Mittwoch, 9. September 2009

Heute ging es auf Gedenkstätten-Tour: zum „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ und zum „Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen“.
Mit U-Bahn und Bus sind wir zum Brandenburger Tor gefahren, dass wir uns natürlich auch gleich angeschaut haben. Na ja, keine Kunst, schließlich mussten wir durch das Tor durchgehen, um zu den Denkmälern zu kommen!
Direkt am Brandenburger Tor ist der Pariser Platz. Dort befindet sich die amerikanische und die französische Botschaft, um die Ecke ist die britische, dann sind da einige Banken und das Hotel „Adlon“. Da muss ein hoher polnischer Politiker zu Gast gewesen sein. Es wimmelte nur so von Polizisten und später haben wir eine großen geschützten Konvoi gesehen. Einer der Wagen hatte eine polnische Standarte dran, ergo unsere Vermutung wichtiger polnischer Politiker. Das Tor selbst ist schon beeindruckend, auch wenn es nicht frei in der Landschaft steht, wie wir vermutet hatten (tat es früher übrigens auch nicht. Wir denken das immer nur. Siehe Schiefer Turm von Pisa).
Wir sind dann zum Holocaust-Mahnmal gelaufen und haben uns das Feld mal angeschaut. Wir sind beide nicht sicher, was wir von diesem Denkmal halten. Die vielen Stelen nicht natürlich schon beeindruckend, wie sie so auf verschiedenen Höhen angeordnet sind und dass es möglich ist, zwischen den Reihen hindurchzuwandern. Allerdings kommt da nicht wirklich eine nachdenkliche Stimmung auf und die vielen SchülerInnen, die meinten, dort Verstecken spielen zu müssen, haben auch nicht gerade dazu beizutragen, dass Besinnung aufkam. Vielleicht soll das aber auch gar nicht sein, und dem Architekten ist es ganz recht, wie die Jugendlichen damit umgehen.
Auf der anderen Straßenseite im Park steht das Homosexuellen-Mahnmal, das aus dem gleichen Stein, wie die Stelen gearbeitet ist. Auch bei diesem Mahnmal sind Schatzi und ich zwiegespalten, nicht nur weil der Lesben nicht angemessen gedacht wird. Aber lassen wir das. Immerhin werden dort auch Touristengruppen und SchülerInnen hingeführt. Es war grade eine Gruppe da.
Dann sind wir mit dem Bus zur Friedrichstraße gefahren. Dort gibt es ein Nobel-Geschäft nach dem anderen in ziemlichen Prachtbauten. Wir sind weiter zum Gendarmen-Markt gelaufen und waren erstmal platt: da stehen doch tatsächlich zwei fast identische Dome! Der in Teilen von den Hugenotten errichtete Französische Dom und gegenüber der Deutsche Dom. Zwischen den beiden befindet sich das Konzerthaus Berlin. Ist schon verrückt, sowas mitten in der Stadt zu sehen.
Im Café Konzerthaus haben wir noch etwas getrunken und sind dann wieder Richtung Hackesche Höfe gefahren und ziemlich weit gelaufen. Die Hackeschen Höfe sind 8 einander angrenzende Höfe im Jugendstil mit kleinen Geschäften und Restaurants. Ist schon hübsch da, aber die Kunsthof-Passage in der Dresdner Neustadt gefällt uns beiden besser. In Hof II haben wir zu Mittag gegessen. Es gab für Schatzi und mich Buletten, Erbsen und Karotten und Kartoffeln. War ziemlich gut das Ganze.
Ach ja, wir wollten ja noch Eisdielen suchen! Also, mit der U-Bahn zur Schönhauser Allee und in die Gleimstraße. Ahhh, wo ist denn jetzt die Eisdiele! Es ist heute wärmer als gestern und die Sonne knallt vom Himmel. Wir brauchen dringend ein Eis! Nach mindestens zwanzig Minuten Wanderschaft – und das uns Nicht-Wanderlesben! – finden wir endlich die Eisdile Cho-Lila. Sitzplätze gibt es da zwar auch nicht viele, nur eine Bank und zwei Stühle, aber wir wollen jetzt ein Eis! Die haben völlig irre Sorten: Sanddorn, Kokos-Schwarzer Sesam-Himbeer, Erdbeer-Minze und Orange-Estragon. Schatzi und ich probieren unter anderem die letzten beiden Sorten. Sehr ungewöhnlicher Geschmack, aber es hat was.
