Schottland – 18.06. bis 25.06.2006, Teil 2

Romantischer Traum mit viel Whiskey und ganz ohne Wein

Der nächste Tag war ganz wunderbar. Wir fuhren in die Grafschaften Angus und Aberdeenshire. In Stonehaven besichtigten wir die schönste Burgruine, die ich je gesehen habe und wahrscheinlich je sehen werde: Dunnottar-Castle, ein absolut atemberaubender Traum, wie im Film, wie ein Kunstwerk. Eine Burg aus dem 15-16. Jahrhundert, ein „early Fortress of the dark ages“ – wie es so schön heißt.
Stellt Euch vor: Ihr steigt aus dem Bus, geht ein paar Meter und plötzlich erscheint vor Euch eine große, leicht abschüssige, saftig grüne Wiese mit blühenden Fuchsienbüschen, am Ende der Wiese eine phantastisch romantische Burgruine und unmittelbar hinter der Ruine das tosende Meer. Ja, das Castle steht direkt am offenen Meer. Die Schatten der weißen Wolken am stahlblauen Himmel zogen in rasantem Tempo über die Wiese. Eine Szenerie, die eine nur sprachlos staunen ließ. Seither ist Dunnottar-Castle für mich das Synonym romantischer Schönheit. So standen wir mit unserer Reisegruppe zusammen auf der Wiese und schüttelten ob dieses Anblicks immer wieder ungläubig die Köpfe. Der Reiseleiter spendierte Whiskey und Shortbread für alle, und wir waren sehr glücklich.

Dann ging es nach Ballater, der Ort mit dem ganz besonderen Bahnhof. An dieser „Royal Station“ kam Königin Victoria mit dem Zug an, wenn sie zum königlichen Sommersitz Schloss Balmoral wollte. Von Balmoral selbst konnte frau nur die Spitzen der Türme sehen.
In Ballater gab es die königliche Hofbäckerei Chalmers. Dort kaufen Queens ihre Brötchen. Wir kauften uns zum Lunch Maccaroni und Cheese, Biscuits, Muffins, Kakao und Himbeersaft – alles sehr teuer, aber dafür haben wir auch die selbe Luft atmen dürfen wie die Royals. Und das ist ja quasi unbezahlbar. Unser Lunch verspeisten wir dann auf einer sonnigen Parkbank bei Windstärke 7. Habt ihr schon mal versucht, ein pompös verpacktes Lunch bei Windstärke 7 zu essen ? Wir haben’s geschafft – ohne die Verpackung mitzuessen. Dafür hätte uns eigentlich mindestens ein Orden gehört.

Und weiter ging’s zur kleinsten Whiskey-Destillerie der Welt, „Edradour“ – mitten in der Wildnis, umgeben von viel Gestrüpp. Sie war wirklich sehr klein, nicht größer als ein großer Bauernhof. Wir sahen einen kurzen Film, besichtigten die Produktion und testeten natürlich auch verschiedene Sorten. Im Shop kauften wir sogar eine Flasche, weil Schatzi doch eine schöne Whiskey-Flasche für ihr nächstes Theaterstück brauchte. Es gehört ganz sicher nicht zu den wichtigen Erkenntnissen im Leben, aber es war nett, erfahren zu haben, wie man Whiskey macht.

Abends im Hotel gab’s dann noch ein wenig Trubel: Der Reiseleiter war zu einem Date gegangen und somit nicht, wie sonst immer, im Hotel anwesend. Abendessen sollte es um 20 Uhr geben. Um 19 Uhr wurden alle Reisegäste auf ihren Zimmern angerufen. Das Essen sollte nun schon um 19.30 Uhr serviert werden. Viele standen noch unter der Dusche. Alle stürzten also abgehetzt in den Speisesaal. Und dann warteten wir eine geschlagene Stunde aufs Essen. Die Leute waren sauer. Aber das Dilemma war noch ganz doll steigerungsfähig: Dem Hotel war der Weißwein ausgegangen – schimpf, schimpf. Kurz danach war der Rotwein alle. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen: Das Bier ging auch zur Neige. Du liebe Zeit… Da hättet ihr aber was erleben können. Es stellte sich heraus, dass ein Angestellter der Frühschicht versehentlich den Schlüssel zum Getränkelager mitgenommen hatte. Das Hotel hatten den ganzen Abend verzweifelt versucht, ihn zu erreichen – leider vergeblich. Die Stadt Dundee lag einige Kilometer entfernt. Und die Geschäfte hatten ja ohnehin schon zu. Unsere Reisegruppe hat diesen Abend aber dann doch knapp überlebt. Uns ging’s ohne Wein und Bier sowieso prima.

