Rosemarie Trockel in Basel

Unserer Freundin P. zum Geburtstag.

Also: Schatzi und ich waren in diesem Jahr bei Rosa Loy in Augsburg, Frida Kahlo in Berlin, bei der Kunstausstellung auf dem Lesbenfrühlingstreffen in Hamburg und Schatzi war noch bei Neo Rauch in München. Da können wir ja auch mal eben nach Basel brettern, um uns Rosemarie Trockel im Kunstmuseum Basel anzuschauen, oder?

Tja, und das haben wir dann am Dienstag auch gemacht. Aber wir waren nicht alleine – wir haben noch unsere Freundin P. – die ein Fan von Rosemarie Trockel ist und uns erst auf diese Idee brachte – eingepackt.
Gegen 7 Uhr morgens sind wir bei kaltem Regenwetter losgefahren und davon ausgegangen, dass wir in ca. 3 Stunden in Basel sein würden.
Leider hatten der Regen, die Straßenbauarbeiter und die anderen Autofahrer was dagegen.
Ungefähr hinter Heidelberg ging es von einer Baustelle in die nächste, von einem stockenden Verkehr in den nächsten Stau, von einem Regenschauer über ein wenig Sonnenschein zum nächsten Regenschauer. So kamen wir erst nach fünfeinhalb Stunden in Basel an.
Aber da hatten wir wenigstes Glück. Wir fanden recht bald ein Parkhaus und der Regen hörte auch auf. Es kam sogar die Sonne raus.
Zum Kunstmuseum war es dann auch gar nicht mehr weit.

Die Ausstellung
Rosemarie Trockel wurde übrigens 1952 geboren und ist hauptsächlich für ihre Strickbilder und -objekte bekannt. Doch sie hat weitaus mehr zu bieten. In Basel sind über 200 Zeichnungen, Collagen und fiktive Buchentwürfe der letzten 30 Jahre von ihr zu sehen:

In ihrem von Strickbildern über Keramikobjekte zu Videos und Installationen weitgespannten OEuvre spielen Zeichnungen, Buchentwürfe und Collagen eine ganz wesentliche Rolle. Mit Porträts von Affen oder Darstellungen schlafender Jünglinge, aber auch mit dem Einsatz ungewöhnlicher Techniken, wie dem Verwenden eines Photokopierers oder dem Umarbeiten früher Zeichnungen zu Collagen, stellt die Künstlerin gesellschaftliche Gemeinplätze und künstlerische Normen ironisierend in Frage und damit auch die traditionelle Vorstellung von Zeichnung überhaupt. Die in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin aus den wichtigsten Werkgruppen aller Schaffensperioden ausgewählten Arbeiten werden ergänzt durch noch nie gezeigte, eigens für die Basler Ausstellung geschaffene Zeichnungen und Collagen.

(Homepage Kunstmuseum Basel)

Die Zeichnungen sind meist mit einfachsten Strichen und wenigen Farben geschaffen und sind doch eindrucksvoll, detailliert und gut zu erkennen.
Vieles regt zum Nachdenken an, einige sind erschreckend, wie zum Beispiel die beiden Zeichnungen „Nackter Mann mit skelettierter Hand“ und „Kleinkind mit skelettierten Händen“, andere sind witzig wie „Die legendäre Ei-Ronny“. Mit wiederum anderen Zeichnungen kann ich nichts anfangen; einige gefallen Schatzi sehr gut, andere nicht und auch P. hat ihre Favoriten.
Aber so ist es ja meistens und – um jetzt mal platt zu werden – so soll es ja auch wohl sein. Denn schließlich führt das ja auch dazu, dass wir miteinander über die Bilder diskutieren. Und das haben wir ausführlich getan.

Anschließend haben wir uns noch ein paar andere Bilder im Museum angeschaut und im Shop des Museums ausführlich gestöbert.
Im Hof des Kunstmuseums war übrigens noch eine riesige Objekt-Installation. Von einem Drahtnetz, das über den Innenhof gespannt war, hingen hunderte von weißen Kunststoffstreifen herab, die durch den Wind verwirbelt wurden, durch das einfallende Licht immer wieder andere Muster warfen und abends wohl auch bunt angestrahlt wurden (letzteres haben wir nicht gesehen, so lange sind wir dann nicht geblieben).

