Leipziger Buchmesse 2018 – Teil 1

Mitte März bedeutet Leipziger Buchmesse.
Leipziger Buchmesse bedeutet morgens etwas früher aufstehen, mit dem Zug nach Leipzig fahren, ab zum Messegelände und hinein ins Bücherangebot.
Und auf keinen Fall das Übersetzerzentrum vergessen, dass auch in diesem Jahr wieder ein sehr abwechslungsreiches, unterhaltsames und zum Nachdenken anregendes Programm bot.

Wie zum Beispiel am Donnerstag die Podiumsdiskussion Das übersetzt man nicht ungestraft – Was Texte beim „ungeschützten Verkehr“ mit ihren ÜbersetzerInnen machen.

Das Zitat von Svetlana Geier bildete den Rahmen für die Diskussion der Übersetzerinnen und Übersetzer der Bücher Tiere Essen von Jonathan Safran Foer, übersetzt von Brigitte Jakobeit, Isabel Bogdan und Ingo Herzke, Keimruhe von Jean-Loup Trassard, übersetzt von Nicola Denis und Aufzeichnungen eines Blockademenschen von Lidia Ginsburg, übersetzt von Christiane Körner über die Auswirkungen des Übersetzens auf sie selbst.

Was macht es mit einer Übersetzerin, einem Übersetzer, wenn in dem Buch Tiere Essen über die Massentierhaltung in den USA berichtet und die Umstände und Auswirkungen ausführlich geschildert werden? Wie schaffe ich es, die professionelle Distanz zu wahren, wenn im Buch Aufzeichnungen eines Blockademenschen beschrieben wird, wie Menschen verhungern und Angehörige in ihrer Verzweiflung den Tod regelrecht herbeisehnen?

Werden wir, die wir noch tiefer in die Texte eintauchen, stärker von den Inhalten eines Buches beeinflusst als Leserinnen und Leser?

Ansatzweise wurden diese Fragen bei der Veranstaltung im Übersetzerzentrum auch diskutiert. Aber leider nur ansatzweise. Für eine ausführlichere Betrachtung war das jetzt nicht der richtige Rahmen, die Zeit war mit einer Stunde einfach auch zu kurz bemessen und über drei Bücher und deren Inhalt und Auswirkungen zu sprechen, war leider auch ein wenig zu viel.
Es wäre besser gewesen, sich auf ein Buch zu beschränken, über das dann auch auf einer Buchmesse hätte diskutiert werden können.
Aber auf alle Fälle war die Veranstaltung anregend genug, darüber nachzudenken, ob auch ich von Übersetzungen, angeekelt, beschämt, erfreut, verstört, gar zu einem besseren Menschen oder auch nur ein ganz klein wenig verändert wurde oder werden würde bzw. könnte.

Später ging es dann in die sonnendurchflutete Glashalle zur Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse, der in diesem Jahr in der Kategorie Übersetzung an Sabine Stöhr und Juri Durkot für den aus dem Ukrainischen übertragenen Roman Internat von Serhij Zhadan ging.
Natürlich waren die Nominierten auch in diesem Jahr wieder im Übersetzerforum vorgestellt worden. Nur leider hatte ich dieses Mal keine Zeit gehabt, die Veranstaltung zu besuchen. Ich will sie Euch aber natürlich nicht vorenthalten:

Robin Detje übersetzte aus dem Englischen: Buch der Zahlen von Joshua Cohen
Olga Radetzkaja übersetzte aus dem Russischen: Sentimentale Reise von Viktor Schklowskij
Michael Walter übersetzte aus dem Englischen: Werkausgabe in 3 Bänden von Laurence Sterne
Ernest Wichner übersetzte aus dem Rumänischen: Oxenberg und Bernstein von Cătălín Mihuleac

Bevor die Nominierten einer Kategorie vorgestellt werden, gibt es immer einen kurzen Film zur Kategorie. Dort fiel ein schöner Satz, den ich mal hier ans Ende stellen möchte:

Es tut Übersetzern gut, mal bei der Leipziger Buchmesse ins Rampenlicht treten zu dürfen.