Schatzis Senftöpfchen, die Letzte: Hotels

Nun will doch auch ein letzts Mal „meinen Senf“ dazugeben…..

Eine Kollegin von mir, die ungern in Hotels übernachtet, dies aber öfter geschäftlich tun muss, sagte mir mal folgendes:
„Am liebsten übernachte ich in Hotels der gleichen Kette. Da sind die Zimmer immer gleich. Ich kann blind die Lichtschalter finden. Und das Frühstück ist auch immer gleich. Das gibt mir wenigstens ein kleines bisschen das Gefühl von Zuhausesein“.

Nun, diese Einstellung kann ich ja so gar nicht teilen. Große Hotelketten sind mir ein Graus. Ich hab’s lieber individuell, suche immer wieder gerne die Lichtschalter. Es ist für mich jedes Mal auf’s Neue ein spannender Moment, wenn sich die Tür öffnet und wir in ein neues Hotelzimmer treten. Rumgucken, wie alles ist und wo alles ist, finde ich super. Meist bin ich positiv überrascht, manchmal auch nicht. Wenn wir dann unterwegs sind und vom Hotel sprechen, sage ich immer „zuhause“ oder „nach Hause“, denn das ist es wirklich für mich solange ich da bin.

Grundsätzlich bin ich ja eher für mehr Sterne als weniger. Seit unserem Aufenthalt im OMNI Shoreham in Washington (wo wir ja jetzt gerade auch nochmal sind), muss ich diese Einstellung jedoch ein wenig „modifizieren“. Mensch kann alles übertreiben:

Die beiden Flügelgänge, die zu den Fahrstühlen führen, sind jeweils 30 m lang und 7 m breit. Die Lobby samt Restaurant hat eine geschätzte Größe von 400 qm. Die Teppiche sind je 50 qm groß. Der helle Granitboden kann fast als Spiegel benutzt werden, so sehr ist er poliert. In der Lobby hängen sage und schreibe 11 Riesenkronleuchter, die diese „Pracht“ taghell erstrahlen lassen. Die Messingtüren der Fahrstühle werden zigmal täglich auf Hochglanz gewischt. Ständig hält jemand vom Personal eine Tür auf oder fragt, ob der Gast einen Wunsch habe oder etwas suche. Ich scheute mich fast, durch die Lobby zu gehen. Das ist mir einfach zu viel. Und alle Angestellten sind „natürlich“ – wie kann es anders sein – nicht-weiß. Dieser Kasten wurde 1930 gebaut, wirkt aber wie ein Relikt aus dem vorletzten Jahrhundert. In all diese „Pracht“ passen die Hotelgäste natürlich gar nicht rein – dickbäuchige Männer in Bermudashorts mit Flipflopps (voll das Klischeé), Menschen in labberigen Trainingsanzügen und zerrissenen Jeans, die ständig auf ihr i-pad oder ihr Handy starren. Nun sollte frau meinen, dass die Zimmer in all dieser Pracht ein Vermögen kosten… Aber weit gefehlt. Das Zimmer (über einen deutschen Reiseveranstalter gebucht), war überaus günstig. Vielleicht mögen ja gar nicht mehr so viele Leute „im vorletzten Jahrhundert übernachten … ???

Das perfekte Gegenbeispiel ist das Hotel „The Colony“ in Kennebunkport:
Auch alt, auch historisch bedeutsam, auch prächtig, aber mit jedem Backstein und jedem Brockatvorhang bedingungslos dem Understatement verschrieben. Es ist zurückhaltend prächtig, nicht ist protzig. Es hat Stil – still, leise, bescheiden und unaufdringlich. Und die Angestellten sind überaus herzliche Menschen, viele ältere; auch leicht gehandikapte Frauen und Männer sind dabei. Wenn sie einen willkommen heißen, ist das nicht antrainiert sondern echt. Das ist deutlich zu spüren. Sie reden mit den Gästen genauso wie mit ihren Nachbaren, fragen, was man gerne mag, was man möchte und nehmen einem nicht gleich den Koffer aus der Hand. Die Gäste können sich auch nach Betreten des Hotels weiterhin wie mündige Menschen fühlen. Das Verhalten des Personals suggeriert kein unangenehmes Gefühl von „Gefälle“ oder Devotismus. Die Eigentümerin des Colony-Hotels hat ihr Personal nach sehr intelligenten, menschenfreundlichen Gesichtspunkten ausgewählt. Dort habe ich mich jedes Mal gefreut, an der Rezeption vorbeizugehen und ein paar nette Worte zu wechseln.

Es sind immer die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen: Das kleine Nähzeug-Set im Bad (auch, wenn frau es gar nicht braucht), die Rutschmatte für die Badewanne, zwei verschiedene Kissen (hart und weich), ein kleiner Gäste-Kühlschrank, ein Stadtplan auf den Schreibtisch, ein wirklich herzliches Willkommen, ein guter Ausflugstipp u.ä.

Das Colony in Kennebunkport ist definitiv ganz nahe an „perfekt“, unsere neue Nummer 1 – noch vor dem „Corte dei Folletti“ in Lucca/Toskana und dem „Frauenhotel Artemisia“ in Berlin.