Die Highlands – Steinkreise, Nessies und Harry Potters Brücke

Endlich ging’s in die Highlands. Bisher waren wir ja in den sehr viel weniger berühmten Lowlands gewesen. Auf der Fahrt erzählte uns der Reiseleiter sehr launig die Geschichte von „Bonny Prince Charlie“, einer gaaaaaanz wichtigen schottischen Legendenfigur. Er lehrte uns schottische Lieder, die gälische Sprache, las uns zeitgenössische schottische Gedichte und aus der Tageszeitung vor – wirklich ganz kurzweilig.
In der Nähe des Dorfes Croy ging eine winzige Straße hinein ins Nichts. Hätten wir nicht alle heftig die Luft angehalten.. der Bus wäre niemals durchgekommen. Am Ende der Straße, im Zentrum des Nichts wurden wir für unsere vom Luftanhalten schmerzenden Bauchmuskeln entschädigt: „Balnuaran of Clava“ – riesige aufgeschichtete Steinhaufen, kreisförmig angeordnet. Es wird vermutet, dass es sich um Gräber handelt, obwohl bei den Ausgrabungen keinerlei Indizien dafür gefunden wurden.
Schatzi und ich waren der festen Überzeugung, dass es sich um eine matriarchale Ritualstätte handelte.

Nächster Halt: Inverness, eine für schottische Verhältnisse relativ große und moderne Stadt, aber „schön“ iss was anderes… In der Fußgängerzone gab es einen internationalen Markt, u.a. mit deutscher Bratwurst und deutschem Ketchup – nein, danke. Dann weiter Richtung Fort Augustus am Loch Ness. Unterwegs haben wir noch Urquhart-Castle angeschaut, auch schön, aber kein Vergleich mit siehe oben…

In Fort Augustus gingen wir an Bord eines Sonarbootes um nach Nessie zu suchen. Der Bauch des Bootes war voll mit Sonargeräten, die den See nach Nessies absuchten. Ja, ihr habt richtig gelesen: Nessies (Mehrzahl). Unser Kapitän hat allen Ernstes und mit allem Nachdruck behauptet, dass er schon 16 „Wesen“ gesehen habe und dass sie in einem Höhlensystem unterhalb der Wasseroberfläche lebten. Er schien ein ganz ernsthafter, ja geradezu fanatischer Nessie-Gläubiger zu sein. Der Loch Ness selbst ist ein mittelgroßer See mit nichts als Wald drum herum – nichts besonderes. Aber Legende hin oder her: Selbst die allerrationalste Person auf diesem Schiff hat fast unablässig entweder auf die Wasseroberfläche oder auf den Sonarschirm gestarrt. Na ja, wohin auch sonst. Es gab ja, wie gesagt, nicht viel anderes zu sehen. Im Souvenirladen in Fort Augustus sahen wir dann noch ein schönes Schild: „Der Sommer wird in diesem Jahr am 24. Aug. von 13.30 bis 14.00 Uhr stattfinden.“

Vorbei an ein paar weiteren Seen, die so ziemlich alle gleich aussehen (dunkles Wasser, Wald drum herum), fuhren wir dann nach Mallaig, ein Küstenort vor der Insel Skye gelegen. Zu Eurer Orientierung: Wir sind inzwischen am Atlantik. Ach ja, unterwegs haben wir bei Glennfinnan dann noch die Eisenbahnbrücke gesehen, auf der Harry Potters Zug gefahren ist. Mallaig ist ein typisches Fischerstädtchen. Unser Hotel lag auf einem Hügel, befand sich im Privatbesitz ganz netter Leute und hatte eine sehr angenehme Atmosphäre. Unser Zimmer war toll mit Blick aufs Meer und die Insel Skye.

Links (teils Deutsch, teils Englisch)
Dunnottar Castle
Nessie live im Internet
Balmoral Castle
Balnuaran of Clava
Ballater
Inverness
Edradour