Karin Kallmaker – Es begann mit einem Kuss (The Kiss that Counted)

Seit mehr als 20 Jahren schreibt die amerikanische Autorin Karin Kallmaker lesbische Romanzen, aber auch Fantasy und Science-Fiction.
Hier in Deutschland ist sie vor allem als Königin der lesbischen Romanzen bekannt, dank der Veröffentlichung von mittlerweile fünf ihrer Romane beim Verlag Krug & Schadenberg.

Ich selbst habe den ersten Roman von Karin Kallmaker 1989/1990 in den USA gelesen, als ich dort als AuPair war.
Damals erschien Kallmakers erstes Buch „In Every Port“, eine klassische lesbische-Frau-trifft-Hetera,-verliebt-sich-in-sie,-die-will-zunächst-nicht-„so“-was-von-ihr-wissen,-dann-entscheidet-sich-Hetera-doch-für-Lesbe-und-beide-leben-glücklich-bis-an-ihre-Lebensende-Geschichte. Ich steckte damals mittem im Coming-out und habe das Buch verschlungen (sprich in einem Rutsch durchgelesen). Das Buch war/ist so richtig was für’s Herz. Für den einsamen Abend in der Badewanne, wenn lesbe mal wieder nicht weiß, wohin mit sich und ihren Gefühlen, weil da noch keine reale Frau ist, mit der sie das teilen kann.
Das soll jetzt nicht heißen, dass frau die Bücher nicht mehr lesen soll, wenn sie in einer Beziehung ist!
Ich habe im Laufe der Jahre einige von Karin Kallmakers Büchern gelesen. Manche gefielen mir gut (z.B. „Touchwood“ – bisher noch nicht auf Deutsch erschienen – bespreche ich vielleicht noch mal) und andere nicht so gut. Aber im Großen und Ganzen würde ich Kallmakers Romanzen als „sophisticated“ bezeichnen, das heißt, sie sind vom Schreibstil und Aufbau der Geschichte auf einem höheren Niveau als so manch andere lesbische Geschichten, die ich schon gelesen habe. Welche hat nicht schon ein Lesbenbuch angefangen, um es dann voller Grauen nach wenigen Seiten wieder aus der Hand zu legen, weil der Schreibstil so schlecht war?
So ist mir das bei Kallmaker bisher noch nicht gegangen. Mag eine von der Thematik halten, was sie will, schreiben kann sie gut!

Nun aber zum Buch „Es begann mit einem Kuss“.
Der Klappentext:
CJ ist cool. Erfolgreiche Immobilienmaklerin. Mit dunkler Vergangenheit und einem Faible für schöne Frauen. Doch bleibt es bei Affären. Verbindlichkeit ist ihre Sache nicht. Ihr Koffer ist stets gepackt.
Eines Tages gerät CJ in eine Polizeikontrolle. Nur knapp kann sie ihren Fluchtreflex bezwingen. Wegen eines Verkehrsvergehens muss sie Sozialstunden ableisten. In einem Frauenhaus. Dort begegnet sie Karita Hanssen, die sich ehrenamtlich engagiert. Karita verliebt sich in CJ, und CJ ist von der großherzigen nordischen Schönheit fasziniert. Doch kann CJ sich wirklich auf Karita einlassen? Wer ist CJ überhaupt? Wie lautet ihr richtiger Name? Und wovor ist sie stets auf der Flucht? Wird sie sich den dunklen Schatten ihrer Vergangenheit stellen und ihrer Liebe zu Karita eine Chance geben?

Das Interessante bei Kallmakers Romanen sind nicht unbedingt die eigentlichen Liebesgeschichten, die ja in der Regel sehr durchschaubar sind, und bei denen die Leserin recht bald weiß, dass es ein Happy-End geben wird. Ich lese Kallmaker auch, weil ihre Figuren aus den unterschiedlichsten Branchen kommen, in verschiedenen amerikanischen Städten leben (hier Immobilienbranche und Denver, Colorado), und in diesem Buch sind es auch die Biographien der Frauen, die etwas ungewöhnlicher sind. Hier CJ, mit einer dunklen Familienvergangenheit, dort Karita, die Waise, die bei ihrer Großmutter aufgewachsen ist. Natürlich ist Karitas Vorstellung, dass sie eine Elfe ist, ein wenig kitschig, aber irgendwie passt es zu ihr.
Auch sind die Schilderungen des Alltags im Frauenhaus recht interessant zu lesen.
„Es begann mit einem Kuss“ ist ein nettes, unterhaltsames Buch, das sich leicht „weg liest“. Aber es gehört nicht zu den besten von Kallmakers Büchern.
Es gibt auch ein paar kleinere Mängel in der Übersetzung, die diesmal nicht von Andrea Krug vorgenommen wurde (Übersetzerin: Gitta Büchner), aber da sehe ich jetzt mal drüber hinweg, ich habe schon viel schlimmere Übersetzungen in den Fingern gehabt!

Links: Krug & Schadenberg
Karin Kallmakers Homepage