Wir hatten noch geplant, zur Eisdiele „Kauf dich glücklich“ zu laufen. Das haben wir aber gelassen. Wir waren beide verschwitzt und auch ein wenig sauer, weil wir soviel rumgeirrt sind. Stattdessen haben wir uns mal das Einkaufscenter „Arkaden“ am Potsdamer Platz angetan. Kurz gesagt: es lohnt sich nicht. Kennst Du ein deutsches Einkaufscenter, kennst du alle. Und das Wiener Café dadrin war keine Bereicherung. Die Sachertorte und der Rhabarber-Baiser-Kuchen war jetzt auch nicht der Brüller. Nun gut. Viel erwartet hatten wir ja auch nicht.
Schatzi hat herausgefunden, dass es an der Friedrichstraße das KulturKaufhaus Dussmann gibt. Wir also wieder zum U-Bahnhof Friedrichstraße. Nach oben auf die Straße und losgelaufen. Auf unserer Straßenseite sind keine Hausnummern zu sehen, aber auf der anderen Straßenseite gehen die Nummern abwärts. Wir sind bei ungefähr 147 und wir müssen zur Nummer 90. Also los. Wir latschen und latschen und latschen und es kommt keine 90. Wir überqueren die Spree und auf unserer Seite kommt die 106. Also noch ein Stückchen weiter. Dann kommt der Friedrichstadtpalast und dann die 108. Ahh, ich verstehe gar nichts mehr! Was ist hier los??? Wir fragen ein paar nette Ladies vom Ordnungsamt, die zufällig vorbei kommen. Sie klären uns auf: die Hausnummern auf der Friedrichstraße verlaufen tatsächlich gegenläufig. Wo es auf der einen Seite mit den Nummern abwärts geht, geht es auf der anderen Seite aufwärts. Wir also völlig genervt zur nächsten U-Bahnstation und wieder eine Station zurück. Oben angekomemn finden wir endlich nach wenigen Metern „Dussmann“. Was für ein Traum! Für mich jedenfalls. Bücher über Bücher, dazu CDs und DVDs auf über 7000 qm! (Die Rolltreppe geht übrigens nur bis in den ersten Stock, in den zweiten und dritten führen nur Treppen – ha, einen Fahrstuhl gibt es aber!)
Ich habe mir zwei Bücher für die Arbeit gekauft. Die haben eine Riesenauswahl an Wörterbüchern und Schatzi hat noch einen Spezial-Einkaufsführer gefunden, mit ungewöhnlichen Läden in Berlin drin.
Auf dem Mittelstreifen der Straße „Unter den Linden“ haben wir noch was getrunken und sind dann mit Bus und U-Bahn zum Fehrbelliner Platz gefahren. Eine Haltestelle weiter von – oder vor – unserer Hotel Artemisia-Haltestelle „Konstanzer Straße“. Ich wollte mal testen, wie lange ich von dort bis zum Hotel brauche, denn von dort fährt die U-Bahn zum Kongreßort „Freie Universität“ (es sind 10 Minuten Fußweg für „Fußlahme“, wie mich). An dieser Haltestelle befindet sich der Preußenpark und daneben ist das „Park-Café“. Schatzi und ich beschlossen, dort noch etwas zu essen. Und das war kein Fehler! Idylisch unter Bäumen saßen wir und bestellten Roastbeef mit Bratkartoffeln (Schatzi) und Bacon-Burger mit Coleslaw und Pommes (ich). Das Essen war wirklich sehr lecker. Wir können es nur weiter empfehlen!
Jetzt aber ab zum Hotel. Ist schon spät und wir sind kaputt.
Morgen soll es kühler werden. Nur noch 22 Grad. Mal sehen. Aber das macht nix. Wir wollen auf die Museumsinsel.
Bis morgen dann. Nacht!