Samstag, 12. September 2009

2. Tag des Kongreßes.
Ich will nicht mit Deatils von den Vorträgen langweilen und schreibe lieber über’s Drumrum.
Der erste Block fing heute morgen um 11 Uhr an. Ich bin gegen 10 Uhr angekommen und habe mich erst mal ein bißchen umgeschaut. Es gab wieder belegte Brötchen, Obst und Getränke. Im Foyer des Hörsaalgebäudes waren viele Stände von Übersetzungsdienstleistern und Herstellern von Übersetzungsprogrammen und Wörterbüchern aufgebaut, wo frau sich informieren konnte. Außerdem waren das Bundessprachenamt und der Bundesnachrichtendienst (BND) da, die auf der Suche nach MitarbeiterInnen sind. Allerdings sind diese beiden Organisationen für mich nicht interessant, das Bundessprachenamt sucht hauptsächlich Leute mit exotischen Sprachen, wie zum Beispiel Somalisch (Einsatz im Kampf gegen Piraten) und der BND sucht Festangestellte, die zunächst in Pullach und später irgendwann in Berlin wohnen müssten. Und nach Pullach will ich jetzt nicht unbedingt!
Gegen 12.45 Uhr machte sich ein großer Treck von DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen auf den Weg zur Mensa der Uni. Es war ein Weg von ungefähr 15 Minuten, aber da ich großen Hunger hatte, kam mir der Weg viel länger vor. Am Mensagebäude hatte sich eine ziemlich lange Schlange gebildet, die nur langsam voran kam. Aber schließlich kam ich dann doch an die Reihe. Es gab Hähnchenbrust im Cornflakesmantel mit Reis oder Kartoffeln und etwas Gemüse, Sesam-Mozarellea-Sticks mit verschiedenen Beilagen und als Drittes Salat zur Auswahl. Ich habe die Hähnchenbrust gegessen. Sehr lecker. Auch der Nachtisch war gut. Es gab Rote Grütze mit reichlich Vanillesauce.
Der nächste Block sollte um 14.15 Uhr beginnen. Da jedoch das mit dem Mittagessen so lange gedauert hatte, fing die Veranstaltung erst um 14.30 Uhr an.
Nach dem letzten Block von 16.30 bis 18 Uhr machte sich ein großer Teil der TeilnehmerInnen auf den Weg zu den bereits wartenden Bussen, um zum Anleger für eine Schiffsrundfahrt gebracht zu werden.
Draußen saß auch schon mein Schatzi, denn sie hatte auch eine Karte für die Abendveranstaltung bekommen, die wir statt der Schifffahrt sehen wollten: Gayle Tufts rockt! Und das hat sie wirklich. Diese Frau ist einfach phänomenal. Die muss frau einfach live gesehen haben. Schon lange nicht mehr so heftig und viel gelacht. Wie sie die deutschen Eigenheiten auf die Schippe nimmt, klasse. Sei es „Luft schnappen“, „spazieren gehen“ oder das kleine Wörtchen „so“, dass von den Deutschen so gerne in allen möglichen Situationen eingesetzt wird. Nicht zu vergessen, die deutsche Oma. Gayle Tufts ist überzeugt, hätte Amy Winehouse eine deutsche Oma, die zu ihr gesagt hätte, „Kind, geh‘ mal an die frische Luft“ oder „Iss erst mal ’ne Stulle“, wäre sie jetzt nicht so ein Wrack.
Welche da nicht Vieles wiedererkennt und über sich selbst lachen kann, der ist nicht zu helfen!
Und sie kann wunderbar singen und hat eine phantastische Bühnenpräsenz.
Der Auftritt dauerte leider nur eine Stunde. Viel zu kurz!
Danach sind Schatzi und ich zurück zum Hotel gefahren, mit einem kleinen Zwischenstopp im „Park Café“ für Kaffee/Cappuccino und Wasser.
Morgen werde ich nicht mehr zum Kongreß gehen. Die Veranstaltungen sind nicht mehr ganz so interessant. Stattdessen werden wir zur Domäne Dahlem fahren, wo Schatzi heute schon mal war. Aber davon berichtet sie jetzt selbst.
Schatzi2:
Für mich war heute „Markttag“. Morgens fuhr ich zum Flohmarkt „Str. des 17. Juni“ zwischen Ernst-Reuter-Platz und S-Bahnstation Tiergarten.
