Schatzis Senftöpfchen, die Vierte: Leuchttürme

Im US-Staat Maine gibt es mehr als 70 Leuchttürme, wenige ganz hohe, viele kleine dicke Knubbel, manche auch nur ein Türmchen auf einem Wohnhaus. Die ersten wurden in der ersten Hälfte des 18. Jh. gebaut. Alle haben gemeinsam, dass sie an sehr exponierten Orten stehen. Jeder Turm symboliert das Ende der Zivilisation, das Ende von Sicherheit und Geborgenheit. Jenseits solcher Türme regieren enorme Naturgewalten, die auch heutzutage nur bedingt beherrschbar sind.

Ich stehe an einem Leuchtturm – so wie heute- und kann mir lebhaft vorstellen, dass sein Licht für Generationen von Seeleuten Rettung, Hoffnung und Erleichterung bedeutet hat. Und wenn es nicht sein Licht war, dann -bei Nebel- seine gewaltige Glocke. Da kommt mir der berühmte Film „The Fog“ in den Sinn. Dieser Nebel des Grauens wurde von einem Leuchtturm aus entdeckt.

So ein Leuchtturmwärter hat das Meer und den Himmel in allen Farbschattierungen gesehen, hat alle Wetter erlebt und viele Schiffe gesehen, hat tausendmal Ebbe und Flut beobachtet und Stürme in höchster Windstärke durchlitten. Er hat Schiffe an den Klippen zerschellen und Menschen ertrinken sehen. Aber er und seine Familie waren auch sehr einsam, im Winter oft wochenlang von jedem Kontakt zu anderen Menschen abgeschnitten und obendrein noch schlecht bezahlt. Viele haben sich noch nebenbei als Kleinbauern betätigt und Eier und Fleisch verkaufen müssen. Die meisten haben den Job nur ein paar Jahre gemacht.
Übrigens: Die einzige offiziell ernannte Leuchtturmwärterin war Ida Lewis (gestorben 1911). Ihr Vater war Leuchtturmwärter gewesen. Nach seinem Tod fungierte seine Frau kommissarisch an seiner Stelle. Nach ihrem Tod wurde Ida offiziell zur Nachfolgerin ihres Vaters ernannt. Sie rettete viele Leben und wurde noch zu Lebzeiten als große Heldin gefeiert und vielfach ausgezeichnet. Schatzi hat eintolles Buch über Idas Leben gekauft.

Heute gehören die Leuchttürme der USA der US-Küstenwache und sind alle -bis auf eine Ausnahme- automatisiert. Der allererste Leuchtturm der USA war das „Boston Light“. Vor langer Zeit wurde von der Regierung verfügt, dass dieser Leuchtturm für alle Zeiten „bemannt“ sein muss. So verrichten auch heute noch Offiziere der Küstenwache dort ihren Dienst als Leuchtturmwärter. Uns wurde erzählt, dass die US-Küstenwache eine Reihe von Leuchttürmen -insbesondere in Michigan an der großen Seenplatte- verkaufen will, da die Unterhaltung auf Dauer sehr teuer ist.

So stand ich heute an einem Leuchtturm an einem „Lands End“ – am Ende der zivilisierten Welt- beobachtete die Wolken, die Brandung und überlegte für einen Moment sehnsüchtig, wieviel wohl so ein Leuchtturm kosten mochte. Da fiel mir ein Lied ein, dass bestimmt viele von Euch aus der Schulzeit kennen:

Wir lieben die Stürme,
Die brausenden Wogen,
Der eiskalten Winde
Rauhes Gesicht.
Wir sind schon der Meere
So viele gezogen
Und dennoch sank
Unsre Fahne nicht.
Hei jo, hei jo, hei jo, hei jo, hei jo ho
Hei jo, hei jo ho, hei jo.

Morgens die Augen aufmachen, den Kopf anheben und das Meer sehen ist super. Aber was würde ich arbeiten ? Ein Café oder ein Souvenirshop betreiben ? Schatzi könnte ja überall übersetzen, aber ich ??? Die nächste Ansiedlung, die wir STADT nennen würden, ist Portland –
2 Autostunden entfernt. Die nächste Großstadt ist Boston – 4 Autostunden entfernt.

Ach, ich liebe Leuchttürme, aber so auf Dauer in einem Leuchtturm leben….. Wenn ich so drüber nachdenke…. Nein, lieber doch nicht, aber es ist immer mal wieder schön, davon zu träumen.