaut.
Wir waren überrascht, wie alt die Sachen waren, die dort zum Verkauf standen. Einige der Teile waren wohl locker 70, 80, wenn nicht sogar hundert Jahre alt. Dabei war es ein relativ neues Haus, wo der Verkauf stattfand.
Wir haben erfahren, dass das Ehepaar alles verkaufen wollte, um nach Florida zu ziehen (oh, diese Klischees, ältere Amis ziehen nach Florida!), und dass der Ehemann wohl ein altes Haus renoviert hatte, aus dem die Sachen stammten. Guckt mal hier:

Das ist übrigens eine Kaffeemühle für etwas größere Tassen 🙂

Gekauft haben wir aber nichts. Wäre auch ein wenig sperrig im Flugzeug geworden.

Die nächste Stadt, die wir durchquerten, war Plymouth. Das ist der Ort, an dem die Pilgrims damals endgültig an Land gingen, nachdem ihnen Provincetown auf Cape Cod nicht so wohnlich erschien.
Plymouth ist schon ein hübsches kleines Städtchen, in dem es an diesem Samstag sogar einen Bauernmarkt – Farmer’s Market – gab.
So ein Farmer’s Market ist wohl eines der wenigen Dinge in den USA, die im Vergleich zu Deutschland doch ein wenig bescheiden ausfallen:

Ja, das war alles. Aber immerhin hatten sie alle schöne Decken auf ihre Tische gelegt, und begleitet wurde das Ganze mit Live-Musik eines Folksängers. Des habbe mer in Frankfurt net!

Und dann entdeckten wir einen wunderbaren Laden: All Things Tea.

Ein kleines Geschäft, in dem nicht nur Tee zu kaufen war sondern auch getrunken werden konnte. Und zwar so:

Jawohl, ja, klassisch English Tea Time. Und die Gurkensandwiches und Scones waren einfach lecker. Ganz zu schweigen von dem Tee. Ich hatte übrigens Tee, der aus England stammt. Es gibt wohl in der Gegend von Cornwall ein Gebiet, in dem Klimabedingungen herrschen, wie in Darjeeling in Indien. Und dort werden tatsächlich Teesträucher gezüchtet.
Tregothnan heißt der.
Im All Things Tea saßen übrigens fast nur Frauen. Unter anderem einige Ladies der Red Hat Society. Einer Organisation von Frauen über 50, die alles mögliche zusammen unternehmen. Erkennungszeichen unter anderem eine rote Kopfbedeckung.

Danach waren wir noch kurz in einem Antiquariat. Ich war auf der Suche nach einem Buch über die Frauen unter den Pilgern. Aber leider konnte die Verkäuferin uns keins zeigen. Dafür hat sie uns erzählt, dass gerade das hier geerntet wird:

Das, liebe Lesben, sind Cranberries. Also das rote da auf dem Wasser.
Auf Deutsch heißen die ganz banal Preiselbeeren.
Kurz hinter Plymouth entdeckten wir dieses Feld. Die Farmer waren gerade da und wir haben sie gleich ausgefragt.
Die Beeren wachsen auf Sträuchern und zur Ernte wird ein Teil der Felder unter Wasser gesetzt, so dass die Beeren sich von den Sträuchern lösen und auf der Wasseroberfläche treiben. Dann werden sie mit großen Maschinen eingesammelt. Diese Beeren werden für Preiselbeersaft und Preiselbeerkonfitüre verwendet.
Die Beeren, die wir neuerdings auch in Deutschland in zumeist getrockneter Form kaufen können, werden trocken abgeerntet.

Kurz vor Boston haben wir dann an einem Waschsalon angehalten und einem Teil unserer Wäsche noch eine kleine feuchte Schleuderfahrt gegönnt.
Wir hatten extra nicht Klamotten für zwei Wochen mitgenommen, sonst hätten wir noch mehr schleppen müssen, als sowieso schon.

Dann ging es durch Boston durch. Wir wunderten uns, warum an einem späten Samstag nachmittag soviel Verkehr auf den Straßen war. Später haben wir es erfahren: die Boston Red Socks spielten gestern im Baseball gegen die New York Yankees und da ist dann immer die Hölle los.

Kurz nach Boston suchten wir dann den Weg nach Marblehead. Und konnten ihn überhaupt nicht finden. Nirgendwo auch nur ein Fitzelchen von einem Hinweisschild. Dabei ist Marblehead durchaus touristisch sehr beliebt und auch eine bedeutende historische Hafenstadt. Immerhin war Marblehead eine der größten Städte der Kolonien vor dem Unabhängigkeitskrieg.
Na, genützt hat uns das in dem Moment auch nichts. Wir hatten uns hoffnungslos verfahren.

Und jeder, den wir fragten, wies uns einen anderen Weg.
In Lynn, zwei Orte weiter, hielten wir an einer Tankstelle an und fragten den Mann, der gerade mit seinem Auto neben uns stand, nach dem Weg. Er meinte nur, kein Wunder, dass wir uns verfahren hätten, es sei ziemlich kompliziert, nach Marblehead zu kommen. Das sei jetzt keine Schande. Viele von den Einheimischen hätten da auch Schwierigkeiten.
Er bot uns dann an, vor uns her zu fahren, um uns auf den richtigen Weg zu bringen. Das war wirklich sehr nett von ihm!

Endlich in Marblehead angekommen, checkten wir in das wunderschöne Harbor Light Inn ein. Ein knuddeliges Inn an einer der Hauptstraßen des Ortes und um die Ecke vom Ozean. Wir haben ein großes gemütliches Zimmer unterm Dach bekommen und sind dann erst mal am Wasser Essen gegangen. Es gab Maccaroni & Cheese mit Lobster für Schatzi und ein Steak für mich mit Blick auf den Ozean im The Landing.
Dann ging es zurück zum Inn und ab ins Bett.

Heute morgen gab es ein Frühstücksbuffet mit reichlicher Auswahl an Brot, Bagel, Obst, French Toast und Kartoffelquiche.
Wir sind dann noch ein wenig durch Marbelhead gelaufen und gefahren, haben uns den Ozean, den Strand und die hier angeschaut:

und verbringen noch weiter einen ruhigen Tag hier, bevor es morgen weitergeht nach Kennebunkport.

Nachtrag: nur rumhängen war jetzt auch nicht ganz in Schatzis Sinne. Wir sind am Nachmittag noch ein wenig durch Marblehead gefahren, haben im Kaffeehaus The Atomic Café lecker Kaffee und Cappuccino getrunken (wir sind übrigens sehr überrascht, dass es hier noch nicht in jedem Lokal Espresso, Cappuccino und Latte Macchiato gibt. In Deutschland bestehen viele ja sogar beim Chinesen darauf!), sind zum alten Friedhof der Stadt gefahren, der wunderschön auf einem Hügel liegt und der 1638 angelegt wurde. Der älteste Grabstein, den wir entdeckt haben, war von 1709. Auf vielen Steinen waren entweder Totenschädel oder Pokale abgebildet. Scheint damals so üblich gewesen zu sein. Viele der Frauen, die dort begraben wurden, sind wohl im Kindbett gestorben. Sie waren jung und oft steht auch dabei, dass gleichzeitig ein Kind der Familie „dieses Leben verlassen hat“.
Anschließend waren wir noch in einem Supermarkt. Darüber ein andern Mal mehr. Nach dem Abendessen im Maddie’s Sail-Off sind wir dann dem kühlen, aber sonnigen Wetter wieder entflohen und haben uns wieder ins Inn verzogen.
Nacht!