Schatzis Senftöpfchen, die Erste: Soulfood

Senftöpfchen deshalb, weil ich ab und zu das dringende Bedürfnis habe, meinen Senf dazu zu geben. So wie heute zum Beispiel. Ich kann einfach nicht schlafen gehen, ohne meiner Begeisterung zum Thema „Soulfood“ Ausdruck zu geben.
Statt mit „Es war einmal…“ fange ich mal mit „Stellt Euch vor…“ an.
Also: STELLT EUCH VOR…

Ein kleines unscheinbares Restaurant -im Besitz zweier Frauen- mit einem selbstgezimmerten Kassencounter, abgewetztem Teppichboden, leicht altmodischen aber sauberen Holzmöbeln und so ’ne Art Gospelmusik im Hintergrund – „Miss Thelmas Restaurant“. Am Counter steht eine leicht schläfrige schwarze Frau mittleren Alters, die sich schon auf ihren Feierabend freut. Und dann blühten wir ihr…

Lemonade ist das erfrischende Zeug, das in „Vom Winde verweht“ oder „Fackeln im Sturm“ immer von im Schaukelstuhl sitzenden Damen auf der Terrasse vor’m Haus getrunken wird – Wasser, Eis, Limonen- oder Zitronensaft und Zucker. Die Menge Saft und Zucker machen eine gute oder weniger gute Lemonade. Diese Lemonade war perfekt. Kurz bevor sich die Gesichtsmuskeln leicht verziehen, entspannen sie sich wieder. Der Anteil der Säure ist genau richtig – eben noch kurz vor’m Gesichtverziehen.

Der Eistee ist aus frischem, aufgebrühten schwarzen Tee gemacht, nicht zu stark und nicht zu dünn – hmmm…

Das Maisbrot besteht aus kleinen runden Küchlein, mit flüssiger Butter übergossen und noch ganz heiß. Das Maismehl knirscht kaum merklich zwischen den Zähnen – ohhhhh…

Und dann die Maccaroni-und-Cheese: Kleine halbrunde Maccaronis in einer cremiger Sauce aus geschmolzenem Cheddar-Käse und Milch. Wenn Nudeln glücklich machen, macht diese Kreation euphorisch – ahhhh…

Das Fleisch (Hähnchen und Spareribs) fiel schon vom Scharf-angucken vom Knochen – ein Traum…

Und das Coleslaw war fein, aber nicht zu fein geschnittener Weißkohl mit Karotten und Petersilie in einer leichten Sahnesauce… jahmmmmm…

Für die wunderbaren Pies (Kürbis oder Lemoncurd)oder die mindestens
25 cm hohe unverschämt fette Cremetorte war leider kein Platz mehr.
Sie wurden ausgiebig in ihrer Vitrine bewundert.

Darüber, ob das alles gesund ist, ließe sich trefflich streiten. Nein, eigentlich nicht. Es ist bestimmt nicht gesund – na und…
Und das Wort „Kalorien“ kommt in diesem Schlaraffenland nicht vor, aber das ist Soulfood – Essen, das Du kaum kauen musst; Essen, das Dir auch nach einem total beschissenen Tag ein strahlendes Lächeln entlockt. Und so lächelte dann auch die etwas schläfrige Dame am Counter doch noch – ob unserer Lobtriaden. Sie konnte nicht anders….

Und wir, Schatzi und ich, lächelten auch. Nach diesem anstrengenden Tag war dieser Genuss genau das, was wir gebraucht hatten. Die US-amerikanische Kultur birgt durchaus mancherlei Erfreulichkeit – wie z. B. Soulfood. Und das Beste ist, dass Schatzi und ich uns an diesen Erfreulichkeiten und symphatischen Schrulligkeiten gleichermaßen erfreuen können.

Morgen gehen wir in ein typisches amerikanisches Barber-Shop und lassen uns die Haare schneiden. Wir finden: Dieses Abenteuer stellt jede Dschungeltour und jede Bergbesteigung locker in den Schatten.