Ganz netter Flohmarkt mit Kunsthandwerk-Teil. Habe eine Silberkette und ein Leinenhemd gekauft.
Mittags bin ich zum Winterfeldtplatz gefahren (Nollendorffplatz/Ecke Maaßenstraße). Ein supertoller Markt: mindestens doppelt so groß wie der Konstimarkt, eine Mischung aus regionalem Erzeuger-, Kunsthandwerk- und Flohmarkt – umgeben von schönen Altbauten und vielen Cafes. Dort gab es so abgefahrene Sachen wie Bonsaibäume (8-Meter-Stand), tolle Schürzen aus alten karierten Geschirrtüchern, Tiramisu mit Pistaziensahne und Heidelbeeren, ein heftig belagerter Stand mit Scampis in allen Zubereitungsformen, ein freundlicher Buchdrucker mit Visitenkarten-Sofortservice (Metallbuchstabensatz), venezianischer Perlenschmuck und Gestricktes wie lange Hosen, Pullover, Jacken, Socken, Babysachen und viele wunderschöne Schals (sogar in Lochmuster Mohair), ein 8-Meter-Stand mit mehr Nüssen und Pistazien als frau sich vorstellen kann, Klamotten in allen Stilen inkl. Edel-Punk, Hausschuhe, Keramik in allen Farben und Formen, eine Gärtnerin die nur individuell frisch gebundene Sträuße verkaufte, Lammbratwurst mit selbstgebackenem Brot und selbstgemachtem Senf (alles in bio und sehr lecker). Dort kaufte ich zwei Halstücher für Schatzi (die Sorte, die sie mag) und ein Visitenkarten-Etui – ebenfalls für meine Süße und ein paar Hausschuhe für mich (ahhh, endlich wieder Hausschuhe..). Obwohl dieser Markt in unserem Reiseführer stand, waren kaum „erkennbare“ Touristen da sondern fast nur Einheimische, die ständig Bekannte begrüßten. Konnte mich nur schwer von diesem tollen Ort losreißen. Dann fuhr ich mit der U3 zum Dorf Dahlem. Im Reiseführer stand, dass die Japaner den U-Bahnhof Dahlem-Dorf zum schönsten U-Bahnhof der Welt gewählt haben. Jetzt erfuhr ich auch, warum. Der Bahnhof ist innen wunderschön holzverkleidet, sieht von außen wie ein Wohnhaus aus und ist reed-gedeckt ! Wirklich schön… Dahlem-Dorf ist ein sehr hübscher grüner Villen-Stadtteil – 11 km von der Stadtmitte entfernt. 100 m vom Bahnhof links ist die Domäne Dahlem, ein Freilichtmuseum mit aktiv-betriebenem Biohof. Dort war gerade das Brandenburger Spezialitätenfest. Wirklich schön: Schlicht ohne viel Popanz mit vielen Ständen im Hof, Slow-Food-Kochen und Mini-Treckerfahren für Kinder, einer Ausstellung (mehr dazu morgen), ein Hofladen, ein Museumsshop, eine Kunstschmiederei, einem Möbeltischler und einem Blaufärber. Es gab viel schönes Selbstgestricktes, Schmuck, viele Marmeladen und Senfe, Brandweine (u.a. von Mönchen verkauft), Seifen, zubereitete Schnecken von einem Schneckenzüchter, Apfelschwein-Braten (so heißt die Rasse) mit Krautsalat, Pferdefleischspezialitäten, Rehgulasch mit Nudeln, Sanddornsaft und Super-Kaffee. Sehr nette Atmosphäre mit vielen älteren und auch jungen einheimischen BesucherInnen. Vielleicht war ich sogar die einzige Touristin. Kleine Anekdote: Neben unserem Hotel befindet sich eine alteingesessene Schokoladenmanufaktur namens Hamann. Wie das bei Touristinnen oft so ist – wir kommen dort immer erst nach Ladenschluss vorbei. Auf der Domäne Dahlem wurde nun just diese Schokolade im Museumsshop verkauft – so ein Zufall. Leider war die Schokolade nichts besonderes. Gegen 17 Uhr fuhr ich nur eine Station weiter, um Schatzi vorm Kongress-Gebäude zu treffen.