Mammutbäume in Karlsruhe – Ein wirklich interessantes Wochenende, Teil 1

Es wurde jetzt aber auch endlich mal wieder Zeit für eine kleine Auszeit.
Schatzi und ich hatten in den letzten Wochen ziemlich viel arbeitstechnisch um die Ohren, so kam es uns ganz recht, dass die Tänzerin schon vor einer Weile vorgeschlagen hatte, ein Wochenende in Karlsruhe zu verbringen.
Ja, warum eigentlich nicht Karlsruhe?
Ist nicht so weit weg von hier (knapp 140 Kilometer), ist nicht so groß (ca. 300.000 Einwohner) und ein interessantes Festival war für diese Zeit auch noch vorgesehen: die Frauenperspektiven.

Wir also Hotel gebucht, Reiseauto beim Carsharing angemietet, Veranstaltungskalender des Festivals angeschaut und dann am letzten Freitag losgetuckert.

Freitag nachmittag loszufahren ist im Grunde keine so gute Idee. Insbesondere, wenn der Weg über die A5 Richtung Süden führt. Aber was will Lesbe machen? Immer klappt es nicht mit der idealen Reisezeit. Wenigstens haben wir nicht stundenlang im Stau gestanden und waren dann doch nach ca. 3 Stunden da.

Das Schlosshotel ist ein Vier-Sterne-Hotel, das 1914 erbaut wurde. Wie wir uns das leisten konnten?
Ganz einfach: wir haben ein Arrangement gebucht. Da gibt es ja dann immer ganz nette Angebote mit allem Drum und Dran.
Zwei Dinge sprangen uns in der Lobby gleich ins Auge: der denkmalgeschützte Fahrstuhl von 1914

Fahrstuhl

und die vielen Fotos mit Weltstars aus den 50er und 60er Jahren drauf.
Stellt sich heraus: von 1958 bis 1965 fand im Schlosshotel die Bambiverleihung statt. Denn auch der Bambi ist ein Karlsruher Produkt, aber dazu später mehr.

Dem Hotel sind mehr als 100 Jahre schon anzumerken. Natürlich wurde es zwischendurch immer mal wieder renoviert und saniert und schmutzig oder schäbig war es auch nicht. Aber die Teppichböden waren doch schon sehr abgelaufen und die Türen und Fenster hatten auch schon bessere Tage gesehen. Aber es war ordentlich und sauber und die Matratzen waren überhaupt nicht durchgelegen, das ist ja wohl das Wichtigste.
Was wir allerdings bei der Auswahl nicht bedacht hatten, ist die Lage. Das Schlosshotel liegt genau zwischen dem Hauptbahnhof und dem Zoo und Schatzis und mein Zimmer lagen genau zum Bahnhof hin. Da wurde es dann des Nachts doch etwas lauter im Zimmer im 4.Stock unterm Dach. Aber wir haben überraschenderweise dennoch gut geschlafen. Das Zimmer der Tänzerin lag im 2. Stock zwar nicht in Richtung Bahnhof, dafür hatte sie dann aber die Lüftungsanlage vor dem Fenster.
Ab Herbst 2015 soll das Hotel saniert werden. Es kann also nur besser werden.
Für Freitag abend hatten wir Karten für ein Konzert der Sängerin und Musikerin Aline Frazão.
Also ging es mit dem Auto nach Karlsruhe-Mühlburg zum Kulturzentrum Tempel.

Oh ja, es hat schon gewisse Ähnlichkeiten mit einem Tempel dieses Häuschen, auch wenn es mal zu einer Brauerei und später zu einer Konservenfabrik gehört hat.

Tempel

Da wir zu früh waren und noch nichts gegessen hatten, sind wir zunächst zur Hauptstraße zurück, um nach Restaurants oder Gaststätten zu suchen. Die Tänzerin hatte die Straße weiter runter beim Vorbeifahren ein Gasthaus entdeckt. Das Gasthaus zum Ritter (Achtung adobe flash) ist allerdings kein Restaurant mit deutscher Küche, sondern ein italienisches Restaurant mit einem hübschen Biergarten.
Schatzi hatte Pizza mit Salami, Champignons, Zwiebeln und Sardellen; die Tänzerin Pizza mit Thunfisch, Kapern und Zwiebeln und ich hatte Penne mit Pilzen, Erbsen und Schinken. Und ich sage Euch, es war wunderbar lecker! Die Pizzen und Portionen groß, die Zutaten frisch.
Es ist doch immer wieder erstaunlich, an welchen unvermuteten Ecken lecker Essen zu bekommen ist.

Wir waren jetzt ein wenig spät dran und mussten uns sputen, wenn wir noch was vom Konzert haben wollten. Und da taten wir auch gut daran. Denn Aline Frazão ist wirklich ein Erlebnis. Die Angolanerin mit Verwandtschaft aus Brasilien, Portugal und Kapverden singt, spielt Gitarre und Kisanji.
Vom Stil her ist sie gar nicht so einfach einzuordnen, aber das muss auch nicht sein. Ihre Musik macht einfach Spaß.
Nach der Pause gab es ein Interview mit ihr. Das war zum Glück in Englisch, unser aller Portugiesisch lässt doch sehr zu wünschen übrig. 😳
Das es sich ja um eine Veranstaltung des Festivals Frauenperspektiven handelt, drehen sich die Fragen auch um dieses Thema. Wie ergeht es den Frauen in Angola?
Aline Frazão führt dann aus:
– die Lage der Frauen ist wie in vielen afrikanischen Ländern schwierig,
– sie sagt, viele afrikanische Länder sind sehr sexistisch
– jüngere Frauen wie sie, versuchen aber, dagegen zu kämpfen, aufzuklären, die Situation der Frauen zu verbessern, Gleichberechtigung einzufordern
– sie bezeichnet sich selbst als Feministin
– es ist für afrikanische Frauen, die in die Musik wollen, sehr schwer, dem Stereotyp der afrikanischen Sängerin in bunten Wallekleidern zu entkommen.

Auch der zweite Teil des Konzerts hat noch sehr viel Spaß gemacht und wir waren doch froh, dass wir uns für Aline Frazão entschieden haben und nicht für Tschechows Vier Schwestern!
(Und eine CD mit Autogramm habe ich mir dann auch noch besorgt. 🙂 )

Zurück im Hotel haben wir dann noch den Willkommens-Cocktail in der Bar getrunken. Schatzi und die Tänzerin hatten einen Sharp Shooter mit Himbeerpüree, Honig, Rosmarin, Limettensaft und Ingwersprudel, ich hatte einen Tiki Child mit Zimt, Limettensaft, Ananassaft und Muskat.
Schon lecker das Zeug.
Danach ging es ab ins Bett. Am Samstag wollten wir schließlich die Stadt erkunden.