Das Problem mit dem Essen
Und dann war auch schon wieder Fütterung der Raubtiere angesagt. Wenn ich Hunger habe, werde ich brummelig. Und Schatzi weiß das ganz genau. Deshalb: auf dem schnellsten Wege was zu essen suchen!
Tja, und dann haben wir uns erst mal hingesetzt. Ins Mövenpick am Marktplatz. Und nach einem Blick in die Speisekarte sind wir dann wieder aufgestanden. Denn bei den Preisen mussten wir uns hinsetzen. Wenn die Kalbsbratwurst mit Zwiebelsauce und Pommes 23.50 CHF kostet, die Spare-Rips an Honig-Senfmarinade 29.00 CHF, dann überlegt es sich frau dann doch zweimal, ob sie das wirklich will.
In den anderen Restaurants sah es natürlich nicht besser aus: da kostete die Pizza dann schon mal 25.00 CHF (das sind übrigens ungefähr 19 Euro).
Also, was tun?
Wir haben dann beschlossen, eine Kleinigkeit bei McD zu essen und uns anschließend auf den Heimweg zu begeben. Vielleicht würden wir ja in Deutschland ein nettes Restaurant finden. McD in der Schweiz ist auch nicht gerade billig: ein BigMac kostet 6.50 CHF (4,95 EUR – in Deutschland 3,15 Euro).

Wir also danach zurück zum Parkhaus und raus aus der Schweiz. Auch diesmal wollten die Zöllner an der Grenze nichts von uns wissen, genau wie bei der Einreise. Wir sehen halt einfach zu brav aus mit unserem C1!
Schon auf dem Hinweg hatten wir uns das kurze Stück Autobahn von der Grenze nach Basel gespart. Dafür dann eine Vignette für 40 CHF zu kaufen, war uns auch zu teuer. Deswegen sind wir bei Weil am Rhein von der Autobahn runtergefahren und über die Bundesstraße in die Schweiz eingereist. Die gleiche Strecke haben wir dann auch auf dem Rückweg genommen.
Schatzi hatte vorgeschlagen, doch noch ein kleines Stück durchs Hexental im Breisgau zu fahren. Da würden wir dann auch bestimmt ein Gasthaus finden.
Gesagt, getan. Wieder runter von der Autobahn und rein ins Markgräfler Land, durch Laufen und Staufen nach Ehrenstetten. Wir fuhren durch Weinberge und nette Ortschaften, am Straßenrand waren Stände aufgebaut, an denen Obst und Gemüse verkauft wurde.
In Ehrenstetten hielten wir bei einer Gärtnerei an, die nicht nur die üblichen Pflaumen und Tomaten verkaufte. Nein, dort gab es fast alles, was so ein Garten hergibt: Salate, Gurken, Tomaten, Pflaumen, Karotten, Radieschen und was weiß ich noch alles.
Die Gelegenheit musste natürlich genutzt werden! Und wie wir da so stehen, Gemüse aussuchen und Geld in die Kasse werfen, kommt die Gärtnerin, um die Waren aufzufüllen.
Mutig, wie mein Schatzi nun mal ist, hat sie dann gleich gefragt, ob die Frau uns ein gutes Gasthaus empfehlen könne. Das hat sie auch getan. Sie meinte, im Nachbarort Bollschweil gäbe es ein Dorfgasthaus mit Namen Bolando. Das sei ganz neu und wohl auch gut.
Na, das war ja wunderbar! Dort beginnt auch die Hexentalstraße.
Kurz vor 18 Uhr kamen wir in Bollschweil an und fanden auch recht schnell das Bolando. Denn es leuchtete im kräftigen Rot mitten im Ort.

Das Bolando ist Deutschlands erstes genossenschaftlich geführtes Dorfgasthaus und wurde erst im Januar 2010 eröffnet. Es erfreut sich allerdings bereits großer Beliebtheit, wir dann feststellen mussten. Die meisten Plätze waren reserviert. Wir haben dann aber doch noch drei Plätze bekommen und erst mal voller Begeisterung über die niedrigen Preise die Speisekarte studiert. Schatzi und ich haben den Badischer Filettopf – Schweinefiletmedaillons mit Butterspätzle, Pilzrahmsauce und Salat bestellt und P. den Gemüseteller mit frischen Kräutern und Basmatireis. Das Essen war lecker und wir haben uns auch noch einen Nachtisch gegönnt. Und jede Menge Trinkgeld gegeben, da wir uns ja so über die Preise gefreut hatten!

Dann wurde es aber auch Zeit, nach Hause zurückzufahren. Weiter durchs Hexental und bei Freiburg dann wieder auf die A5. Zum Glück war der Verkehr nicht mehr so schlimm und geregnet hat es auch nicht mehr, so dass wir nur drei Stunden brauchten.

Der Ausflug hat sich allemal gelohnt. Es macht doch immer wieder Spaß, sich die Zeit zu nehmen, Kunst von Frauen anzuschauen und so einen schönen Tag zu verbringen.

Links:

Rosemarie Trockel
Kunstmuseum Basel
Eine ihrer Zeichnungen
Markgräfler Land
Hexental
Bollschweil
Dorfgasthaus Bolando