Ostsee und Berlin – September 2012, 4. Tag

Heute ist es hier bewölkt, aber trocken und nicht allzu kalt.

Gegen halb elf sind wir mit dem Bus und der S-Bahn zum Rostocker Hauptbahnhof gefahren, um dort unser reserviertes Mietauto abzuholen.
Es ist ein silberner Ford Fiesta.
Und liebe Lesben, so ein Fiesta hat ja heutzutage überhaupt gar nichts mehr mit dem kleinen Autochen gemeinsam, dass vor 27 Jahren mein erstes Gefährt war.
Würden die beiden nebeneinander stehen, würden alle Stein und Bein schwören, dass diese Wagen nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben. Es erstaunt mich selbst immer wieder.
Aber lassen wir das jetzt.

Wir haben den Wagen zunächst aber noch stehen lassen und sind mit der Straßenbahn in die Innenstadt gefahren.
Ich will übrigens kein Gemecker mehr über den Frankfurter Nahverkehr hören. Im Vergleich zu Rostock ist der nämlich hervorragend.
In Rostock braucht anscheinend niemand Linienpläne oder Angaben dazu, in welcher Zone wir uns gerade befinden und ähnliches.
Meistens ist es eine große Raterei, welche Bahn wohin fährt und wann.
Die Endhaltestellen heißen hier übrigens Haltepunkte und werden mit HP abgekürzt. Das rauszufinden, hat auch eine Weile gedauert.

In der Rostocker Fußgängerzone reiht sich eine Ladenkette an die andere. Fast alles Geschäfte, die es anderswo auch gibt. Ist schon irgendwie deprimierend. Und leider haben wir im Grand Café auch noch extrem schlechten Kaffee bzw. Cappuccino getrunken.

Rostock wirkte ziemlich abweisend auf uns und auch wir konnten heute nicht viel mit der Stadt anfangen. Deshalb beschlossen wir, dass Auto zu holen und nach Ribnitz-Damgarten zu fahren.

Nur die schicken Polo-Shirts, die ich in der Touristeninformation gekauft habe, versöhnten mich ein wenig mit der Stadt. 🙂

(Mein Delta-Flyer hat leider heute mal wieder überhaupt keine Lust, die Chipkarte aus der Kamera zu erkennen. Deswegen kann ich heute keine Fotos einstellen. Vielleicht klappt es ja morgen wieder.)

Ribnitz-Damgarten nennt sich selbst Bernsteinstadt.
Und deswegen sind wir da auch hingefahren. Denn dort befindet sich das Deutsche Bernsteinmuseum im ehemaligen Klarissenkloster.

Die Ausstellung ist wirklich sehenswert und erzählt auch viel zur Geschichte des Bernsteinabbaus über die Jahrtausende. Und das sehr gut. Denn die BesucherInnen erhalten viele Informationen, aber werden nicht von Texttafeln „erschlagen“.
Eine interessante Information war zum Beispiel, dass die Altersbestimmung des Bernsteins nur indirekt möglich ist. Zum Beispiel über die sogenannten Inklusen, also die tierischen und pflanzlichen Einschlüsse im Bernstein. Diese werden dann mit den Funden zum Beispiel in der Grube Messel bei Darmstadt verglichen und auf diese Weise datiert.

Außerdem gab es im Kloster noch eine Ausstellung Dame von Welt, aber auch Nonne – Vom Klarissenkloster zum Adligen Damenstift.
Die haben wir uns natürlich auch noch angeschaut. Und ein schmales Heft gab es dazu auch noch zu kaufen. Was ich natürlich getan habe.

(Keine Angst, diesmal werden die Koffer nicht bücherschwer heimgeschleppt. Wir haben uns ein Postpaket geholt und werden sie mit der Post nach Hause schicken.)

Auf dem Weg zurück zum Auto haben wird dann am Rathaus noch ein Schild entdeckt. Auf dem wurde daran erinnert, dass die Einwohner von Ribnitz am 1. Mai 1945 verhindert haben, dass Frauen aus dem Lager Barth, einem Außenlager des KZs Ravensbrück, noch kurz vor der Befreiung durch die Russen von einem fanatischen SS-Offizier und einigen Hitlerjungen erschossen wurden.
Ob die Ribnitzer wegen der Frauen so mutig gehandelt haben oder einfach nur keinen Krieg mehr wollten, darüber gehen die Meinungen wohl auseinander. Nur das Ergebnis ist unbestritten: die Frauen wurden nicht ermordet.

Noch eine kleine Anmerkung zur Nazizeit und dem Bernstein: für die olympischen Spiele 1936 in Berlin wurden auch viele Sportlerauszeichnungen aus Bernstein angefertigt. Und bei den Nazis gab es auch den folgenden Slogan: Deutsche Frauen tragen deutschen Schmuck: Bernstein!

Nun wenden wir uns aber wieder erfreulicheren Dingen zu.
Wir sind weiter zum Ostseeheilbad Graal-Müritz gefahren und haben uns dort die Seebrücke angeschaut.

Es war schon später Nachmittag und es fielen ein paar Regentropfen, aber dennoch konnten wir uns sehr gut vorstellen, bei schönem, warmen Wetter dort schwimmen zu gehen.

Dort haben wir dann auch zu Abend gegessen.
Der Bismarckhering, der Brathering, der Krabbensalat und die Fischbouletten (alles selbstgemacht) im Graal-Müritzer Fischhus waren hervorragend. Wirklich richtig lecker. Vielleicht sollte Backfisch-Tilo aus Warnemünde da mal in die Lehre gehen!

Dann ging es zurück nach Nienhagen, aber nicht ohne noch beim Eiscafé Rosso Bianco anzuhalten, ein sehr gutes Spaghetti-Eis (die Erdbeersaucse aus echten Erdbeeren fand sich übrigens zwischen zwei Spaghetti-Eisbergen), ein ganz köstliches Tartufo-Eis mit Kirschen dran und leckerem Kaffee und Cappuccino zu genießen.
So lobe ich mir doch den Abschluß eines ereignisreichen Tages.

Mal schauen, was morgen noch so kommt.