Eine kleine Kunstreise nach Chemnitz

Schatzi und ich sind ja schon manchmal ein wenig verrückt.
Da fahren wir einfach mal so an einem Samstagmorgen nach Chemnitz und am Sonntagnachmittag wieder zurück.
Und das alles nur, um ein paar Bilder anzuschauen.
Na ja, nicht irgendwelche Bilder.
Sondern die von Rosa Loy und Neo Rauch.
Die hatten nämlich in Chemnitz ihre erste Doppelausstellung in Deutschland.
Letztes Jahr gab es bereits eine in Österreich. Da sind wir aber nicht hingefahren.

Wir also ins Reisebüro und über Ameropa für das erste Februar-Wochenende eine Bahnreise und Hotelübernachtung gebucht.
Da gibt es zwar nicht die außergewöhnlicheren Hotels, die wir sonst so gerne nehmen, im Angebot, aber für eine Nacht war uns das jetzt nicht so wichtig.

Chemnitz ist leider bahntechnisch nicht ganz so günstig zu erreichen.
Es ging morgens früh los mit dem ICE nach Leipzig, was auch schon vier Stunden dauert und dann von dort weiter mit der Regionalbahn nach Chemnitz.
Das zieht sich dann auch noch ein wenig, aber endlich waren wir da.

Am Chemnitzer Hauptbahnhof empfing uns dann eine Hundertschaft der Polizei.
Nein, die waren nicht wegen uns da. 😀
Es war Mittagszeit und gegen 14 Uhr begann das Dritt-Liga-Fußballspiel Chemnitzer FC gegen Hansa Rostock. Und die Rostocker Fans sind ja leider nicht für ihre Lieblichkeit bekannt.
Wir wurden natürlich ungehindert durchgelassen. Die Fans von Rostock jedoch, die mit uns im Zug waren, mussten auf dem Bahnsteig warten.
(Der Chemnitzer Bahnhof scheint übrigens gerade renoviert worden zu sein. Und ich glaube, er ist ein wenig überdimensioniert. Aber das ist ein Thema, das woanders hingehört.)

Chemnitz, die selbsternannte Stadt der Moderne, empfing uns dann mit Kälte und Schneeregen.

Vom Bahnhof ging es dann zwei Stationen mit der Straßenbahn zum Hotel Mercure. Einem 26stöckigen Gebäude, zu DDR-Zeiten das Interhotel der Stadt.
Gegenüber dem Hotel auf der anderen Straßenseite steht der berühmt-berüchtigte, 7,10 Meter hohe Bronzekopf von Karl Marx. Schwer beeindruckend, im wahrsten Sinne des Wortes! Ist angeblich die zweitgrößte Portraitbüste der Welt (nur die von Lenin in Ulan-Ude ist laut Wikipedia noch größer). Am besten finde ich jedoch den Spitznamen für das Ding: Nischel. Könnte Hessisch sein. :DD

Das Hotel selbst ist ganz okay. Keine Schönheit, das Zimmer war etwas eng, aber dafür hatten wir im 17. Stock eine hübsche Aussicht über einen Teil der Stadt, wenn auch nicht über den schönsten.

Wir sind allerdings nicht sofort in die Ausstellung in die Kunstsammlungen Chemnitz gerannt. Schatzi hatte auf der Homepage gelesen, dass es Sonntagsmittags um 12 Uhr eine Führung geben würde und an der wollten wir teilnehmen.
Stattdessen sind wir ein wenig durch die Gegend gelaufen, unter anderem auf der Suche nach dem Schloßteich, den wir auch gefunden haben. Aber spektakulär war es da jetzt nicht.

Schlosspark

Deshalb sind wir dann wieder zurück, am Hotel vorbei und in die Fußgängerzone. Wir wollten erst mal einen Kaffee trinken und haben uns dann ins erstbeste Café begeben, dem Café Michaelis.
Da waren wir schon schwer beeindruckt. Ein ziemlich prächtiger Laden mit einer riesigen Kuchenauswahl und Klaviermusik.
Da mussten wir natürlich auch was essen.
Wir haben probiert:
Sächsisches Kartoffelsüppchen mit gebratenen Knackwurstscheiben – gut
Schwarzbrot mit Schinkenwürfeln und Spiegelei – gut
Stachelbeer-Baiser-Torte – nich so doll
Eierlikörtorte – ging so
Eis aus eigener Herstellung: Bacio, Erdnuss-Karamell, Haselnuss und Mozarteis – ziemlichst lecker!

Während wir im Café saßen schneite es übrigens immer wieder mal heftig. Aber der Schnee blieb nicht liegen. Und als wir gingen, hörte es auch schon wieder auf mit dem Schnee.
Da hatten wir an beiden Tagen immer relativ viel Glück.

Weiter ging es durch die Fußgängerzone, in der sich, wie in so vielen Städten in Deutschland, ein bekanntes Geschäft an das andere reiht.
So was richtig Ausgefallenes haben wir auf den schnellen Blick nicht gesehen. Die Schätze verstecken sich wahrscheinlich wieder in den weniger bekannten Straßen der Stadt. Das ist ja meistens so.

Stattdessen sind wir dann zur Touristeninformation gegangen, um zu sehen, ob abends irgendetwas Interessantes auf einer der Bühnen der Stadt laufen würde. Aber irgendwie war da nichts Spannendes dabei. Es ist wie so oft: die interessanten Sachen laufen dann, wenn Du gerade nicht da bist. Meh.

