Leipzig, März 2014 – Tag 3

Heute soll ja angeblich für eine Weile der letzte sonnige, wärmere Tag sein. Das müssen wir natürlich ausnutzen. Deshalb gibt es eine Stadtrundfahrt mit den Hop-on-Hop-off-Bussen.
Nach dem Frühstück also ab zum Hauptbahnhof, Tickets gekauft und hinein in den Bus.
Zunächst ging es am Augustusplatz am Goldenen Ei vorbei, das in Wirklichkeit die sogenannte Demokratieglocke ist, die an die Montagsdemos vom 9. Oktober 1989 zur friedlichen Revolution erinnern soll.
Das muss frau aber auch explizit gesagt werden! Wieso ist es eigentlich so schwer, ein selbsterklärendes Mahnmal zu entwerfen???

Na gut, nicht aufregen, weiter geht’s. Vorbei an der Runden Ecke, dem ehemaligen Stasihauptsitz in der Stadt, das heute ein Museum ist, Richtung Leipziger Zoo, wo die Wärter extra für uns einen Elefanten in die Außenanlage geschickt haben (mehr zum Zoo morgen).
Vorbei ging es an Gründerzeithäusern und -villen im Stadteil Gohlis (wem zu wohl is, der zieht nach Gohlis), von denen viele noch erhalten sind, da Leipzig im 2. Weltkrieg nicht so stark bombardiert wurde, denn es gab keine kriegswichtige Industrie in der Stadt. Und auch die SED hat dann doch die Finger davon gelassen, diese Häuser abzureißen und durch Plattenbauten zu ersetzen. Was ein Glück!

Die Stadtführerin erklärt und schildert unterhaltsam, hin und wieder gewürzt mit sächsischen Anekdoten und Sprüchen. So zum Beispiel passend zum Halt am Panometer (einem Kunstwort aus Panorama und Gasometer)in dem zurzeit das Völkerschlacht-Panorama (Achtung, sehr bildlastig!) zu sehen ist; die sächsischen Soldaten sollen damals, wie auch schon in früheren Kriegen, gesagt haben: Ohne Gaffee gönn mer nich gämpfn! Heutzutage trinken die Sachsen anscheinend aber nicht mehr ganz soviel Kaffee.

Das hier ist das Panometer:
Panometer

und das hier eine Häuserwand in der Nähe der Bushaltestelle (gegenüber vom MDR):

Goldfische

Wir sind dort ausgestiegen und haben uns das Panorama angeschaut, welches schon sehr beeindruckend gestaltet ist. Das Panoramabild selbst füllt nicht den gesamten Gasometer aus, drumherum sind auf verschiedenen Tafeln zeitgeschichtliche Zusammenhänge dargestellt und es gibt ein Video zum „making of“ des Panoramabildes.
Nach einer kleinen Kaffeepause sind wir wieder zur Haltestelle des Rundfahrtbusses gelaufen und haben die Rundfahrt fortgesetzt. Unterwegs haben wir dann erfahren, dass die großen Leuchtreklamen aus der DDR-Zeit, die auf vielen Häusern angebracht sind, mittlerweile unter Denkmalschutz stehen.

Zurück am Hauptbahnhof sind wir wieder getrennt losgelaufen. Schatzi und ich wollten noch ein wenig einkaufen.
Erst sind wir aber mal bei Handbrotzeit eingekehrt und haben ein lecker Handbrot mit Käse, Lachs und Honig-Senf-Creme gegessen.

Im Allerlei, in dem es Produkte aus der ehemaligen DDR gibt, habe ich Knusperflakes gekauft, bestehend aus Vollmilchschokolade mit Roggenknäckebrot. Wilde Kombination, nicht wahr? Aber schmeckt wohl. Außerdem gibt es dort Putzsachen, Dosen, Teigrollen, Schreibpapier, Süßigkeiten und allerlei anderen Schnickschnack.

Und dann haben wir eine gute Tat vollbracht: wir haben einen armen kleinen, quietschgelben Koffer, der nur, weil er gelb ist, schon zweimal im Preis reduziert wurde und ihn trotzdem keiner haben wollte, und das nur weil er gelb ist, zu uns genommen. War das nicht lieb???? Das will ich aber wohl meinen!!!!

Schatzi hat auch noch endlich eine neue Handtasche gefunden und ein paar Bücher habe ich tatsächlich ebenfalls wieder aufgetan. Ich weiß auch nicht, wo die immer alle herkommen. 😳

So, und nach einem Kaffee-Stopp im Café Kandler haben wir uns dann ein wenig Kultur angetan.
Wir haben uns wieder mit den Billard-Ladies getroffen und uns schön brav an der Thomaskirche in die Schlange gestellt, um den sogenannten Motetten des berühmten Thomanerchores zu lauschen.
Die Kirche war brechend voll. Ich kann mir vorstellen, dass die Kirchen einiges darum geben würden, wenn das auch ohne Thomanerchor so wäre.
Die Thomaskirche hat übrigens seit dem 1. Februar 2014 zum ersten Mal in ihrer 800jährigen Geschichte eine Frau als 1. Pfarrerin, Britta Taddiken, die auch eine kleine Predigt heute abend gehalten hat (es ging um aktuelle Steuerhinterzieher und die Verdrehung der Realität zu eigenen Gunsten.)

Leider musste ich die Veranstaltung kurz vor Schluss fluchtartig verlassen, weil ich – natürlich mal wieder an der ruhigsten Stelle – einen fürchterlichen Hustenanfall gekriegt habe. Die anderen Drei haben aber das Konzert zu Ende genossen. Haben aber fein gesungen, die Bubis.:D

Anschließend haben wir im Thüringer Hof lecker zu Abend gegessen (Sauerbraten mit Klößen, Boeuf Stroganoff, Tafelspitz mit Klößen und Bratkartoffeln) und haben uns dann ein Taxi zum Hotel geleistet, obwohl das nicht sehr weit weg war. Wir waren aber total fußlahm und die Taxifahrer verziehen hier auch bei diesen kurzen Strecken keine Miene. Super.

Morgen geht es endlich in den Zoo, den wir vor zwei Jahren nicht mehr geschafft hatten. Ich bin schon sehr gespannt!