Neu- England – noch 218 Tage

Ja, ich weiss – Vorfreude ist die schönste Freude…. Aber es ist noch sooooo lange hin. Na ja, die Blätter sind ja auch noch nicht bunt. Sie sind noch nicht mal grün. Überall Tiefschnee in Neu-England. Was soll’n wir da auch schon… Außerdem sind Reisevorbereitungen auch schon eine spannende Angelegenheit.

Zum Beispiel die Reaktion vieler Leute auf unsere Antwort, wohin wir denn in diesem Jahr in Urlaub fahren. „Indian Summer in Neu-England“ – nun, je nach Bildungsgrad, Auffassungsgabe und Reaktionsschnelligkeit fällt das Zögern unserer Gegenüber unterschiedlich lang aus. Dann kommt ein strahlendes „Oh, wie schön…“. Ja, das finden wir auch und -dank eines netten, kleinen Sparvertrags- leisten wir uns endlich mal wieder ein richtig teures Schätzchen von einer Reise. Jetzt hat die USA ja endlich einen halbwegs anständigen Menschen zum Präsidenten (zumindest verglichen mit dem davor). Unter Bush hätten wir das Land nicht betreten. Unsere letzte USA-Reise ist deshalb auch schon lange her.

Die erste Frage galt der „Organisationsform“. Suchen und buchen wir alles selbst oder lassen wir suchen und buchen ? Eine Pauschalreise kam diesmal nicht in Frage. Das ist eine gute Reiseform, wenn frau das Land so gar nicht kennt und die Widrigkeiten nicht so recht einzuschätzen vermag. Da Schatzi1 und ich aber beide schon -bevor wir uns kennenlernten- längere Zeit in den USA gelebt hatten, kann von Nicht-Kennen und Nicht-Einschätzenkönnen keine Rede sein. Wir kennen die Mentalität, die Gepflogenheiten, die Infrastruktur, die Lebensweise. Wir wissen sehr genau, wie Amis ticken. Sind sie doch auch nicht allzu schwer zu durchschauen… Also keine Pauschalreise !
Eine Freundin, die uns schon seit Ewigkeiten kennt, meinte „Nehmt doch ein Wohnmobil. Das ist billiger, und ihr seid unabhängig“. Na ja, sie versucht’s halt immer wieder mal. Müsste sie doch wissen, dass Schatzi1 und ich beide gleichermaßen mittelgroße Diven sind, für die 5-Sterne-Hotels gerade gut genug erscheinen. Nur der bei weitem nicht ausreichende Inhalt unserer Geldbeutel hat bisher verhindert, dass wir schon alle 5-Sterne-Hotels dieser Welt kennengelernt haben. Nein, ganz bestimmt kein Wohnmobil für die verwöhnten und anspruchsvollen Töchter unserer Mütter (kein Missverständnis möglich – jede hat nur jeweils ein solches Prachtexemplar).
Die Individualreise mit PKW darf es sein, mit vorgeplanter Route und vorgebuchten Hotels. Ohne das bereits oben verschmähte Wohnmobil oder vorgebuchte Hotels müssten wir nämlich im schönen bunten Wald schlafen. Und davon hat frau ja nun mal nachts nicht viel.
Es heißt, die halbe Welt käme in diesen magischen 3 Wochen nach Neu-England und alles sei ausgebucht. Nein, danke, trotzdem kein Wohnmobil….

Des Rätsels Lösung: Ganz in unserer Nähe gibt es ein Spezial-Reisebüro für USA- und Kanada-Reisen. Gehört leider einem Mann, aber er hat Ahnung. Das ist wichtig. Das sehe ich in diesem Fall mal ganz sachlich. Der feine Sparvertrag soll ja schließlich optimal verbraten werden, nicht wahr ?

1. Frage:
Wohin fliegen wir ? Antwort: nach Washington. Ist am günstigsten.

2. Frage:
Wo übernachten wir ? Der Reisebüro-Mensch hat uns einen Routenvorschlag gemacht, der uns aber nur teilweise erfreute.
Ein einsam gelegenes Resort-Hotel mitten in den White Mountains von Vermont ist nichts für uns. Wie die geneigte Leserin ja schon meinem Nordkap-Reisebericht entnehmen konnte und dem baldigen Schottland-Reisebericht noch entnehmen wird, sind wir keine Wandertanten und keine Naturjunkies. Das wäre des bunten Waldes dann doch zu viel.
Auch ein gutgemeinter Abstecher ins mega-historische Gettysburg (Ihr wisst schon: Schlacht und so) ist alles andere als der Traum unserer schlaflosen Nächte. Wir würden wahrscheinlich schaumschnaubend vor Abscheu durch die Straßen laufen. Diese Stadt ist steingewordener Patriotismus und sieht auch genauso aus.
Aber letztendlich hatten wir eine schöne Route gebastelt. Wichtig daran ist auch, dass wir nicht mehr als 500 km am Tag fahren müssen. Schließlich haben wir ja URLAUB. Wenn ihr Euch das Gebiet der Neu-England-Staaten mal auf einer Karte anschaut, denkt ihr bestimmmt „Na, kann doch nicht so schlimm sein mit den Entfernungen“. Aber… genau das ist das Tückische an diesem Land. Alles ist viel weiter weg als frau denkt. Aber das kennen wir ja. Deshalb nehmen wir uns in Acht.
Die Hotels und Pensionen sind richtig schick. Vom antiken Kolonialstil bis hin zu modernem amerikanischen Interieur (das sich immer noch extrem von IKEA unterscheidet); von viktorianischen Villen (mit Veranda und selbstgemachter Limonade) bis hin zu zeitgemäßen maritimen Resorts ist alles dabei. Es hat großen Spaß gemacht, sich die Homepages unserer Herbergen anzuschauen.

Ein wunderbares Vorfreud-Erlebnis war es auch, die Straßenkarten zu kaufen. Ich liebe Geographie. Ich liebe Globen und Karten. In der Innenstadt gibt es ein großartiges Fachgeschäft für solcherlei Sachen. Dort haben wir gestöbert. Da gibt es allein für Neu-England eine Auswahl von ca. 8 Straßenkarten, eine schöner als die andere. Ich hab gleicch zwei gekauft. Schließlich trage ich ja eine besonders Verantwortung: Ich bin unser Navi. Schatzi1 findet, ich sei ein gutes Navi. Aber auch ein gutes Navi braucht gute Karten. Entscheidend für die Auswahl der Karten war zum einen der Maßstab und zum anderen, ob das winzige Kaff auf einem Inselarchipel in Maine in dem wir 4 Nächte verbringen, auf den Karten zu finden ist. Hoch leben die KartenmacherInnen mit einem Herz für Käffer.
Und die von mir heißgeliebten Leuchttürme sind auch auf den Karten – Dutzende, an der ganzen Küste entlang. Auf die freue ich mich mindestens so sehr wie auf die bunten Blätter. Schatzi1 meinte schon, es bestünde die Gefahr, dass wir 2 Wochen lang von einem Leuchtturm zum anderen fahren. Nein, nein, keine Bange, Schatzi. Aber wenn ich mal im Lotto gewinne, trete ich dem Verein der „Seezeichenfreundinnen und -freunde“ bei. Die machen nämlich jedes Jahr eine große Reise in die Welt und fahren dann wirklich von einem Leuchtturm zum anderen.
Übrigens – ich habe meinen 50. Geburtstag mit Schatzi auf einem bewohnbaren Leuchtturm verbracht. Hat sie mir geschenkt. War suuuuper, aber davon ein ander Mal…..