Rosa Loy in der Galerie Noah, Augsburg

Nach unserer etwas abenteuerlichen Suche nach der Galerie, die Schatzi hier geschildert hat, hier nun der Bericht über den Galeriebesuch.

Der Glaspalast in Augsburg ist das ehemalige Fabrikgebäude einer Baumwollspinnerei, das 1909 erbaut wurde. Seit 2002 befinden sich in diesem Gebäude das Kunstmuseum Walter, das H2 – Zentrum für Gegenwartskunst, die Staatsgalerie für moderne Kunst und die Galerie Noah.

In dieser letztgenannten Galerie hängen zurzeit Gemälde und Zeichnungen von Rosa Loy, eine Malerin der Neuen Leipziger Schule. Auf ihrer Homepage steht:

„Sie gehört zu den Malerinnen Deutschlands, die sich mit dem Mysterium der Frau, der neuen Weiblichkeit und der neuen Romantik beschäftigen. […] Rosa Loy bringt den Mut auf, Weiblichkeit und Schönheit in ihre figurative Malerei zu integrieren und bietet eine mehrschichtige Deutung ihrer Arbeiten an. Besonderes Interesse hat sie an überliefertem Wissen der Frauen, der neuen Weiblichkeit und der damit verbundenen Mysterienschule.“
www.rosa-loy.de

Mit meinen Worten würde ich es so ausdrücken:
Sie beschäftigt sich mit der Wahrnehmungs- und Erfahrungswelt von Frauen, transzendent aber nicht religiös, mystisch im Sinne einer inneren „Märchenwelt“. Sie selbst verglich die Quelle ihres künstlerischen Schaffens einmal mit einer Art „Alice im Wunderland“.
Sie malt ausschließlich Frauen, einige sehen der Künstlerin ähnlich andere gar nicht.

Ihre Bilder sind beeindruckend.

Sie sind wohl dem Surrealismus zuzuordnen und zeichnen sich insbesondere durch ihre Vielschichtigkeit und den Ausdruck der dargestellten Frauen aus. Da genügt es nicht, mal kurz drauf zugucken, da muss frau sich schon ein wenig Zeit lassen und genauer hinschauen. Immer wieder entdeckt frau neue Details. Die Frage „Was will uns die Künstlerin sagen ?“ können Schatzi und ich schwer bis gar nicht beantworten. Ihre Bilder enthalten viele Symbole und erschließen sich daher nicht so ohne weiteres. Die abgebildeten Frauen wirken stark, wenig lieblich, sehr selbstbewusst, souverän und gebieten Respekt. Die Gesichtsausdrücke der dargestellten Frauen sind eher neutral, drücken weder Glück noch Leid aus, sind weder freundlich noch düster.

Ihre Farben sind intensiv und stark. Sie malt überwiegend auf Leinwand mit Farben auf Casein-Basis (Milcheiweiß) mit Kreide oder Umbra als Pigmenten. Diese Farben erfordern ein zügiges Arbeiten, da sie schnell trocknen. Ein Galerist hat in einem Artikel berichtet, dass er ihr einmal beim Malen zuschauen durfte. Er schrieb, sie habe angefangen und nicht mehr aufgesehen bis das Bild fertig war. Und ihre Bilder sind oft 130 x 170 cm oder auch größer.
Einige kleinere Aquarelle und Buntstiftzeichnungen waren auch zu sehen. Diese waren in ihrer Strahlkraft und Faszination jedoch nicht mit den Casein-auf-Leinwand-Bildern zu vergleichen.

Aus einigen Zeitungsartikeln zur Vernissage war zu entnehmen, dass die Eröffnung sehr gut besucht war. Sie war persönlich anwesend, begleitet von ihrem Ehemann, Neo Rauch – einem der derzeit bedeutendsten und teuersten deutschen Maler. Die beiden begreifen sich selbst wohl auch als „Malerpaar“ und wurden sogar vom Laudator der Vernissage mit
Frida Kahlo und Diego Riviera verglichen – einerseits schmeichelhaft (die Kunst betreffend) anderseits eine Unverschämtheit (die eheliche Beziehung betreffend). Schatzi und ich haben darin ein Dilemma gesehen: Sie hat ihren berühmten Mann mitgebracht und damit riskiert, dass vielleicht viele zur Vernissage kommen, um ihn zu sehen und dass vielleicht einige ihre Bilder nur kaufen, weil sie seine Frau ist. Nach unserer Einschätzung würde Rosa Loy selbst dieses Dilemma aber wahrscheinlich nicht so sehen. Anläßlich der Vernissage wurde Rosa Loy von der Presse gefragt, warum sie denn nur Frauen male. Sie hat wohl sinngemäß geantwortet, dass dies eben so sei und dass ihr Mann Neo Rauch eben fast ausschließlich Männer male.
Ob wohl ein Kunstkritiker oder Pressemensch jemals Neo Rauch gefragt hat, warum er nur Männer malt ?

Während wir uns die Bilder anschauten, war ich ein paar mal den Tränen nah. Was hätte ich drum gegeben, eines dieser Bilder kaufen zu können. Ich habe hin und her überlegt, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gäbe. Die Aquarelle und Zeichnungen kosteten „nur“
EUR 1.500,00. Die kleinformatigen Casein-auf-Leinwand-Bilder kosteten EUR 5.400,00. Aber die Bilder, die mich wirklich begeistert und bewegt haben, hatten Preise von EUR 20.000,00 bis EUR 50.000,00. Schatzi hat mir dann liebevoll ausgeredet, am Montag zur Bank zu gehen und einen Kredit aufzunehmen. Die Krux ist aber, dass die Werke mit jedem verkauften Bild und mit jeder Ausstellung teurer werden. Wenn Rosa Loys Werke dann in
10-20 Jahren vielleicht 7-stellige Preise erzielen, denke ich bestimmt mit hängendem Kopf „Ach, hätte ich doch damals nur….“. Aber wir wünschen ihr von Herzen, dass sie richtig berühmt und ihre Werke super-teuer werden.

Ich habe Rosa Loy eine E-Mail geschrieben – an ihre persönliche E-Mail-Adresse.
Ich schrieb ihr, wie sehr uns die Ausstellung gefallen hat und wie gerne wir ein Bild (oder mehrere) gekauft hätten. Und dass wir uns die, die uns so gut gefallen haben, einfach leider nicht leisten können.
Sie schrieb am nächsten Tag zurück, dass sie sich sehr freue und uns „Abbildungen“ der Werken senden könne. Was immer sie mit „Abbildungen“ meint…. ? Wir werden’s erfahren.

Rosa Loy ist wohl keine Lesbe, aber ihre Bilder sind „frauenliebend“. Ich erlaube mir, daraus zu schließen, dass auch sie selbst „frauenliebend“ im umfassenden Wortsinne ist. Das ist mehr als frau von manchen Lesben sagen kann.

Leider nur noch bis zum 04.07.2010

Links:
Rosa Loy
Galerie Noah
Schatzis on Tour

1 Antwort zu “Rosa Loy in der Galerie Noah, Augsburg”

  1. Schöner aussagekräftiger Bericht.

    Ja, ich denke auch, dass es schon etwas Besonderes ist, starke Frauen zu malen.
    Weil sonst sind Frauen ja in den Gemälden nur die Objekte, sie werden von Malern (sic!) dargestellt, damit sie betrachtet werden können.

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