Ostsee und Berlin – September 2012, 7. Tag

Und was haben wir heute so gemacht???

Wir hatten den Wintergarten zum erweiterten Wohnzimmer gemacht und gefrühstückt, gelesen, belegte Brötchen zu Mittag gegessen, gelesen, geschlafen, zu Abend gegessen, Nachrichten geguckt, gebloggt, geduscht und später dann wieder ins Bett.

Das war auch das Sinnvollste, was lesbe bei diesem extrem ungemütlichen Regenwetter an so einem trüben Tag machen konnte.

Wie wär’s mit einem Rezept für Sanddorn-Muffins?

Nein? Dann nicht.

Was haben wir gelesen?

Ich habe das Buch Es fühlt sich endlich richtig an – Erfahrungen mit dem späten Coming Out von Helga Boschitz gelesen.
In diesem Buch kommen nicht nur Lesben und Schwule zu Wort, die ihr Coming Out erst mit mehr als vierzig Jahren hatten (der Älteste erst im Alter von über 80!) sondern auch Ehemänner, Ehefrauen, Kinder, beste FreundInnen, ArbeitskollegInnen und die neuen PartnerInnen.

Frau Boschitz hat die Personen persönlich getroffen, läßt sie persönlich sprechen. Zwischen den persönlichen Schilderungen finden sich Kommentare, Anmerkungen und Ausführungen von TherapeutInnen und Menschen, die in der Beratung von Late Bloomern aktiv sind.
(Unter anderem auch Yvonne Ford von Late Bloomers – Eine Initiative des Lesbischen Herbsts)

Manche der Interviews machen Mut, andere sind sehr deprimierend und traurig.
Helga Boschitz hat es geschafft, sogar eine Lesbe und einen Schwulen, die tief im Schrank sind, zu einem Interview zu bewegen.

Das Buch ließt sich leicht und flüssig. Ob es eine wirkliche Hilfe für Menschen in spätem Coming Out ist, kann ich nicht beurteilen.

Schatzi hat Twielenfleth von Annelie Schlobohm gelesen. Dieses Buch hatten wir während unseres Urlaubs im Alten Land gekauft.

Ihr Kommentar:

Mitte des 19. Jahrhunderts: Die 23-jährige Gesche kauft sich nach dem Tod ihrer Eltern und ihres Bruders einen kleinen Hof im Nachbarort. Dort lebt sie mit ihrer Magd und ihrem Knecht. Eines Tages wird ihre Magd tot aufgefunden. Die Suche nach dem vermeintlichen Mörder beginnt. Im Zuge dessen werben drei Männer um Gesche. Nebenbei klärt Gesche die Herkunft des vor 20 Jahren ausgesetzten Kindes der Magd. Ein Dichter, der als Sommerfrischler bei Gesche in Logis wohnt, inspiriert sie zu vielen Gedanken über Gott, Liebe und Tod. Gesche nimmt eine junge, ledige, schwangere Frau als neue Magd bei sich auf. Die Avancen der drei Werber lehnt sie ab und bleibt ledige Bäuerin auf ihrem Hof. Und der Tod der Magd klärt sich natürlich auch auf. Gutes Ende ! Kein klassischer Krimi, eher eine interessante „Heimatgeschichte“. Sehr gut geschrieben – norddeutsch strack und schnörkellos mit Schmunzelkomik für Nicht-Norddeutsche.

Zum Abendessen gab es Zander auf roten Linsen mit Thymiankartoffeln (ich) und Kalbsleber mit Zwiebeln und Kartoffelpüree (Schatzi).

Und schon ist der Tag wieder rum.