Nachricht vom Delta-Flyer

Hin und wieder muss lesbe sich ja mal ein wenig weiterbilden und so habe ich gestern ein Seminar bzw. einen Workshop zu Thema Kreatives Schreiben für ÜbersetzerInnen, organisiert vom Landesverband Nordrhein-Westfalen des BDÜ, besucht. Die Referentin Dr. Esther Breuer leitet das Kompetenzzentrum Schreiben der Uni Köln und hat das wirklich hervorragend gemacht.

Es gab viele verschiedene Übungen zum Schreiben. Schatzi meinte, ich solle doch mal das Ergebnis einer dieser Übungen hier in den Block stellen und das mache ich hiermit. 🙂

Aufgabe: Stellen Sie sich vor, Sie wären Ihr Schreibgerät, also Kuli, Füller, Laptop oder – in meinem Fall – Delta-Flyer (das ist eins von diesen kleineren Dingern, ich glaube, die heißen Netbook oder so. Bei mir heißt das Ding Delta-Flyer, weil ich meinen Schreibtisch-PC Voyager getauft habe. 🙂 ).

Schreiben sollten wir in der sogenannten Free-writing-Methode, also einfach drauf los, ohne Rücksicht auf Rechtschreibung und Grammatik, 10 Minuten am Stück, ohne Pause. Und das kam dabei raus:

Moin, na, willste mal wieder ein wenig über deinen Tag berichten? Oder sind wir gar nicht in Urlaub? Wieso werde ich eigentlich immer nur rausgeholt, wenn du unterwegs bist? Ich will auch mal zuhause benutzt werden, immer schreibst du da auf diesem großen Kasten rum. Findest du das witzig? Ich liege den ganzen Tag im Schrank bei diesen ungelesenen Büchern und langweile mich und wenn du mich dann nach Wochen, oder gar Monaten wieder hervorholst, beschwerst du dich, dass ich nicht auf dem neuesten stand bin. Wie soll ich das denn sein, wenn du mich nie anstellst, oder auch nur mein Akku auflädst? Und dann hast du mir auch noch dieses komische Betriebssystem verpasst. Ubuntu, was soll das denn heißen?

Kannst du heute nicht wenigstens mal wieder ein paar Fotos hochladen, das ist immer ganz nett, da habe ich was zu gucken. Aber nein, heute biste nur am rumtippen. Hey, ich kann mehr als nur vollgeschrieben werden! Guck doch wenigstens mal in die E-Mails! Wie, du darfst nicht, du sollst 10 Minuten lang rumschreiben? Wie langweilig ist das denn? Komm, ich mach dir mal ein paar Wortvorschläge, wie du deinen Text ein wenig schicker machen kannst. Hier zum Beispiel das Wort oder das da. Nee? Willste nicht? Ach, dann mach doch was durchaus willst, aber lerne endlich mal, die Umschalttaste richtig zu benutzen, das kann doch nicht so schwer sein. Deine Wurstfinger werden das doch wohl noch hinkriegen. Hast du nicht behauptet, du hättest mal einen Schreibmaschinenkurs gemacht?

Wie, das ist schon mindestens 30 Jahre her? Gelernt ist doch gelernt, wie das immer so schön heißt. Und wie du da schon wieder rumsitzt. Ne gesunde Körperhaltung ist was anderes. Wie, ich bin zu klein? Was hat das jetzt damit zu tun? …

Und da waren die zehn Minuten auch schon rum. 🙂
Ich habe nur einen Teil der Fehler korrigiert, nicht alle.

Aber es hat unendlich viel Spaß gemacht!

1 Antwort zu “Nachricht vom Delta-Flyer”

  1. DAS tat gut zum Feierabend. Hab mal so richtig aus vollem Herzen lachen können.
    Ich konnte mir gut den kleinen Delta-Flyer vorstellen wie er bei den ungelesenen Büchern vor sich hinleidet, weil er nicht beachtet wird.
    Aber so kommt es raus, wenn das Unbewusste losgelassen wird meldet sich auf magische Weise ein Gerät.

    Viele Grüße

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