LFT 2012 in Nürnberg – Workshopbericht 1 von Schatzi

Der Tod gehört zum Leben – doch wenn er da ist, was dann?
Referentin: Katharina M. aus Bremen

Die Referentin Katharina hat vor 6 Jahren ihre Liebste durch einen Verkehrsunfall verloren. Sie fuhr auf dem Fahrrad und wurde mehrmals von einem LKW überfahren.

Katharina schilderte alle wesentlichen Trauerphasen von dem Moment, als sie vom Tod der Liebsten erfuhr bis heute. Gefühle von Nicht-Wahrhaben-Wollen über Wut, Apathie und Schuld bis hin zu einem leisen Gefühl von Ich will wieder leben und glücklich sein. Sie erzählte, was sie brauchte, was ihr gut tat, wie sich die Menschen in ihrem Umfeld verhielten.

Seit mehreren Jahren engagiert sich die Referentin in der lesbischen Trauergruppe Trulla in Bremen und hält Vorträge zu diesem Thema in vielen Städten.

Die Teilnehmerinnen der Veranstaltung waren sehr unterschiedlich motiviert:

Eine Wirtschaftskriminalistin, die ehrenamtlich im administrativen Bereich eines Pflegedienstes arbeitet und sich endlich mit dem Thema auseinandersetzen möchte mit dem ihre pflegenden Kolleginnen täglich konfrontiert sind.

Eine Frau, die mit 13 Jahren ihren Vater und mit 35 ihre Mutter verloren hat und von der Einsamkeit als Jugendliche berichtete – wenn ein Elternteil weg und der andere Elternteil monatelang nicht ansprechbar ist, wenn kein anderes Kind im Umfeld diese Erfahrung gemacht hat und alle trösten wollen, aber niemand wirklich zuhört.

Eine Frau, die selbst in der Pflege tätig ist und zunächst ihre Liebste in einem langen Kampf an Krebs und zwei Jahre später ihre schwerbehinderte Tochter verloren hat.

Eine junge Frau, die bereits mehrere Suizidversuche hinter sich hat.

Eine Hebamme, die z.Zt. ihre Doktorarbeit über Frauen schreibt, die wissen, dass ihr Kind noch vor der Geburt oder sehr bald danach sterben wird.

Eine junge Frau, deren Schwester sich nach schweren Depressionen selbst getötet hat.

Alle bestätigten, dass frau in einer solch schweren Trauersituation immer nur von einem Moment zum anderen gehen kann. Und welche Menschen begleiten, ist oft eine Überraschung.
Menschen, von denen frau erwarten würde, dass sie eine Stütze sind, schaffen es nicht, eine zu sein.
Und Menschen, denen es frau gar nicht zugetraut hätte, werden ein wichtiger Beistand.

Die Frage der einen jungen Frau Wo finde ich die richtigen Menschen, die mir beistehen? ist somit nicht wirklich zu beantworten. Die Referentin meinte, diese Menschen werden auftauchen und einfach da sein.
Sie werden Essen kochen, Fenster putzen, Einkaufen gehen. Es seien oft ganz banale Alltagskleinigkeiten, die mehr helfen, als große Worte.

Alles in Allem eine sehr beeindruckende Veranstaltung.