Ein Meer von Büchern sei Dein Urlaub

Schatzi2: Welche von Euch kennt das erste und -soweit bekannt- einzige Bücherhotel Deutschlands ?

Schatzi1: Ich !  

Keine ?

Ich, ich, ich !!!

Na, dann wird’s aber höchste Zeit…. Gehört nämlich zu den Orten, an denen frau einmal im Leben gewesen sein sollte..

Ja! Da finde ich auch !

Nun, frau stelle sich vor: Ein wunderschöner Gutshof in idyllischer Landschaft mit inzwischen  über 100.000 Büchern. Nein, ich habe mich nicht vertippt – mehr als hunderttausend Bücher.

Der Wahnsinn !

Dieses kleine Paradies liegt in der Nähe von Güstrow südlich von Rostock und -oh, Wunder- gehört einer Frau! Ein Bücherhotel sei schon immer ihr Traum gewesen hat sie uns erzählt. Während der Sanierung des Anwesens wohnte sie jahrelang mit ihren Kindern in einem Wohnwagen und begann dann mit ihren eigenen 1.000 Büchern. Da rief eine Freundin an und erzählte, dass die Stadtbücherei von Güstrow gerade aufgelöst würde. Wenn sie sich beeile, könne sie die Bücher haben. Und so fuhr sie mit einem Anhänger nach Güstrow und nahm alle Bücher mit. Welch ein Glücksfall… Heute bringen oder schicken ihr die Gäste die Bücher – zum Tausch oder als gute Gabe. Und nun sind es so unglaublich viele geworden.  Alle Keller sind voll damit. Sie stehen in der Diele, im Frühstücksraum (mit wunderschönen italiensichen Wandgemälden), auf den Treppen und in allen Zimmern. Unterhalb der drei Häuser des Gutshofs hat die Eigentümerin eine alte, aber trockene Scheune angemietet.  Und auch die ist voller Bücher. Sie sind unsortiert, in vielen Sprachen, aus allen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts (einige auch älter), viele Klassiker, DDR-Literatur, auch Zeitschriftensammlungen, Bildbände und reichlich interessante  „Schätzchen“. Ein Eldorado für alle Bücherwurminnen – nur eine Stauballergie, nein, die sollten sie nicht haben…  
 
Na, das stimmt nicht ganz. Das mit der Stauballergie. Ich habe eine kleine. Kleiner Tipp: einfach ein Tuch (z.B. ein Nikki-Tuch) vor Mund und Nase binden, dann geht das schon. :-))

Da das Tauschen ausdrücklich erwünscht ist, haben wir Bücher mitgebracht und andere mit nach Hause genommen.  So kam ich zu einem tollen Bildband über das Ruhrgebiet, den ich einige Monate später  gut verwenden konnte. Und Schatzi hat u.a. ein Buch mit dem Wahnsinnstitel „Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura“ von Irmgard Morgner ergattert.
Wir haben vier Tage nur gestöbert und gelesen –

und gelesen und gestöbert

unter ganz vorzüglichen Umständen: Ein wunderschönes, großes helles Zimmer mit Blick in den Garten, hervorragendes Frühstück im sonnengelben Wintergarten, Liegestühle im halbwilden sonnigen Garten. Wir ließen uns Kaffee und Kuchen bringen, frische Salatteller und andere kleine Snacks. Das überaus freundliche Personal brachte fast alles, was das Herz begehrte direkt an den Liegestuhl.  Ein Traum….So lagen wir tagelang von morgens um 10 bis abends um 6 im Garten, lasen genüsslich und ließen uns verwöhnen. Abends gab’s dann im Gewölbe-Restaurant gar köstliche regionale Speisen – wirklich ausgezeichnet.

Manchmal gibt es aber auch Lesungen. Entweder von AutorInnen oder von der Chefin höchstpersönlich. Bei gutem Wetter im Sommer draußen am Lagerfeuer. Das ist echt klasse!

Einmal war mir nicht nach Lesen.
 
Mir war immer nach Lesen! Okay, einen halben Tag habe ich mindestens damit verbracht, mich durch sämtliche Regale in den vielen Räumen und der großen Scheune zu wühlen. Was da alles zum Vorschein kam! Bücher für die gute deutsche Hausfrau in den 1960er Jahren in der DDR, Lenin-Biographien, DDR-Science Fiction, Bücher über Science-Fiction, Krimis, Romanschnulzen, Bildbände, alles was frau sich nur denken kann. Aber auch BRD-Literatur. Nicht das Ihr da jetzt einen falschen Eindruck bekommt.

Ich ging zum Nachbaranwesen, eine kleine Manufaktur für Porzellan- und Tonwaren (gehörte auch einer Frau). Als sie hörte, dass ich noch nie mit Ton gearbeitet hatte, gab sie mir ein Stück Ton mit einer Spachtel und zeigte mir, wie frau mit  „Würstchentechnik“ eine Tasse formen kann.  So saß ich auf der Terrasse der Manufaktur, umgeben von Katzen und wilden Obstbäumen  in der Sonne und stapelte Würstchen, die eine Tasse werden sollten.  Ich weigere mich ausdrücklich, mich über das Ergebnis auszulassen.

Ich fand die Tasse toll, sie war richtig schön groß. Leider waren wir zu kurz da, um sie brennen zu lassen. Das hätte zu lange gedauert. Wir wollten sie dann hier zuhause brennen lassen. Aber irgendwie, eines Tages war’s dann mit der Tasse gewesen. Sehr schade.

Hat ja auch nichts mit Büchern zu tun, gell ? Für uns zwei Städterinnen war dieser Ort regelrecht „unwirklich“ – so ländlich, so abgelegen (dagegen tanzt in Zülpich die Bärin) und soooo ruhig. „Lautlos brüllte die Natur“. Es dauerte zwei Tage bis wir uns daran gewöhnt hatten. Schließlich stehen wir (insbesondere ich) ja sonst eher auf Metropolen, Museen und so. Auf jeden Fall nicht auf so arg viel Natur.
Nun fragt ihr Euch sicher, was wir dann da zu suchen hatten. Nun, Schatzi gehört auch zur Spezies der Bücherwurminnen und wurde sagenhafte 40 (worüber sie sich sehr freute) und das Bücherhotel war mein Geschenk für sie.  

Und das war das beste Geschenk, das ich jemals bekommen habe. Okay, mein Schatzi ist das Beste, aber der Aufenthalt im Bücherhotel war das zweitbeste Geschenk!

Gutshotel Groß Breesen:  www.gutshotel.de