Kunstausstellung: Esprit Montmatre – Die Boheme in Paris um 1900 in der Kunsthalle SCHIRN, Frankfurt

Diese vielschichtige Ausstellung zeigt nicht nur über 200 Werke von Montmatre-KünstlerInnen um 1900 sondern auch die sehr interessante Geschichte des gleichnamigen Pariser Stadtteils in dieser Zeit anhand von zahlreichen Fotos – u.a. vom Bau des Sacre Coeur, des Moulin Rouge als sie noch eine Mühle war. Kaum zu glauben, dass dieses schäbige, ländliche Dörfchen heute ein beliebter Teil der Weltstadt Paris ist.

Zu den bekanntesten gezeigten Künstlern zählen van Gogh, Picasso und Toulouse-Lautrec, die sich – mit vielen anderen Kunstschaffenden – oft in jungem Lebensalter und eher weniger als mehr erfolgreich auf dem Montmatre „verdingt“ haben. Sie waren fasziniert von dieser Mischung aus bitterer Armut, Trinkgelagen, Vergnügungssucht, Bordellen, Straßen- und Zirkuskunst. Interessant ist insbesondere auch der Vergleich verschiedener KünstlerInnen, die ähnliche Motive sehr unterschiedlich auf Leinwand oder Papier gebracht haben sowie die zunehmende Bedeutung von Plakatdruck im beginnenden 20. Jh. Auch die berühmten Plakate von Toulouse Lautrec sind zu sehen – allerdings viel blasser und weniger „strahlkräftig“ als ich sie mir vorgestellt hatte.
Glücklicherweise haben Frauen wohl zu (fast) allen Zeiten (fast) überall mitgemischt, so dass auch in dieser Ausstellung Werke zwei er Künstlerinnen zu sehen sind: Suzanne Valadon und Marie Laurencin.

Suzanne Valadon(1865-1938)

Sie kam aus sehr ärmlichen Verhältnissen mit ihrer Mutter zum Montmatre und verdiente als junge Frau etwas Geld als Mal-Modell – wie viele junge Frauen (mehr oder weniger freiwillig). Zirkuskünstlerin zu werden, war ihr Traum, der jedoch durch einen Sturz vom Trapez ein jähes Ende fand. Sie wurde die Geliebte verschiedener Maler und schaute sich wohl viel ab. Ohne jemals Unterricht erhalten zu haben, begann sie autodidaktisch zu malen. Entgegen der Konventionen der damaligen Zeit malte sie sogar Frauen- und Männer-Akte –sehr ungewöhnlich – sogar in Paris. Im Jahr 1894 hatte sie ihre erste Ausstellung. Sie scheint ein Freigeist gewesen zu sein, ließ nicht von Männern über sich bestimmen, heiratete später einen wohlhabenden Bankier, den sie wiederum für einen Maler verließ, der halb so alt war wie sie. Suzanne Valadon starb malend an einem Schlaganfall.
Es gibt mehrere Biographien von ihr. Hier die Links zu zweien:

Suzanne Valadon
Schreckliche Maria

Und hier eine Auswahl ihrer Bilder zur Ansicht:

Marie Laurencin (1883-1956)

Anders als Suzanne Valadon war Marie Laurencin bereits eine ausgebildete Porzellanmalerin bevor sie mit Kunstmalen begann. Sie bevorzugte lyrische Motive – oft in Wasser- oder Pastellfarben. 1908 stellte sie erstmals aus. Nachdem die Schriftstellerin Gertude Stein ein Bild von ihr gekauft hatte, gehörte sie zur Avantgarde ihrer Zeit. Später verlagerte sie ihren Schwerpunkt auf Bühnenbilder und Buchillustrationen.

Leider scheint es keine verfügbare Biographie von ihr zu geben.

Hier eine Auswahl ihrer Bilder zur Ansicht:

Die Ausstellung in der SCHIRN ist noch bis 01.06.2014 zu sehen und durchaus empfehlenswert.