Bei manchen unserer Städtereisen machen wir es ja so, dass wir uns einfach in eine Straßenbahn oder einen Bus setzen und einfach mal irgendwo hin fahren.
Schatzi hat also die netten Damen der Touristinfo gefragt, welche der Straßenbahnlinien denn die schönste Strecke langfahren würde.
Das sei die Linie 522 nach Stollberg im Erzgebirge. Auf der Strecke läge das Wasserschloß Klaffenbach und das sei sehr schön.
Wir also raus zur Haltestelle. Leider kam die nächste Bahn erst in 40 Minuten und es wurde langsam dunkel.
Wir sind dann trotzdem eingestiegen, aber nicht am Wasserschloß raus, sondern weitergefahren bis zur Endhaltestelle Stollberg.
Da gab es unmittelbar leider auch nicht viel zu sehen, aber die Stadt machte einen netten Eindruck. Im Sommer ist es da bestimmt sehr schön.

Also zurück in die Bahn und wieder nach Chemnitz.
Dann haben wir etwas ganz Verwegenes getan: wir sind in den Kaufhof gegangen. Hehe.
Schnell stellten wir fest, dass die ein ganz anderes Sortiment haben als der Kaufhof in Frankfurt. Und viel übersichtlicher war der Laden auch. Frau steht auf der Etage und kann mit einem Blick erkennen, was sich wo befindet. Kaum etwas versperrt den Blick. Toll.
Wir sind dann durch mehrere Stockwerke gelaufen, haben hier geschaut und da. Gekauft haben wir ein rotes Spannbetttuch (Yeah!) und zwei Taschen. Ja, ich weiß, sehr aufregend. :zz:

Danach ging es zurück zum Hotel und hinauf in den 26. Stock zum Restaurant.
Dort gab es dann Braumeisterschnitzel = Cordon Bleu, mit Kroketten und Karotten in Mangold für mich und für Schatzi mit Kroketten und Rosenkohl. Das Essen war ganz gut und der Kaffee bzw. Cappuccino auch.
Anschließend ab ins Bett.

Das Frühstück am nächsten Morgen wurde ebenfalls im 26. Stock serviert.
Das Buffet war auch sehr reichhaltig. Aber leider waren die Sachen nicht mehr sehr frisch. Der Käse war bereits angetrocknet und das Rührei war kalt. Das war jetzt nicht so schön. Die sollten schon drauf achten, dass um halb zehn das Essen noch nicht so aussieht. Schade, schade.

Dann ging es aber endlich in die Ausstellung.
Den Koffer hatten wir schon mal zum Bahnhof gebracht und in ein Schließfach gestellt, denn der Theaterplatz mit dem König-Albert-Museum war in Laufnähe zum Bahnhof.
Um Punkt 11 Uhr waren wir da. Und völlig platt. Da stand nämlich schon eine ziemlich lange Schlange an der Kasse. Damit hatten wir um die Uhrzeit ja gar nicht gerechnet!
Wir kriegten dann zum Glück aber noch Karten, in denen eine Führung um 12.30 Uhr enthalten war.

Bis dahin haben wir uns dann die Romantik-Ausstellung in den anderen Räumen des Hauses angeschaut. Da hingen ja auch ein paar nette Bilder rum. Unter anderem von Clara von Sievers, geb. Krüger (1854 – 1924), zu der es im Internet nicht viel zu finden gibt und Luise Seidler, die zumindest einen Wikipedia-Eintrag hat.

Nun aber los!
Hinein in die Räume und gleich zu Rosa Loy. Ihre Ausstellung trug den Titel Gravitation.
Einige der Bilder kannten wir bereits aus Augsburg oder Gießen, andere allerdings noch nicht. Es waren auch keine aktuellen Bilder von ihr. Die Neuesten waren von 2009. Aber das macht ja nichts.
Allerdings haben Schatzi und ich uns relativ schnell von der Führung abgesetzt. Was die junge Dame da teilweise zu den Bildern erzählt hat, hat uns überhaupt nicht gefallen.
Wir sind dann beide überein gekommen, dass Rosa Loys Bilder so vieldeutig und vielschichtig ist, dass es schwierig ist, an einer Führung teilzunehmen, weil jede etwas anderes in ihren Bildern sieht, die Bilder auf kaum jemanden gleich wirken.
Und das, finde ich, ist es auch, was ihre Bilder ausmacht. Immer wieder gibt es was Neues zu entdecken.

Neo Rauchs Bilder haben wir natürlich auch angeschaut. Dieser Teil war überschrieben mit dem Titel Abwägung.
Die Bilder hingen nicht zusammen mit denen von Rosa Loy, sondern in eigenen Räumen. Fand ich gut. Rauchs Bilder waren neuer. Eines davon war sogar eine Auftragsarbeit für Chemnitz.
Eine gewisse Ähnlichkeit ist natürlich vorhanden bei den Beiden. Aber im Detail sind doch große Unterschiede zu erkennen.

Im Museumsshop haben wir dann noch den Ausstellungskatalog (besser gesagt: das Ausstellungsbuch) gekauft und vier Plakate: zweimal Loy, zweimal Rauch. Mit unserer Beute unter dem Arm ging es dann zum Bahnhof.

Von Chemnitz ging es mit der Regionalbahn nach Nürnberg und von dort mit dem ICE nach Frankfurt. Die Regionalbahn hatte leichte Verspätung und wir hatten schon befürchtet, den Anschluss zu verpassen. Aber wir hatten Glück, auch der ICE war leicht verspätet.
So kamen wir dann müde, aber glücklich, spätabends in Frankfurt wieder an und fanden beide, dass sich der kleine Ausflug gelohnt hatte.